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Kontaktversuche

Kontaktversuche

Titel: Kontaktversuche Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Erik Simon (Hrsg)
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anderes?«
»Na eben… so was… etwas Seriöseres!«
Aber er giftete mich schon an: »Was denn Seriöseres? Na sag doch! Was hättest du denn verlangt?«
Ich gestehe, daß er mich in Verlegenheit brachte. Ich hatte mir schon durch den Kopf gehen lassen, was ich mir an seiner Stelle gewünscht hätte, kam aber auf nichts Konkretes bei diesen merkwürdigen Bedingungen – daß es keine Einmischung in die irdischen Angelegenheiten sein dürfe. Verlangte man Macht, war das eine Einmischung, verlangte man Geld, war es dasselbe, denn auch Geld führt zu der Macht, die Dinge um sich herum zu verändern, Verstand, Schönheit, Talent – immer dasselbe! Und die Sache hatte auch Ähnlichkeit mit der häßlichen Geschichte von dem alten Mann und dem Goldfischchen, sie berührte letztlich unsere menschliche Würde – waren wir denn so unfähig, unsere irdischen Angelegenheiten in Ordnung zu bringen, daß wir Hilfe von anderen Planeten suchen mußten?
Wenn der Mensch hilflos ist, wird er zänkisch – um ein Haar hätten wir uns damals gestritten. Nur mit Mühe konnte ich mich soweit beherrschen, um ihn zu beraten, wie er sich vor Kantardshiew verhalten sollte. Fürs erste kam es hauptsächlich darauf an, den Professor als Verbündeten gegen den Unglauben der Leute zu gewinnen. Ich meinerseits bereitete mich auf die Begegnung mit dem Direktor vor, entschlossen, selbst vor Erpressung nicht zurückzuschrecken, damit er Petrow wieder einstellte. Doch zu meiner Überraschung wartete auf der Straße unser Dienstwagen auf mich, vielmehr genauer: der Wagen des Direktors. Durch die Scheibe grinste mich triumphierend Wantscho an. Der Direktor hätte ihn geschickt, um nachzusehn, was mit mir los sei, er mache sich Sorgen wegen des Zuspätkommens. Unterwegs erzählte er mir, der Direktor habe ihn kommen lassen, sich vor Liebenswürdigkeit fast umgebracht, und kein Wort von dieser Sache! Wantscho war recht im Zweifel: »Hör mal, was ihr mir da erzählt habt, war das wirklich so? Ihr habt mich doch nicht etwa verklapst, ha? Ich begreife überhaupt nichts, muß ich dir sagen.«
Mir war schon ein Licht aufgegangen, daß wir alle unseren Direktor fatal unterschätzt hatten. Und ich begriff es endgültig, als ich sein Büro betrat. Ich war einfach von den Socken, wie man so sagt.
»Ja, Dilow, was ist denn mit dir los, Menschenskind? Ich hab’ mich schon gefragt, ob du nicht auch mit irgend so einer fliegenden Untertasse abgehauen bist…«
Ich stotterte etwas, daß er sich um Petrow kümmern müsse, und er: »Ja, doch, ja, er liegt uns sehr am Herzen. Wir müssen sehn, was wir mit ihm machen. Unter uns gesagt, ich hab’ die Maschine schon in Gang gesetzt. Wir werden ihn doch nicht auf der Straße sitzenlassen, so einen fähigen Menschen! Ich beschaff ihm eine Stelle mit höherem Gehalt. Diese psychischen Erkrankungen sind etwas Schreckliches, und die Medizin ist völlig hilflos…«
Ich klappte mit den Lidern, schlürfte mit verzerrten Lippen an dem Kaffee, den er mir vorgesetzt hatte, und wußte nicht, was ich sagen sollte. Und er erwartete auch gar nicht, daß ich etwas sagte. Aufgekratzt trug er seinen Dickwanst im Büro hin und her und plapperte ohne Unterlaß: Die ganze Nacht habe er seiner Frau mit Fragen zugesetzt, natürlich habe es nichts dergleichen gegeben. Dieser Bursche, der Wantscho, sei nur auf sie scharf gewesen. Er habe vorgehabt, ihn zu entlassen, sich dann aber gesagt, daß es nicht unserer Moral entspreche, jemanden wegen so etwas hinauszufeuern. Schließlich und endlich hätten wir keine Macht über unser Unterbewußtsein. Das habe ihm auch ein Freund gesagt, ein großer Arzt. Da wünscht sich jemand was, er erträumt sich’s, und wenn man ihn hypnotisiert, plappert er’s als etwas aus, das wirklich geschehen ist…
»Aber das Haar?« versuchte ich einzuwerfen, doch er wollte nichts hören, sondern gab mir weiter zu verstehen, daß unser bisheriges gutes Verhältnis und die Kollegialität uns im Interesse der Arbeit verpflichten, diesen lächerlichen Zwischenfall zu vergessen, sonst käme eine pure Intrige gegen ihn heraus und so fort.
Lauter Gerede, gegen das man schwer etwas einwenden konnte. Selbst seine Begründung, warum Petrow nicht wieder auf seinen alten Posten gesetzt werden durfte, war überzeugend: Die Kollegen würden ihn immerzu mit Fragen und Andeutungen quälen, ihn wie nicht normal behandeln, bis sie ihn wirklich um den Verstand brächten. Und woanders würde niemand etwas wissen, höchstens, daß er

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