Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Salomes siebter Schleier (German Edition)

Salomes siebter Schleier (German Edition)

Titel: Salomes siebter Schleier (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Tom Robbins
Vom Netzwerk:
einziehen in unsere neue Heimat.»
    «Übertreiben Sie da nicht ein wenig, Mr. Cohen? War nicht Kanaan eine Art Wildnis, die nur darauf wartete, besiedelt zu werden?»
    «Ojojoj! Ihr jungen Leute von heute habt wirklich von keine Sache eine Ahnung. Wir sprechen über eine weitentwickelte Zivilisation. Ist gewesen zweitausend Jahre alt, als die Hebräer sie haben überfallen. Nu, eine große Teil von unserer Kultur hat gestammt aus Kanaan. Sie glauben doch nicht, dass Gott hat befohlen Moses, anzugreifen eine weitentwickelte Zivilisation, sich unter den Nagel zu reißen ihre Territorium und zu töten die Leute,
darlink
? Nehmen wir an, Sie hätten eine nette kleine Haus in Westchester, und ich komme zu Besuch übers Wochenende, und dann die Jahre vergehen, und eines Tages ich stehe auf die Matte und sage: ‹Gott hat mir dein Haus versprochen.› Würden Sie glauben eine solche Blödsinn? Nein, bestimmt nicht. Also okay, ich habe gemusst Sie töten und auch Ihre Kinder und die Großmutter, was sitzt in Rollstuhl, und Ihre Katze und Ihren Hund und alle drei Goldfische. Und ich sage zu den Nachbarn: ‹Das ist jetzt mein Haus, ihr lasst euch ja nicht einfallen, zu pinkeln auf meine Rasen.› Ojojoj!»
    «Ich glaube, wir haben Amerika auf dieselbe Art einkassiert», wandte Ellen Cherry ein. «Von den Indianern.»
    Spike fuhr mit seinem kurzen, leberfleckgezeichneten Zeigefinger über den Rand seines trockenen Glases. «Okay, ja», sagte er, «aber wenigstens John Wayne hat nie behauptet, dass Gott hat ihm das versprochen. Er hat gestohlen auf ehrliche Art.»
    Er machte eine Pause. «Ich kann Ihnen was sagen?» Wieder hielt er inne, und Ellen Cherry stellte fest, dass die grünen Stachelbeeren seiner Augen in Tränen schwammen. «Ich kann Ihnen was sagen? Warum ich habe verändert meine Geburtsnamen? Abu weiß es, aber sonst kein Mensch. Ich zitiere aus die Alte Testament. Joshua ‹verbannte alles, was in den Städten war, mit der Schärfe des Schwertes: Mann und Weib, jung und alt, Ochsen, Schafe und Esel›, was gemeint hat die Städte Kanaans, ‹und verschonte niemand, der noch Leben in sich hatte›. Joshua ‹plünderte›, Joshua ‹verbrannte›, Joshua ‹massakrierte›, Joshua ‹löschte aus›, ‹tötete› und ‹führte seine Kriegsleute›, und ‹alle Städte wurden im Sturm erobert … gnadenlos vernichtet und vollständig zerstört›, Joshua ‹unterwarf›, Joshua ‹erschlug›, Joshua ‹ließ keine Überlebenden zurück›. In Ihre christliche Bibel Sie finden diese nette Geschichte über den netten Joshua. Glauben Sie, dass ich könnte weiterleben mit dem Namen von eine solche Mensch?»
    Ellen Cherry war gerührt und verlegen zugleich. Sie streckte die Hand aus und tätschelte den Ärmel seines kanariengelb und ketchuprot karierten Sportsakkos.
    Abu mischte sich ein. «Mal abgesehen davon, was du mit diesem Joshua zu tun hast – nebenbei bemerkt, ich finde es albern, dass du diese Geschichte so persönlich nimmst –, verstehe ich sehr gut, was du sagst. Du fragst dich, ob im Nahen Osten nicht gerade die Juden das ganze Blutvergießen in Gang gesetzt haben. Vielleicht waren sie’s, vielleicht auch nicht. Und du fragst dich, woher Israel die Chuzpe nimmt, selbstgerecht ein Territorium zu verteidigen, das seine Vorfahren auf so barbarische Weise erbeutet hatten. Eine berechtigte Frage. Was das angeht – auch die West Bank wurde gewaltsam annektiert, und das ist noch gar nicht lange her. Aber Spike, ich möchte dir noch mal vor Augen führen, dass die sogenannten Palästiner, die den Juden dieses Territorium streitig machen, dazu wenig oder auch gar nicht befugt sind.»
    «Sind sie nicht?», fragte Ellen Cherry. Die Frage war ihr einfach so rausgerutscht. Sie biss sich – zu spät – auf die Zunge und dachte:
Teppiche.
    «Nein», sagte Abu. «Sie stammen nicht von den Kanaanitern ab. Und auch nicht von den Phöniziern, dem einzigen kanaanätischen Volk, das Joshuas Raserei überlebte. Was aber noch mehr zählt: Das umstrittene Territorium war seit undenklichen Zeiten nicht mehr ihre Heimat, wie sie selbst eingestehen. Nur wenige haben mehr als fünfzig Jahre in dieser Gegend gelebt.»
    «Teppiche.»
    «Ihr könnt mir glauben! Die Juden haben die Araber nicht aus Palästina verdrängt, ganz im Gegenteil. Die meisten Araber dort haben ihre Wurzeln woanders. Sie sind in Regionen zu- und eingewandert, die schon im präisraelischen Palästina von Juden besiedelt waren. In den vierziger

Weitere Kostenlose Bücher