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Jenseits des Bösen

Jenseits des Bösen

Titel: Jenseits des Bösen Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Clive Barker
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man kann den Schwarm überall finden, wenn man weiß, wo man suchen muß. Und manche
    Menschen wußten das. Im Lauf der Jahre gab es einige Männer und Frauen, wie der Jaff, denen es gelang, hinter die Täuschungen und Rauchwände zu sehen, die die Hinweise aufgriffen und die Kodes knackten, und die Kodes in den Kodes, bis sie dicht an der ›Kunst‹ dran waren. Dann mußte der Schwarm natürlich eingreifen, und wir haben immer von Fall zu Fall entschieden, welche Vorgehensweise angebracht zu sein schien. Einige dieser Suchenden waren Gurdjeff, Melville, Emily Dickinson; eine interessante Mischung, die wir schlicht und einfach zu den heiligsten und geheimsten Adepten
    gemacht haben, damit sie unsere Rollen übernehmen sollten, wenn der Tod unsere Zahl verringerte. Andere stuften wir als unwürdig ein.«
    »Was habt ihr mit ihnen gemacht?«
    »Wir haben unsere Fähigkeiten eingesetzt, um sämtliche 431
    Erinnerungen an ihre Entdeckung aus ihren Köpfen zu tilgen.
    Was sich häufig als fatal erwiesen hat. Man kann einem Menschen nicht eines Tages die Suche nach dem Sinn
    wegnehmen und erwarten, daß er überlebt, besonders wenn er der Lösung so nahe gekommen ist. Ich vermute, einer oder eine unserer Abgelehnten hat sich erinnert...«
    »Und den Schwarm ermordet.«
    »Das scheint die wahrscheinlichste Theorie zu sein. Es muß jemand sein, der den Schwarm und sein Tun kennt. Was mich wieder zu Randolph Jaffe bringt.«
    »Ich kann ihn mir nur schwer als Randolph vorstellen«, sagte Tesla. »Oder überhaupt als Menschen.«
    »Glaub mir, er ist einer. Außerdem ist er der größte
    Einschätzungsfehler, den ich je gemacht habe. Ich habe ihm zuviel erzählt.«
    »Mehr als du mir erzählst?«
    »Jetzt ist die Situation verzweifelt«, sagte Kissoon. »Wenn ich dir nicht alles sage und Hilfe von dir bekomme, dann sind wir alle verloren. Aber bei Jaffe... war es meine eigene Dummheit. Ich wollte jemand, mit dem ich meine Einsamkeit teilen kann, und ich habe eine schlechte Wahl getroffen. Wären die anderen noch am Leben, dann wären sie eingeschritten und hätten mich daran gehindert, so eine Fehlentscheidung zu treffen. Sie hätten die Verderbtheit in ihm gesehen. Ich nicht.
    Ich war froh, daß er mich gefunden hatte. Ich wollte
    Gesellschaft, wollte, daß mir jemand hilft, die Last der ›Kunst‹
    zu tragen. Und damit habe ich eine schlimmere Last
    geschaffen. Jemanden mit der Macht, die Essenz zu erreichen, aber ohne die geringste seelische Läuterung.«
    »Er hat auch eine Armee.«
    »Ich weiß.«
    »Woher kommen sie?«
    »Von dort, woher alles kommt. Dem Verstand.«
    »Alles?«
    432
    »Du stellst schon wieder Fragen.«
    »Ich kann nichts dafür.«
    »Ja, alles. Die Welt und alle ihre Werke; ihr Entstehen und Vergehen; Götter, Läuse und Tintenfische. Alles aus dem Verstand.«
    »Das glaube ich dir nicht.«
    »Wie kommst du darauf, daß mich das interessiert?«
    »Der Verstand kann nicht alles erschaffen.«
    »Ich habe ja nicht gesagt, der menschliche Verstand.«
    »Aha.«
    »Wenn du aufmerksamer zuhören würdest, würdest du nicht so viele Fragen stellen.«
    »Aber du möchtest, daß ich alles verstehe, sonst würdest du dir nicht soviel Zeit nehmen.«
    »Zeit außerhalb der Zeit. Aber, ja... ja, ich möchte, daß du alles verstehst. Wenn man das Opfer bedenkt, das du bringen mußt, ist es wichtig, daß du alles verstehst.«
    »Was für ein Opfer?«
    »Ich sagte es dir doch: Ich kann nicht in meinem Körper von hier weg. Ich würde entdeckt und ermordet werden, wie die anderen.«
    Sie zitterte trotz der Wärme.
    »Ich glaube, ich kann dir nicht ganz folgen«, sagte sie.
    »O doch.«
    »Du möchtest, daß ich dich irgendwie hinausschmuggle?
    Deine Gedanken mit mir trage?«
    »Kommt hin.«
    »Kann ich nicht einfach für dich handeln?« sagte sie. »Deine Agentin sein? Ich bin gut da draußen.«
    »Das glaube ich.«
    »Du gibst mir Anweisungen, ich erledige das Erforderliche.«
    Kissoon schüttelte den Kopf. »Du weißt so vieles nicht«, sagte er. »Ein gewaltiges Bild, und ich habe nicht einmal angefangen, es zu enthüllen. Ich bezweifle, ob deine Fantasie 433
    damit fertig werden würde.«
    »Versuch es«, sagte sie.
    »Bist du so sicher?«
    »Ganz sicher.«
    »Nun, das Problem ist nicht nur der Jaff. Er könnte die Essenz beflecken, aber das würde sie überleben.«
    »Und was ist dann das Problem?« sagte Tesla. »Du erzählst mir da eine Scheiße, ein Opfer sei notwendig. Wofür? Wenn die Essenz sich um sich selbst

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