Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Julia Extra Band 0350

Julia Extra Band 0350

Titel: Julia Extra Band 0350 Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: P Jordan
Vom Netzwerk:
Frau wie diese begegnet? „Ist sie untergebracht?“, erkundigte er sich bewusst gleichgültig.
    „Ja, in der großen Suite.“
    Er hatte ihr die beste Suite des Hotels zuweisen lassen, denn irgendwie war es ihm unerträglich gewesen, wie sie so verloren auf den Stufen der Botschaft gestanden hatte. Er hasste es, Menschen verletzlich und verängstigt zu sehen. Viel zu oft hatte er es ertragen müssen. Für einen flüchtigen Moment hatte die junge Amerikanerin ihn an Alyona erinnert. Und eigentlich dachte er nie an Alyona.
    Doch Hannah hatte diese Erinnerung geweckt, als sie dort vor der Botschaft gestanden hatte … so verloren und gleichzeitig so tapfer, was ihn dazu gebracht hatte, zu ihr zu gehen und ihr Dinge anzubieten, die er ihr eigentlich gar nicht hatte anbieten wollen. Und Dinge zu fühlen, die er gar nicht hatte fühlen wollen.
    Als sie auf dem Roten Platz davongegangen war, hatte er sich schuldig gefühlt, was ihm ebenfalls gar nicht behagt hatte. Schließlich hatte er genau gewusst, was die kleinen Taschendiebe vorhatten und hätte früher eingreifen können. Wenn er dem Treiben nicht so spöttisch zugesehen hätte, säße Hannah Pearl jetzt vermutlich mit ihrem Pass und ihrem Geld im Flugzeug zurück nach Amerika und nicht oben in der besten Suite seines Hotels.
    Oben … bei der Vorstellung vergaß er seinen Beschützerinstinkt und ließ seine Fantasie in eine ganz andere Richtung schweifen. Er war wirklich neugierig, was für eine Figur sich unter dem roten Parka verbarg. Und fest entschlossen, seine Gefühle für diese Frau in Zukunft streng auf ein rein erotisches Interesse zu beschränken. Spontan nahm er einen der Briefbögen von seinem Schreibtisch, die das Logo des „Kholodov“ trugen, schrieb eine kurze Nachricht und reichte sie Grigori.
    „Bring ihr das. Und lass den Tisch im privaten Separee im Restaurant zum Abendessen eindecken. Für zwei.“
    Grigori nickte, zögerte aber an der Tür. „Hast du Varya gefunden?“
    Sergej seufzte. „Nein.“ Eine gewisse Amerikanerin hatte ihn zu sehr abgelenkt. Doch er wusste, dass Varya in Schwierigkeiten steckte, daran ließ die Nachricht, die sie auf seiner Mailbox hinterlassen hatte, keinen Zweifel. Aber wann steckte Varya nicht in Schwierigkeiten?
    „Sie wird wieder auftauchen“, sagte Grigori. Es klang, als wollte er damit vor allem sich selbst beruhigen. Die drei, Sergej, Grigori und Varya, waren schon damals im Waisenhaus eine verschworene Gemeinschaft gewesen, wobei Sergej den Verdacht hegte, dass Grigori auch schon seit jenen Tagen in Varya verliebt war. „Sie taucht doch immer wieder auf.“
    „Ja.“ Aber Sergej wollte nicht, dass sie als namenlose Drogentote in irgendeinem Hauseingang oder als Wasserleiche in der Moskwa auftauchte. Wie oft würde es ihm noch gelingen, sie zu retten? Die Erfahrung hatte ihn längst schmerzlich gelehrt, wie wenige Menschen man wirklich retten konnte. Manchmal nicht einmal sich selbst.
    Grigori deutete auf die Nachricht in seiner Hand. „Ich werde es sofort erledigen.“
    Zu spät für einen Rückzieher. Sergej nickte. Und vielleicht war es ja auch besser, Hannah Pearl in die Reihe der Frauen einzusortieren, die er begehrte und wieder fallen ließ. Bevor mehr daraus wurde … eine Frau, die ihn an Alyona erinnerte und an den Jungen, der er einmal gewesen war, so jung und naiv wie sie.
    Nein. Besser, es erst gar nicht zuzulassen.
    Ehrfürchtig blickte sich Hannah in der geräumigen Suite um. Noch nie war sie von solchem Luxus umgeben gewesen. Sogar ein eigenes Ankleidezimmer gab es.
    Was für ein Mann war dieser Sergej Kholodov überhaupt? Allein bei dem Gedanken an ihn erschauerte sie beunruhigt und erregt. Was ihre Frage beantwortete. Auch wenn sie in Bezug auf Männer nicht sehr erfahren war – dazu bot eine Kleinstadt wie Hadley Springs kaum die Möglichkeiten –, wusste sie doch ihre Reaktion zu deuten. Sergej Kholodov war sündhaft sexy, charismatisch und unwiderstehlich. Sie war noch nie einem aufregenderen Menschen … Mann … begegnet.
    Allerdings bezweifelte sie, dass sie ihn noch einmal wiedersehen würde. Warum also drehten sich ihre Gedanken immer noch um ihn?
    Weil es schwer war, nicht an ihn zu denken. Die Ereignisse der letzten Stunden kamen ihr immer noch völlig unwirklich und überwältigend vor, von dem Moment an, da Sergej über den Roten Platz auf sie zugekommen war, bis hin zu dem Wiedersehen vor der amerikanischen Botschaft und schließlich zu der Ankunft in seinem

Weitere Kostenlose Bücher