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Schwarz

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Titel: Schwarz Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Aufbau
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hier eingestellt, weil Betha Gilmartin dir mal aus der Klemme geholfen hat und du ihr einen Gefallen schuldest.«
    Birou war sprachlos, es dauerte eine Weile, bis er sich gefasst hatte. »Drohst du mir?«
    Kara antwortete nicht, er war ein Risiko eingegangen und hatte einen Treffer gelandet. Betha hatte ihm damals nur erzählt, dass sie Birou einmal aus einer Verlegenheit geholfen hatte, und dafür sollte er Kara als Gegenleistung eine Arbeit beim UNODC besorgen.
    »Ich verstehe ja, dass kompetente Behörden den Raketenanschlag untersuchen, aber wer ermittelt im Mordfall Ewan? Jedenfalls nicht die sudanesische Polizei«, sagte Kara mit einem gezwungenen Lachen. »Ich will Ewans Mörder finden, und das klappt nur, wenn ich seine Ermittlungen weiterführe. Was kann das schaden? Ich mach es auch unbezahlt, wenn du das willst.«
    Birou wusste, wann es am klügsten war, einen Rückzieher zu machen. Es war unglaublich, dass es Kara ein ums andere Mal gelang, ihn aufs Kreuz zu legen, obwohl er als Generaldirektor des UNODC diesen verflixten Streithammel einfach rauswerfen könnte, wenn es sein musste, mitsamt dem Türrahmen um den Hals. Er überlegte eine Weile, was er sagen sollte, und zählte gleichzeitig mit denFingern. »Du bekommst zwölf Tage Zeit, danach kehrst du hierher nach Wien zurück, oder du kannst dir eine andere Arbeit suchen.«
    Mit Müh und Not verkniff Kara sich den giftigen Kommentar, der ihm schon auf der Zunge lag. Er entschloss sich zum Abgang, bevor er sich wieder verbaute, was er gerade erreicht hatte.
    »Du berichtest mir jeden Tag!« Der Satz erklang aus dem Zimmer, als Kara schon die Tür schloss.
    Gilbert Birou starrte fassungslos vor sich hin. Er, der Meister im Taktieren, der Virtuose im Ausweichen vor Problemen und Vermeiden von Risiken, wurde erpresst. Am unglaublichsten erschien ihm, dass Betha Gilmartin sein Geheimnis verraten hatte, und das ausgerechnet diesem Leo Kara. Es durfte auf keinen Fall an die Presse gelangen. Das könnte einen Skandal auslösen, der garantiert zu seinem Ruin führte.
    Kara loszuwerden war jetzt wichtiger und zugleich schwieriger denn je – nun war es unumgänglich, dass der Mann das UNODC verließ. Jetzt galt es, Maßnahmen zu ergreifen. Vielleicht war es doch eine gute Lösung, Kara auf eine Dienstreise in einen entfernten Winkel Europas zu schicken. Dadurch würde er, Birou, selbst Zeit gewinnen und könnte planen, was er mit dem Kerl machen sollte, und zugleich wäre Kara ihm hier bis zum nächsten Raketenanschlag nicht im Weg. Allein würde der Randalierer in Finnland ja wohl kaum etwas herausfinden, was der SIS nicht ohnehin schon wusste.
    ***
    Nachdem Kara seinen Chef verlassen hatte, ging er in die Betriebsarztpraxis im Haus F der UNO-City und ließ sich die Fäden an der Hand ziehen. Jetzt brauchte er dringend ein kühles Getränk. Er beschloss, seine Freundin Nadine zu besuchen, die fast durchgehend in ihrer Kneipe arbeitete. Im »Hansy« hatten sie sich auch kennengelernt, er war vor einem heftigen Novemberregen auf ein Bier in das Lokal geflüchtet und hatte sich auf einen Plausch mit der Brünetten eingelassen, die in dem gähnend leeren Restaurant bediente. Alles war von Anfang an leicht und ungezwungen gewesen, keiner von beiden wollte eine Bindung, die über nette Abende zu zweit und ungehemmten Sex hinausging.
    Die Fahrt mit der U-Bahn bis zur Station Praterstern dauerte nur einen Augenblick, und Nadine Eggers Kneipe lag kaum einen Steinwurf von der Metrostation entfernt an der Ecke Prater- und Heinestraße. Das »Hansy« war ein traditionsreicher, sauberer und volkstümlicher Gasthof mit einer Gewölbedecke, in dem man zumindest tagsüber ruhig mit der ganzen Familie einkehren konnte und unverfälschte österreichische Küche geboten bekam, also Fleisch. Die größten Portionen mussten mit der Personenwaage gewogen werden, und das wenige Gemüse, das zu einigen Gerichten gehörte, wurde meist genauso behandelt wie die Servietten – man aß es nicht mit. Das war kein Lokal für Freunde gesunder Kost.
    Als Kara die Kneipentür öffnete, die nur einen Meter vom Tresen entfernt war, sah er sofort, dass irgendetwas nicht stimmte. Die Kellnerin Annaliese, die am Bierhahn herumdrehte, schüttelte den Kopf, als sie ihn erblickte, und nickte in Richtung Küche.
    Er öffnete die Pendeltür und platzte mitten in einen heftigen Streit.
    »Verflucht noch mal, Alte, ich bin minderjährig, du bist verpflichtet, mir Geld zu geben!« Nadines siebzehnjähriger

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