Nachtflug Zur Hölle
Russen?«
»Bisher ist keine Aufregung zu erkennen«, berichtete Curtis.
»Wahrscheinlich ruft der litauische Präsident Kapocius Sie bald an.
Die Nachrichtenagenturen melden, daß er in etwa einer Stunde eine Erklärung zu unserem Einsatz abgeben will. Die GUS hat bisher nicht reagiert. Unsere Marines haben sich in der Botschaft eingerichtet und sind abwehrbereit.«
»Ich rufe Kapocius selbst an«, sagte der Präsident, »damit er auf dem laufenden bleibt. Mit der Überfluggenehmigung für unsere Maschinen hat er verdammt viel riskiert. Und den polnischen Präsidenten Miriclaw könnte ich für seine grandiose Hilfsbereitschaft umarmen »An Ihrer Stelle würde ich damit abwarten, bis seine Forderungen auf dem Tisch liegen«, meinte Curtis trocken. »Polen erwartet zusätzliche Agrar- und Industriekredite – auch für den Ausbau des Kernkraftwerks Gdingen, den wir ursprünglich nicht unterstützen wollten. Die polnische Hilfe kann uns verdammt teuer zu stehen kommen!«
»Er hat sich die Kredite verdient«, stellte der Präsident fest. »Daß er der GUS auf die Zehen getreten ist, macht ihn weder dort noch bei seiner Regierung beliebter. Dafür müssen wir ihn entschädigen.« Er machte eine Pause und musterte den Vorsitzenden der Vereinten Stabschefs prüfend. »Okay, was ist die weniger gute Nachricht?«
Bevor Curtis antworten konnte, fragte er weiter: »Geht’s um das Rettungsunternehmen im Fisikus? Ist dort etwas schiefgegangen?«
»Das muß sich erst herausstellen«, antwortete Curtis unbehaglich.
»Ausgerechnet die litauischen Streitkräfte scheinen heute nacht militärische Einrichtungen der Russen und Weißrussen angegriffen zu haben. Ihr Oberbefehlshaber ist General Dominikas Palcikas. Der Schwerpunkt dieser Angriffe hat anscheinend im Fisikus-Institut gelegen …«
»Soll das heißen, das litauische Militär hat das Fisikus gestürmt?«
fragte der Präsident besorgt. »Doch nicht etwa gleichzeitig mit unseren Marines …?«
»So scheint es gewesen zu sein, Sir.«
»Gottverflucht«, murmelte der Präsident. Er machte eine nachdenkliche Pause. »Wenn die Nachrichtenagenturen das mitbekommen, kann ich nicht länger den Ahnungslosen spielen.« Er drückte auf eine Taste der Gegensprechanlage auf seinem Schreibtisch.
»Nancy, sagen Sie bitte für heute abend alle Termine ab.«
Wenige Augenblicke später klopfte Robert »Case« Timmons, der Stabschef des Weißen Hauses, der diese Anweisung mitgehört hatte, an die Tür und kam herein.
»Case, Sie berufen den Nationalen Sicherheitsrat ein und telefonieren mit den wichtigsten Abgeordneten und Senatoren, Sie können ihnen sagen, daß ich ihnen in ein paar Stunden eine wichtige Mitteilung zu machen habe.«
Während Timmons hinauseilte, um zu telefonieren, goß sich der Präsident Kaffee nach und bot Curtis mit einer Handbewegung einen Sessel an. »Machen Sie’s sich bequem, Wilbur. Dies scheint eine lange Nacht zu werden. Bitte alle Einzelheiten von Anfang an.«
»Obwohl die Einsätze der Special Forces in Litauen gut geklappt haben, ist dabei ein Kampfschwimmer umgekommen«, berichtete Curtis. »Er wollte Funkantennen auf dem Dach eines Stabsgebäudes zerstören, als das ganze Gebäude mit ihm zusammen in die Luft geflogen ist – von litauischen Soldaten gesprengt. Ein zweites Team, das auf eine Radaranlage angesetzt war, ist dort auf ein litauisches Kommando gestoßen, das die Anlage bereits zerstört hatte. Auch andere Teams sind vermeintlichen GUS-Streifen begegnet – alle unter einem alten litauischen Kriegsbanner, das General Palcikas zu seinem Freiheitsbanner gekürt hat.«
»Was ist mit diesem Palcikas?« fragte der Präsident, während er den Kaffee schlürfte. »Was wissen wir über ihn?«
»Ausführliche Informationen gibt Ihnen Direktor Mitchell, Sir«, antwortete Curtis, »aber meiner Einschätzung nach ist er in Ordnung. Palcikas ist geborener Litauer, aber ehemaliger sowjetischer Offizier und Afghanistankämpfer. Er ist einflußreich, bei seinen Landsleuten beliebt und ein Freund der litauischen Geschichte. Seiner Truppe hat er nach dem Vorbild eines mittelalterlichen Herrschers den Namen Brigade Eiserner Wolf gegeben.«
»Aber er glaubt hoffentlich nicht, er sei ein litauischer König?«
fragte der Präsident besorgt.
»Das weiß ich nicht, Sir«, gab Curtis zu, »aber ich glaube, daß er mehr auf dem Kasten hat. Wahrscheinlich beruft er sich nur auf den Großfürsten, um die Bevölkerung leichter hinter sich zu
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