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Perdido Street Station 01 - Die Falter

Perdido Street Station 01 - Die Falter

Titel: Perdido Street Station 01 - Die Falter Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: China Miéville
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Dunkelheit. Einige waren riesig groß wie ganze Zimmer, andere hatten vielleicht Buchformat. Wie Ausstellungsvitrinen in einem Museum standen sie auf Postamenten, vor ihnen aufgereiht Diagramme und Datenblätter. Weiß gekleidete Wissenschaftler bewegten sich zwischen den gläsernen Pfeilern wie Geister durch eine Ruine, machten Notizen, beobachteten, beruhigten und quälten die Insassen der Käfige.
    Gefangene Lebewesen schnüffelten und grunzten und sangen und wanderten innerhalb ihrer Begrenzungen.
    Der Kaktus entfernte sich und verschwand. Die Frau ging weiter durch den Saal.
    Die gefangenen Etwasse wollten sich auf sie stürzen, als sie vorüberging, und die Frau erbebte mit den Käfigwänden. Öliges Quirlen in einem Bottich angefüllt mit flüssigem Schlamm: Sie sah zahnbewehrte Tentakel nach ihr ausholen und an der Glaswand entlangschrammen. Hypnotische Biolumineszenzen spielten über sie hinweg. Sie kam an einem kleinen, mit schwarzem Tuch verhangenen Käfig vorbei, an allen Seiten mit Warnschildern versehen und Instruktionen für den Umgang mit dem darin Befindlichen. Überall waren ihre Kollegen unterwegs, sie trugen Clipboards und bunte Bauklötze und verwesendes Fleisch.
    Weiter vorn hatte man mit sieben Meter hohen schwarzen Holzwänden einen 15 mal 15 Meter großen Bereich abgetrennt und sogar mit einem Wellblechdach versehen. Vor dem verriegelten Eingang zu dem Raum in einem Raum stand ein weiß gekleideter Wächter, Schultern hochgezogen, um das Gewicht eines bizarren Helms tragen zu helfen. Er war bewaffnet, mit einer Steinschlossflinte und einem auf den Rücken geschnallten Krummsäbel. Zu seinen Füßen standen noch einige Helme wie sein eigener.
    Sie grüßte den Mann mit einem Nicken und gab zu verstehen, dass sie den Raum betreten wollte. Er schaute auf die Kennkarte, die sie um den Hals trug.
    »Sie kennen das Procedere?«, fragte er.
    Sie nickte und stellte die Schachtel vorsichtig auf den Boden, nachdem sie sich vergewissert hatte, dass sie noch zugebunden war. Dann nahm sie einen der plumpen Helme und setzte ihn auf.
    Es war ein Gebilde aus Messingstreben und -schrauben, die den Kopf umschlossen, und links und rechts in Augenhöhe je einem kleinen Spiegel. Sie zog den Kinnriemen stramm, dann wandte sie dem Wächter den Rücken zu und machte sich daran, die Spiegel einzustellen, drehte sie auf ihren Kugelgelenken, bis sie den Mann deutlich hinter sich stehen sehen konnte. Sie schaute abwechselnd in den linken und in den rechten Spiegel, um das Blickfeld zu kontrollieren.
    Endlich nickte sie. »In Ordnung, ich bin so weit.« Sie nahm die Schachtel und streifte die Schnur ab. In den Spiegeln verfolgte sie, wie der Wächter die Tür entriegelte und öffnete, wobei er sorgsam den Kopf zur Seite gewendet hielt. Nach einem kurzen Moment, um sich zu orientieren, schritt die Wissenschaftlerin rückwärts gehend in das dunkle Gelass hinein.
     
    Ihr brach der Schweiß aus, als sie sah, wie unmittelbar vor ihrem Gesicht die Tür geschlossen wurde. Sie richtete ihre Aufmerksamkeit wieder auf die Spiegel, drehte langsam den Kopf von einer Seite zur anderen, um sich die Örtlichkeit ins Gedächtnis zu rufen.
    Hinter ihr befand sich ein mannshoher Käfig aus dicken, schwarzen Eisenstangen, der fast den gesamten verfügbaren Platz einnahm. In dem dunkelbraunen Licht von brennenden Öllampen und Kerzen verwoben sich die welkenden Büsche und sterbenden kleinen Bäume zu einem undurchdringlichen, tiefen Dschungel, der die Begrenzung durch Gitterstäbe und die vier Bretterwände aufzuheben schien.
    Sie ließ den Blick durch das Innere des Käfigs wandern. Nichts rührte sich.
    Schritt für Schritt bewegte sie sich zu der Stelle, wo ein kleines Tablett sich durch einen Schlitz im Gitter vor- und zurückschieben ließ. Sie streckte den Arm nach hinten und legte den Kopf so weit zurück, dass die Spiegel schräg nach unten wiesen und sie ihre tastende Hand sehen konnte. Es war ein schwieriges, ungraziöses Manöver, doch sie bekam den Griff zu fassen und zog das Tablett zu sich heraus.
    In einer Ecke des Käfigs ertönte ein dumpfes Flattern, als würden dicke Teppiche gegeneinander geschlagen. Sie atmete schneller und beeilte sich, die Raupen auf das Tablett zu schütten. Die vier kleinen, sich windenden Würmchen kullerten, umregnet von Papierfetzen, auf die Metallplatte.
    Augenblicklich wurde eine Veränderung in der Atmosphäre spürbar. Die Raupen witterten den Bewohner des Käfigs und bettelten um

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