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Schmutzengel

Titel: Schmutzengel Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: dtv
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und einen sehr unheiligen Fluch ausstieß. Wie durch Nebelschleier bekam ich mit, dass sie jemanden anrief, mich in eine Decke
     wickelte und auf dem Sofa parkte, während sie das Bett neu bezog, nebenbei Tee kochte und mir schlückchenweise Hustensaft
     einflößte. Dann kam ein Mann, der mich gegen meinen Willen und trotz heftiger Gegenwehr aus meiner Decke wickelte und mir
     einen eiskalten Gegenstand auf den Rücken presste, der sich als Stethoskop entpuppte. Die Aufforderung, tief zu atmen, konnte
     er sich sparen, denn ich schnappte nach Luft, sobald das kalte Metall meine Haut berührte, und begann dann zu husten, dass
     dem armen Herrn Doktor mit den Stöpseln im Ohr vermutlich die Trommelfelle flatterten. Er diskutierte aufgeregt mit Lisbeth,
     wobei mehrfach das Wort Krankenhaus fiel, aber ich hörte gar nicht richtig zu. Mir war alles egal. Lisbeth verschwand, kam
     kurz darauf wieder und zwang mich, eine riesengroße Tablette zu schlucken. Dann ging sie ins Büro, wo ich sie telefonierenhörte. Den Rest des Tages und die folgende Nacht verschlief ich wieder.
    Zwischen meinen Tiefschlaf- oder Wachphasen träumte ich wirres Zeug von Leichen, die in meiner Wohnung herumlagen, ich träumte
     von Lauenstein und von Greg, wobei mal der eine und mal der andere tot war. In einem anderen Traum stand ich an einem offenen
     Grab, vor dem Lauenstein auf dem Boden hockte und mich um Verzeihung bat. Die Träume verstörten mich zutiefst und ich fürchtete,
     dass ich einen ernsthaften, bleibenden Schaden davongetragen hatte.
    Erst allmählich tauchte meine Oma in den Träumen auf und half mir, mit all den Toten fertig zu werden. Und mit Troll, denn
     sie stand immer irgendwo am Bildrand herum und starrte mich mit vorwurfsvollen Blicken an.
    Zwei weitere Tage vergingen, während derer Lisbeth mich morgens und abends besuchte, mir Suppe und Tee und Antibiotika eintrichterte
     und gelegentlich mit Kunden telefonierte. Donnerstagabend scheuchte sie mich aus dem Bett, damit ich gemeinsam mit ihr am
     Tisch zu Abend aß. Es fiel mir schwer.
    »Was hast du eigentlich mit diesem Lauenstein?«, fragte Lisbeth.
    Mein Hustenanfall war nicht gespielt. Nach einer Weile war ich in der Lage zu fragen: »Wie kommst du darauf, dass ich überhaupt
     was mit Lauenstein habe?«.
    Lisbeth sah mich spöttisch an. »Kind, mir kannst du nichts weismachen. Er hat am Sonntagabend und im Verlauf des Montags
     neun Mal versucht, dich zu erreichen. Das sieht nicht danach aus, als wolle er lediglich über Putzaufträge mit dir sprechen.«
    Ich zuckte mit den Schultern, hielt die Augen starr auf meine Suppe geheftet und schwieg.
    »Als ich am Montag bei ihm war, hatte er extra auf mich gewartet und fragte, wie es dir ginge. Er machte sich Sorgen, weil
     er dich nicht erreichen konnte und wusste, dass du letzte Woche krank warst.«
    Wie rührend. Allerdings wäre es noch rührender gewesen, wenn er mich nicht allein nach Belgien hätte fahren lassen.
    »Höflicher Mensch«, murmelte ich, während ich weiter Nudelsternchen zählte.
    »Corinna Leyendecker«, ermahnte Lisbeth mich mit schneidender Stimme. »Du verheimlichst mir etwas.«
    Das stimmte, und das würde auch so bleiben. Es macht schließlich keinen Sinn, jemandem zu sagen, was man ihm verheimlicht,
     denn dann ist es ja nicht mehr geheim. Ich hatte nicht den Hauch von Lust, Lisbeth die ganze Geschichte zu erzählen. Obwohl
     Lisbeth sicher nicht zur Hysterie neigte und vermutlich zu Gesetz und Totenruhe ein angemessen entspanntes Verhältnis pflegte,
     wollte ich ihr diese Räuberpistole nicht zumuten. Und mir auch nicht mehr. Ich wollte diese ganze Sache nur noch vergessen
     und Lauenstein nie wiedersehen.
    »Jetzt spann mich doch nicht so auf die Folter. Was läuft da?«, bedrängte mich Lisbeth noch einmal.
    »Nichts«, erwiderte ich stur, wenn auch mit einem schlechten Gewissen. Immerhin hatte Lisbeth mich in den letzten Tagen am
     Leben erhalten. »Nichts, was erwähnenswert wäre.«
    »Schade«, seufzte Lisbeth mit einem feinen Lächeln. »Ich hatte gehofft, dass sich in deinem Privatleben endlich etwas Erwähnenswertes
     tut.«
    Oh, da hätte ich ihr erzählen können, dass meine lesbische Freundin Troll meine grippebedingte Hilflosigkeit zu einem sexuellen
     Übergriff genutzt hatte, worauf ich sieaus meinem Bett befördert hatte. Und jetzt meldete sie sich nicht mehr bei mir, was mich Schlimmstes befürchten ließ.
     
    Wobei das, was dann kam, noch schlimmer war als

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