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Schwert und Laute

Schwert und Laute

Titel: Schwert und Laute Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Sonia Marmen
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der ebenso aufgewühlt war wie mein Herz, auf dass er sich in das ruhigere und gelassenere Wasser des Loch Leven ergieße.

    Langsam versank die Sonne hinter dem Meall Mor. Das Tal lag jetzt in einem sanften Licht von diffusem Orange, und der Loch sah aus, als läge auf dem Wasser eine Schicht bewegten Goldes. Merkwürdigerweise fühlte ich mich entspannter. Jetzt vermochte ich klarer zu denken. Wer war ich, dass ich ein Urteil über Liam fällte? Verbittert machte ich mir klar, dass ich mich in einen Mann verliebt hatte, der schon vor mir ein Leben besessen hatte, an dem ich keinen Anteil gehabt hatte. Es war allerhöchste Zeit, dass ich dieses Tal verließ, ich hatte hier keinen Platz. Ich war eine Fremde. Mir blieb nur noch eines zu tun: Ich musste das Unrecht wiedergutmachen, das ich ihm und seinem Clan zugefügt hatte.
    Ich zog meine Schuhe aus und badete meine Füße im goldfarbenen Wasser des Loch. Das Wasser war eisig, aber erträglich. Ich tränkte meinen Rocksaum, um mir damit die Stirn und den Nacken abzutupfen, und bespritzte mir das Gesicht und den Hals. Nach den heftigen Gefühlsaufwallungen dieses Tages war ich in Schweiß gebadet. Ich löste die Schnüre meines Mieders ein wenig, um mir auch die Brust zu erfrischen. Plötzlich spürte ich den verrückten Drang, das kalte Wasser noch ein wenig zu genießen, bevor ich wieder aufbrach. Ich schürzte meine Röcke, steckte den Saum in den Gürtel und stieg dann zitternd bis zu den Schenkeln ins Wasser.
    Die Kiesel fühlten sich unter meinen Füßen glatt an, und die Wasserpflanzen kitzelten an meinen Knöcheln und Waden. Ich tat einige Schritte und betrachtete mein vom Wellengang verzerrtes Spiegelbild vor dem Hintergrund des flammenden Himmels. Ein leises Hüsteln, das von einem Pfiff gefolgt wurde, ließ mich plötzlich herumfahren.
    Instinktiv legte ich die Hand auf mein Hemd, um meine Brust zu bedecken. Isaak, der auf einem der Felsbrocken stand, beobachtete mich mit amüsierter Miene. Ich lief tiefrot an und blieb wie erstarrt stehen.
    »Was für ein herrliches Schauspiel Ihr bietet«, rief er und rieb sich das Kinn.
    »Was habt Ihr hier zu suchen? Seid Ihr mir gefolgt?«
    Er stieg von dem Felsvorsprung und näherte sich dem Ufer, so
dass ich zwischen ihm und dem tiefen Wasser des Loch gefangen war. Ich fühlte mich zutiefst beschämt. Wie lange war er schon da gewesen und hatte mich beobachtet? Ich hatte ihn nicht kommen hören. Und außerdem, was wollte er von mir? Die Fragen überschlugen sich in meinem Kopf, während ich in meinem Rock unauffällig nach meinem Dolch tastete.
    »Und wie geht es Eurer... Verletzung? Sie scheint ja gut verheilt zu sein.«
    Er beäugte die Narbe, die unter dem aufgeblähten Stoff meiner geschürzten Röcke noch gerade zu sehen war, und grinste lauernd. Sein Blick verriet seine lüsternen Gedanken. Rasch lief ich zum Ufer, schnappte meine Schuhe und rannte auf Bonnie zu. Doch er fing mich ohne große Mühe ab, stieß mich gegen den rauen Stamm einer Kiefer und hielt mich mit einer Hand fest.
    Panisch suchte ich erneut nach meinem Dolch und war erleichtert, als ich ihn fand. Doch ich konnte ihn nicht aus der Tasche ziehen, da er sich in den Falten des Stoffs verheddert hatte. Dennoch umklammerte ich den Griff und hielt die gut versteckte Waffe auf den Eindringling gerichtet. In meinen Schläfen pochte das Blut, und ich versuchte, mein Zittern so gut wie möglich zu unterdrücken.
    Isaak fasste ein Band von meinem Hemd, rollte es um seinen Zeigefinger und betrachtete unverschämt meine halb entblößte Brust. Er strömte einen beißenden Gestank nach Schweiß und Alkohol aus.
    »Fasst mich nicht an«, stieß ich zwischen den Zähnen hervor.
    Der Mann ignorierte meine leere Drohung und zog fest an dem Band, so dass meine linke Schulter teilweise enthüllt wurde. Sein von offener Lüsternheit erfüllter Blick verharrte dort. Ein obszönes Grinsen stand auf seinen Lippen. Er stützte auch die andere Hand gegen den Stamm, wobei er absichtlich meine Schulter streifte. Die Brosche, die sein ausgewaschenes Plaid hielt, glitzerte in den letzten Strahlen der untergehenden Sonne, die auch seine gelben Zähne beleuchtete.
    »Ich bin gekommen, um unser kleines Gespräch von neulich weiterzuführen, Ihr wisst schon, beim Laird ...«, flüsterte er. »Und
außerdem werde ich vielleicht die Gunst der Stunde nutzen, um...«
    »Rührt mich nicht an, Isaak.«
    »Kommt schon, Caitlin. Bei mir könnt Ihr dieses Spielchen sein lassen. Wir

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