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Schwert und Laute

Schwert und Laute

Titel: Schwert und Laute Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Sonia Marmen
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Gesetz
    Mondlicht fiel durch die Risse im Dach der alten Scheune, die mir als Nachtlager diente. Eingewickelt in meinen Umhang lag ich zitternd auf dem feuchten Boden und vermisste mein warmes, bequemes Bett. Gewöhn dich schon einmal daran, sagte ich mir, im Gefängnis wird es sicher schlimmer sein.
    Ich hatte nur ein paar Stunden geschlummert und war vor dem Morgengrauen aufgestanden. Lautlos war ich in meine Kleider und meinen Umhang geschlüpft und hatte dann vorsichtig meine wenigen Besitztümer und das Bündel mit meinen Vorräten zusammengesucht. Und dann war ich klammheimlich in das dunstige, kühle Grau der Morgendämmerung in den Highlands entflohen, ohne mich zu verabschieden.
    Da ich mich in der Gegend nicht auskannte, hatte ich beschlossen, den Weg einzuschlagen, auf dem wir gekommen waren, also den östlichen Taleingang, den Rannoch Moor. Am Fuß des imposanten Buachaille Etive Mor, dem kegelförmigen Gipfel, den die Dorfbewohner den »großen Schäfer« nannten und der seit Jahrtausenden den Eingang zum Tal bewachte, hatte ich mich ein letztes Mal umgewandt. Ich wusste, dass ich einen Teil meiner selbst zurückließ... mein Herz. Aber so spielte das Leben nun einmal. Als ich mich gen Süden wandte, schickte die gütige Vorsehung mir einige Bauern über den Weg, die mir den richtigen Weg nach Dundee wiesen.
    Im Moment befand ich mich in der Umgebung des Loch Earn. Die Anspannung und die Reise hatten mich erschöpft. Bei Einbruch der Nacht hatte ich diese alte, verlassene Scheune entdeckt. Nach einem bescheidenen Abendessen aus getrockneten Heringen und Haferkuchen hatte ich mich in einer Ecke auf den gestampften
Lehmboden niedergelegt. Ich musste meine Vorräte einteilen, denn zum Tauschen besaß ich nur die Brosche meiner Mutter und mein Pferd. Doch ich hoffte, mit meinem Proviant bis nach Dunning Manor durchzukommen.
    Wenn ich es recht überlegte, war mein erster Tag ganz erfolgreich verlaufen, und ich wünschte mir nur, einige Stunden Schlaf zu bekommen, bevor ich bei Sonnenaufgang meine Reise fortsetzte. Ich hatte noch einen langen Weg vor mir...
    Ich dankte dem Himmel für das Glück, das ich bis jetzt gehabt hatte, und schloss die Augen. Ehe ich in den Schlaf hinüberdämmerte, galten meine letzten Gedanken Glencoe und seinen unheimlichen, düsteren Bergen, die ich nie wiedersehen würde. Sàra, Colin... und Liam... Mochte Gott sie beschützen!

    Die Sonne stand schon hoch am Himmel, als ich am nächsten Tag erwachte. Ich verfluchte mich selbst, weil ich so lange geschlafen hatte. Kaum nahm ich mir die Zeit, ein wenig Käse und ein Stück Brot zu knabbern und mir das Gesicht im Bach zu waschen, und machte mich weiter auf den Weg in das Dorf Lochearnhead.
    Ich trat in die erste Herberge, die ich sah, um nach dem Weg zu fragen. Ein magerer Mann mit einem zerfurchten Gesicht, den ich für den Wirt hielt, musterte mich neugierig.
    »Kann ich Euch helfen, kleine Lady?«, fragte er und schüttete dabei ein dram Whisky in einen angeschlagenen Becher, den er einem Mann von wenig Vertrauen erweckendem Äußeren hinschob.
    »Ich wüsste gern, auf welchem Wege ich am schnellsten nach Dundee komme.«
    Ich schielte zu dem Gast, der seinen Becher mit einem Zug leerte und ihn dann wieder auf den Tisch knallte.
    »Dundee? Immer gen Osten, dann seid Ihr auf dem richtigen Weg. Ihr könnt es gar nicht verfehlen.«
    Von neuem füllte er den Becher des Mannes, der grunzte und mich dann argwöhnisch musterte.
    »Ihr seid nicht von hier, was?«
    »Nein... ich habe Freunde besucht«, gab ich ein wenig nervös zurück.

    »Eine hübsche Dame wie Ihr sollte nicht allein reisen.«
    Der Kerl leerte seinen Becher ein zweites Mal und schnalzte zufrieden mit der Zunge. Ich spürte, dass sein Blick sich auf mich richtete, und versuchte ihn nicht anzusehen, sondern konzentrierte mich auf den Wirt.
    »Ich habe Freunde, die mich begleiten«, log ich und lächelte schwach. »Sie warten an der Straße auf mich. Ich danke Euch für die Auskunft, Sir, und einen schönen Tag noch.«
    »Viel Glück, kleine Lady«, antwortete er und schenkte dem Gast einen dritten Whisky ein.
    Gott im Himmel! Dieser Mann musste wirklich einen gusseisernen Magen besitzen! Als ich mich umdrehte, um hinauszugehen, begegnete ich dem glasigen Blick des Trunkenbolds, der mich mit deutlichem Interesse musterte. Seine rote Nase zeugte von einer unmäßigen Neigung zum Branntwein. Der dickbäuchige Mann lächelte mir zu und enthüllte dabei seine verfaulten

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