Sämtliche Werke
zurückbleibend auf dem Himalaja –
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Die wehmütige, niedergedrückte Zeit, der alles Laute untersagt war und die auch sich vor dem Lauten fürchtete, gedämpft fühlte, dachte und flüsterte, fand in dieser gedämpften Poesie ihre gedämpfte Freude – Sie betrachtete die alten gebrochenen Türme mit Wehmut und lächelte über das Heimchen, das darin melancholisch zirpte –
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In den altdänischen Romanzen: alle Gräber der Liebe sind hier Heldengräber – große Felsmassen sind darauf getürmt mit schmerzwilder Riesenhand – In den Uhlandschen Gedichten sind die Gräber der Liebe mit hübschen Blümchen, Immortellen und Kreuzchen verziert, wie von Händen gefühlvoller Predigertöchter –
Die Helden der Kämpeviser sind Normannen, die Helden des Uhland sind immer Schwaben, und zwar Gelbfüßler –
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In der Zeit der Romantiker liebte man in der Blume nur den Duft – in unserer Zeit liebt man in ihr die keimende Frucht – Neigung zur praktischen, zur Prosa – zum Hausbackenen –
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Hauptzug der jetzigen Dichter: Gesundheit, westfälische, östreichische, ja ungarische Gesundheit –
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Ein Buch will seine Zeit, wie ein Kind. Alle schnell in wenigen Wochen geschriebenen Bücher erregen bei mir ein gewisses Vorurteil gegen den Verfasser. Eine honette Frau bringt ihr Kind nicht vor dem neunten Monat zur Welt.
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Die Mutter, die sich an einem Franzosen versehen –
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Die Franzosen sind sicherer im Umgang, eben weil sie positiv und traumlos – der träumende Deutsche schneidet dir eines Morgens ein finsteres Gesicht, weil ihm geträumt, du hättest ihn beleidigt oder sein Großvater hätte von dem deinigen einen Fußtritt bekommen usw.
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Die Franzosen sind allem Traumwesen so entgegengesetzt, daß man selbst von ihnen nie träumt, sondern nur von Deutschen –
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Autour de la lune, dont la lueur était pâle et fausse, il y avait une masse de nuées jaunâtres. On eût dit cette espèce de couleur meurtrie, ce cercle plombé qui borde les yeux longtemps baignés de larmes.
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Ihr Lächeln ist wie ein strahlendes Netz. Sie warf es aus, und meine Seele verfing sich darin und zappelt in den holden Maschen wie ein Fisch seit Jahren –
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Finde in einem einsamen Gärtchen eine Rose, die allerlei Erinnerungen weckt – ihr Mund en cœur, ihr ganzes graziöses Wesen, ihr Leichtsinn, ihre Innigkeit –
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Chateaubriand will das Christentum gegen den brillanten Unglauben, dem alle huldigen, predigen – umgekehrter Fall mit dem neapolitanischen Kapuziner, der das Kreuz den Leuten vorhält: Ecco vero policinello! – Chateaubriand ist ein Polizinell, der seine Marotte den Leuten vorhält: Ecco il vero cruce! –
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Dilettanten des Christentums, schwärmen für die Kirche, ohne ihr Symbol gehorsam umzuhängen, catholiques marrons.
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Die katholischen Schriftsteller haben gute Kriegswerkzeuge, wissen sie aber nicht zu gebrauchen. Wie die Chinesen haben sie gute Kanonen, auch Pulver und Kugel, aber schießen ist eine andre Sache. Kinder; große Säbel, die sie nicht aufheben können, Helme, die ihnen den Kopf eindrücken. Und gar die Kanonen…
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Die römische Kirche mißtraut ihren modernen Séiden – sie fürchtet, daß so ein Eiferer, statt den Pantoffel zu küssen, ihr in den Fuß beiße, mit rasender Inbrunst –
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Christianisme pompadour.
Das Christentum tritt auf zur Tröstung: die, welche in diesem Leben viel Glück genossen, werden im künftigen davon eine Indigestion haben – die, welche zu wenig gegessen, werden nachträglich das beste Gastmahl aufgetischt finden – die irdischen Prügelflecken werden von den Engeln gestreichelt werden.
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Heilige wie der Stylite sind jetzt unmöglich, da die Philanthropie sie gleich in einer Irrenanstalt unterbringen würde –
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›Ehe * Mystiker wurde, war er ein schlichter verständiger Mensch.‹
Wie Mahomet nur ein Kameltreiber war, ehe ihn der Engel zum Propheten erleuchtete, so war * zwar nicht ein Kameltreiber, aber ein Kamel selbst, ehe ihm das neue Licht gekommen.
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Die Herrlichkeit der Welt ist immer adäquat der Herrlichkeit des Geistes, der sie betrachtet – Der Gute findet hier sein Paradies – der Schlechte genießt schon hier seine Hölle –
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Alte Dame, den Busen entblößt, diese verbirgt nicht ihr Alter –
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Britinnen – sie tanzen, als wenn sie auf Eseln ritten.
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Verehrung für Rom – wie mancher ging aus, die Kirche zu schmähen, zu befeinden, und änderte plötzlich seinen Sinn und kniete nieder und betete an
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