Privatdetektive (16 Romane in einem Band)
meinte sie: "Sie glauben mir nicht, stimmt's?"
"Wundert Sie das?"
Sie atmete tief durch und sagte dann: "Okay, Jo! Ich werde Ihnen jetzt sagen, wie es wirklich war!"
Kommissar X verzog das Gesicht.
"Ich bin gespannt!"
*
"Wenn Sie mit dieser Sache zur Polizei gehen sollten, werde ich behaupten, daß diese Unterhaltung nie stattgefunden hat, Jo!"
Jo lächelte dünn. "so etwas in der Art habe ich mir schon gedacht", murmelte er.
"Sie hatten schon den richtigen Riecher", meinte sie dann. "Es geht um die Brücke in Rutland, Vermont. Als unser Büro daran gearbeitet hat, waren wir noch ganz am Anfang... Sie können sich denken, wie das ist, wenn man als Anfänger in einen Markt hineinkommen möchte! Da geht knochenhart zu! Kurz und gut: Uns ist in unserer Konstruktion ein Fehler unterlaufen..."
"Die Brücke steht doch schon seit Jahren", warf Jo ein.
Sie nickte. "Ja, so ist es. Wahrscheinlich wäre nie jemand auf die Sache gestoßen..."
"Vorausgesetzt, sie stürzt nicht eines Tages ein!"
"Man merkt, daß Sie nichts davon verstehen, Jo!"
"Dann erklären Sie es mir!"
Sie machte sich einen Drink und bot Jo auch einen an. Aber der lehnte ab. "Es ist gut möglich, daß die Brücke zwanzig Jahre steht, ohne, daß es Grund zu Beanstandungen gibt!"
"Wenn es nicht auch die andere Möglichkeit gäbe, hätten Sie nicht solche Kopfschmerzen deswegen!" sagte Jo sachlich. "Sie und Hernandez."
"Hernandez hat damals den Fehler gemacht. Und Brannigan kam darauf, weil er unglücklicher Weise die alten Pläne hervorgekramt hat, um sie als Vorbild für ein anderes Projekt zu benutzen." Sie hob hilflos die Hände. "Er bestand darauf, die Stadt Rutland zu informieren, weil er meinte, das Risiko wäre zu groß, daß das Material der Dauerbelastung nicht standhält..." Sie lächelte schwach. "Aber Risikoabschätzungen sind sowieso ein heikles Gebiet..." Sie nahm einen Schluck aus ihrem Glas uns blickte Jo offen an. "Können Sie sich vorstellen, was das bedeutet hätte? Die Schadensersatzansprüche wären noch das Geringste gewesen! Wir hatten fast wieder von vorne anfangen müssen! Der gute Ruf, den P.McGreedy in den letzten Jahren sich erworben hat - er wäre dahin gewesen. Die Top-Aufträge wären in den nächsten Jahren an uns vorbeigegangen. Und von Frank Hernandez hätte sich wohl kaum noch jemand eine Brücke berechnen lassen!"
"Darum ging es also hier bei Ihnen, als Walt Brannigan bei Ihnen vorbeischaute. Es hat nicht lange gedauert, nicht wahr?"
Pamela nickte.
"Wir haben ihm Geld angeboten. Wir haben ihm gesagt, daß er doch auch das Schicksal der Firma mit berücksichtigen müßte. Wirklich alle Register sind gezogen worden."
"Wir?" echote Jo.
"Ja, Frank war auch dabei. Aber Walt war nur gekommen, um uns mitzuteilen, daß er sich endgültig entschieden hätte. Er war kein sehr entschlußfreudiger Mann. Fast zwei Wochen hat er die Sache vor sich hergeschoben und darauf herumgebrütet."
"Was für ein Glück für Sie, daß er nicht mehr lebt!"
"Hören Sie auf, Jo!"
Sie war jetzt wirklich zornig. "Glauben Sie, ich würde Ihnen das erzählen, wenn ich Walt umgebracht hätte? Glauben Sie, ich würde zugeben, daß Frank und ich die Gelegenheit dazu hatten, genau das mit ihm zu machen, was Sie vermuten!"
"Sie haben es nur zugegeben, als Ihnen nichts anders übrig blieb!"
Sie trat auf Jo zu und blieben nahe vor ihm stehen. Ihre vollen Brüste hoben sich und senkten sich. "Ich will, daß mir glauben, Jo!" Ein paar Locken waren ihr in die Stirn gefallen. Mit einer beiläufigen Bewegung strich sie sie zur Seite.
"Nichts lieber als das!" erwiderte Jo indessen.
"Ich habe mit Walts Tod nichts zu tun!"
"Und der Einbruch?"
"Das war Frank Hernandez! Er hat einfach die Nerven verloren! Ich habe ihm noch ausdrücklich gesagt, er soll nichts unternehmen. Aber er wußte es natürlich besser, dieser Idiot!"
"Was ist passiert, nachdem Brannigan gegangen ist?"
In ihren Augen leuchtete es. "Sie glauben mir also?"
"Eigentlich will ich wenigstens das Ende Ihrer Story erfahren, bevor ich mich da festlege."
"Von den beiden Kerlen da draußen habe ich Ihnen ja erzählt. Es fällt mir übrigens ein, daß einer ziemlich groß war und rote Haare hatte. Von den Gesichtern konnte ich von oben natürlich nichts sehen."
Jo hob die Augenbrauen.
"Rote Haare?"
"Ja. Ein Stoppelschnitt. Man konnte die Kopfhaut sehen. Hernandez ist dann übrigens gleich gegangen." Sie verengte ein wenig die Augen. "Warum schauen Sie mich so an, Jo?"
Jo
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