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Liberty: Roman

Liberty: Roman

Titel: Liberty: Roman Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Jakob Ejersbob
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Wenn wir uns einen kleinen Laden besorgen, könnte ich alles in der Stadt verkaufen.«
    »Wie sollen wir so einen Laden finden?«, frage ich und seufze. Aber Claire hat bereits einen Laden gefunden, auf der Rengua Road zwischen der Stereo Bar und dem ABS Theatre. Es gibt sogar einen kleinen Platz davor. Man kann Stühle, Tische und einen Kühlschrank mit Limonade aufstellen, damit die Leute etwas kaufen können, und wenn man einen Lautsprecher auf die Straße stellt, der die verlockenden Töne spielt, bestellen die Leute Kassetten mit Musik – ein großes Geschäft.
    Ich frage nicht, wie wir am Anfang die Miete für den Laden bezahlen sollen. Das ist nicht ihr Problem. Und es stimmt, Claire könnte es machen – sie ist eine gute Händlerin und war immer sehr chiki - chiki in ihrer Kleidung.
    Ich muss tun, was ich nicht will. Ich stehe auf, gehe ins Schlafzimmer, schraube den Benzintank des Motorrads auf, schüttele ihn. Ja, ein bisschen ist noch da. Ich schiebe das Motorrad aus dem Schlafzimmer, setze die Sonnenbrille auf und fahre zu Zahra’s Restaurant, das ziemlich heruntergekommen ist, aber gutes indisches Essen hat. Daneben liegt ein Papierhandel mit einer kleinen Druckerei, die Musa Engineers dickem Sohn gehört. Ich setze mich einfach mit einer Tasse Kaffee und einer Zigarette vor die Tür, denn Musas Sohn fragt mich immer, wenn er mich sieht. Und schon kommt er heraus.
    »Wie viel willst du für das Motorrad haben, Marcus?« Ich nenne meine Zahl.
    »Wirklich? Das ist viel zu viel.«
    »Nein, das ist der richtige Preis. Du kannst es haben, wenn du das Geld in einer Stunde für mich bereithältst.« Er geht direkt in seinen Laden und kommt mit dem Geld wieder heraus. Wir füllen die Papiere aus. Ich gehe. Keine Räder mehr. Eine Ziege auf der Straße. Ich gehe zur National Housing Commission im Zentrum. Neben der Stereo Bar ist ein kleiner Laden, der leer steht. Ich miete ihn auf der Stelle und gehe hin, um die Verhältnisse zu studieren. Sehr dreckig, aber gut gesichert durch eine dicke Tür und ein Faltgitter, das man nachts abschließen kann. Ein bisschen Farbe, und es wird schön. Langsam gehe ich zu Fuß nach Hause, um Claire die Neuigkeit zu überbringen. Als sie mich auf meinen Beinen sieht, wird sie auf der Stelle nervös.
    »Was ist mit dem Motorrad?«
    »Ich habe es verkauft und den Laden gemietet.«
    Claire behandelt mich sehr vorsichtig.
Christian
    Es ist unmöglich. Ich komme nicht aus dem Bett, um aufs Hasseris-Gymnasium zu gehen. Ich habe kein Geld. Finde heraus, wie ich beim Kaufmann Cognac klauen kann. In Hasseris sind sie simplen Diebstahl nicht gewohnt, sie passen gar nicht erst auf. Meine große Jacke und dann eine Flasche in jede Innentasche. Auf diese Weise kann ich mein Geld für Zigaretten ausgeben. Ich melde mich krank. Es kommt ein Brief. Die Schule will ein ärztliches Attest. Anders kommt vorbei.
    »Was ist los, Christian?«
    »Ich habe keinen Bock mehr.«
    »Sie werden dich rausschmeißen.«
    »Ja.« Es stimmt. Eine Woche später kommt ein Brief, in dem ich zu einem Gespräch ins Büro der Schule vorgeladen werde. Ich gehe aufs Sozialamt. Ziehe eine Nummer. Setze mich auf einen Stuhl. Schaue mir die anderen Verlierer an, blicke auf den Linoleumfußboden. Warte. Eine Frau tritt aus einer Tür und ruft: »Christian Knudsen.« Ich gehe hinein.
    »Guten Tag«, sage ich. Wir setzen uns. Ich berichte. Schluss mit dem Gymnasium, kein Job, kein Geld. »Ich muss Sozialhilfe beantragen.«
    »Aber willst du nicht eine Ausbildung beginnen?«
    »Nein. Ich komme damit nicht klar.«
    »Was ist mit deinen Eltern, können die helfen?«
    »Meine Eltern?«
    »Ja.«
    »Hm, zu meiner Mutter habe ich keinen Kontakt. Sie arbeitet für Ärzte ohne Grenzen in Genf. Wenn Sie sie anrufen wollen, bitte sehr.« Ich breite die Arme über dem Telefon auf dem Schreibtisch der Sachbearbeiterin aus.
    »Wie ist ihre Nummer?«, will sie wissen.
    »Keine Ahnung«, sage ich. »Sie müssen es über die Auskunft probieren.« Sie starrt mich an.
    »Und was ist mit deinem Vater?«
    »Er wohnt in Shinyanga.«
    »Wo …?«
    »In Shinyanga in Tansania.«
    »Was macht er denn da?«
    »Arbeitet für DANIDA – Außenministerium. Auslandshilfe.«
    »Und was sagt er dazu, dass du die Schule geschmissen hast?«, erkundigt sie sich.
    »Keine Ahnung.«
    »Aber …«, setzt sie an und sieht mich ratlos an.
    »Ich kann mir nicht leisten, ihn anzurufen. Ich habe kein Telefon. Und es ist so gut wie unmöglich durchzukommen – die

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