Mia - Vom Schicksal gezeichnet (Buch 1) (German Edition)
nicht unter Kontrolle hatte, ein
Stimmungsparameter, das von 0 auf 100 nur eine Millisekunde brauchte, und nur
ein falsches Wort benötigte, um wieder den Gefrierpunkt zu erreichen.
Beide in Gedanken
versunken, waren wir wieder dem Schweigen verfallen, das mein Magen mit einem
lauten Knurren beendete.
„Da hat wohl jemand
Hunger.“, stellte Lucien fest.
„Scheint so.“,
erwiderte ich.
Aus den Augenwinkeln
sah ich, dass er sich bewegte, und im nächsten Moment stand er schon auf seinen
Füßen.
„Wie machst du
das?“, fragte ich erstaunt über diese Schnelligkeit.
Doch er musterte
mich nur von oben bis unten. „Hm, du wartest lieber. Bin gleich wieder da.“
„Wo willst du…!“
Bevor ich die Frage stellen konnte, war er auch schon verschwunden. Dieses
Teleportieren verwirrte mich. Wie war das nur möglich. Ich erinnerte mich an
den Vortag, an die Übelkeit als er mich mit ins Nichts mitgenommen
hatte, und war nun froh, dass er mich warten ließ.
Doch diese
Erleichterung weilte nicht lange. Mit jeder Minute seiner Abwesenheit schien
sich die Leere in mir mit Einsamkeit zu füllen. Jetzt, so ganz allein, spürte
ich die Kälte des Windes, der um meinen Körper wehte und mich frösteln ließ.
Irgendetwas geschah
mit meinem Inneren und das gefiel mir ganz und gar nicht!
Um dieses seltsame
Empfinden zu verdrängen versuchte ich mich auf den Ausblick zu konzentrieren.
Ich lehnte mich über die Mauer und blickte in die Tiefe. Der Mond schien den
Boden nicht zu erreichen und so starrte ich auf eine abgrundtiefe Schwärze, die
undurchdringlich schien und …
„Scheiße!“ Luciens
Stimme, die plötzlich hinter mir ertönte, erschreckte mich dermaßen, dass ich
fast das Gleichgewicht verlor und bedrohlich weit nach vorne kippte. Ein
starker Arm packte mich an der Schulter und zog mich ein Stück zurück.
Erleichtert atmete ich auf.
„Man sollte sich
nicht so an Leute anschleichen.“, sagte ich in vorwurfsvollem Ton.
„Ich habe mich nicht
angeschlichen!“, entgegnete er, unbeholfen mit einer Hand über sein Hemd
streichend, das einen dunklen feuchten Fleck aufwies. „Ich Teleportiere nicht
oft mit Menschenfrühstück!“, erklärte er etwas angeekelt und hielt mir eine
Papiertüte und einen Becher hin. „Ich hoffe du magst Kaffee und Donuts!“
Die Tatsache, dass
er mir Frühstück gebracht hatte, verwirrte mich und ließ mich einen Moment
zögern, bevor ich die Sachen mit einem, "Danke", entgegennahm.
"Pass auf. Das
Zeug ist ziemlich heiß!", warnte er mich, als ich den dampfenden Becher an
meinen Mund führte und die Temperatur vorsichtig mit den Lippen prüfte.
"Ich
weiß.", murmelte ich und pustete in die kleine Öffnung des Plastikdeckels.
"Und genau genommen bin ich kein Mensch!", stellte ich noch richtig.
Während er mich
prüfend ansah, holte ich einen Donut aus der Papiertüte, wobei meine Finger,
tiefe Abdrücke in dem dicken Zuckerguss hinterließen.
Mit Genuss biss ich
hinein und konnte ein leises Aufseufzen nicht unterdrücken. Ich liebte dieses
viel zu süße Zeug.
„Trinkst du Blut?“,
kam es nun von ihm.
Mir entging nicht,
dass seine Augen kurz funkelten und sein Blick über meinen Hals huschte, bevor
er erneut über sein Hemd wischte und seine Hände schließlich tief in seinen
Hosentaschen vergrub.
„Nur wenn ich verletzt
bin.“, erwiderte ich und schluckte den Bissen, der mir fast im Halse
steckenblieb, krampfhaft hinunter. Ich war mir seiner Nähe plötzlich zu bewusst
und meine Vampirseite fragte sich, wie es sich wohl anfühlen würde, von Lucien
zu trinken.
Meine Hand mit der
ich den Kaffeebecher unbeholfen an meine Lippen führte, zitterte leicht und der
Temperaturunterschied, von dem heißen Getränk zu der kühlen Morgenluft, ließ
mich frösteln.
„Hier zieh die an.“
Lucien schlüpfte aus seiner Jacke und hielt sie mir hin.
Diese Geste brachte
mich nun endgültig aus der Fassung. Ich wurde nicht schlau aus diesem Mann. Wie
konnte jemand so gegensätzliche Seiten haben. Einerseits beängstigend kalt und
in jeder Hinsicht tödlich und andererseits, hilfsbereit und zuvorkommend.
Er wartete, bis ich
meinen überraschten Gesichtsausdruck abgelegt hatte und meine Starre löste,
indem ich ihm dankbar zunickte, mein Frühstück auf die Mauer stellte, und meine
Arme in die viel zu langen Ärmel seiner Jacke steckte. Geschickt krempelte er einen
nach dem anderen hoch, bis meine Hände wieder zum Vorschein kamen. Als seine
Finger mein Handgelenk berührten, lief
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