Schwert und Laute
wie sie begannen, wieder aufhörten.
Ein sanftes Licht von reinem Smaragdgrün erfüllte das Tal. Einige Wolken hielten sich noch rund um die felsigen Gipfel. Das nach dem Regen zurückgebliebene Wasser verdampfte und ließ einen feinen Dunst über den Hütten schweben.
Die Dorfbewohner gingen auf ihren Parzellen ihren täglichen Arbeiten nach. Eine neue Hütte wurde gebaut. Das Dorf nahm sichtlich Formen an. Doch es fehlte immer noch eine Kapelle, denn in Glencoe gab es keinen Priester. Für ihre religiösen Zeremonien mussten die Menschen sich an Priester wenden, die auf der Suche nach verirrten Schafen, die sie auf den rechten Weg bringen wollten, durch die Täler streiften. Unterdessen vollzogen die Väter bei der Geburt ihrer Kinder die Nottaufe, und die Ehegelübde wurden von den Brautleuten unter Eid abgelegt. Aber sobald ein Priester auftauchte, nahm man seine Dienste in Anspruch, um sicherzugehen, dass Gott diese Sakramente wirklich anerkannte. Diesen umherziehenden Priestern mangelte es bestimmt nicht an Arbeit.
Kindergeschrei zog meine Aufmerksamkeit auf sich. Die Kleinen liefen hinter einer Schar Gänse her, die versuchten, den vielen bedrohlichen Patschhändchen zu entkommen. Der kleine Robin sah mich und kam mit vom Rennen gerötetem Gesicht zu mir gelaufen.
»Mistress Caitlin! Mistress Caitlin!«, schrie er. »Ich muss Euch etwas zeigen.«
Völlig außer Atem erreichte er mich und zupfte heftig an meinem Rock.
»Kommt! Meine Hündin hat Junge geworfen, und ich möchte, dass Ihr sie Euch anseht!«
Er trabte los und zwang mich, ihm zum Stall zu folgen. Die Hündin war in einem leeren Abteil niedergekommen, auf einem zerrissenen alten Hemd, das auf dem Stroh ausgebreitet war. Fünf kleine Fellbündel zappelten an ihrer Flanke und versuchten zu trinken. Robin ging in die Hocke, streichelte seiner Hündin den Kopf und nahm einen der Welpen in die Hand. Er war weiß mit einem schwarzen Fleck auf dem linken Auge und fiepte und strampelte zwischen den Fingern des Kindes.
»Das ist Suil Dubh, schwarzes Auge, mein Liebling«, erklärte er stolz. »Er hier heißt Reul Geal, weißer Stern«, fuhr er fort und wies auf einen anderen, ganz schwarzen Welpen, auf dessen Rücken ein sternförmiger weißer Fleck prangte.
Eines der Tierchen lag ein wenig abseits. Es wirkte weniger kräftig als die anderen.
»Und dieser da?«, fragte ich und wies mit dem Finger auf das Junge.
»Ach, der! Das ist Görach, der Dumme. Er kann nicht richtig saugen. Das ist der einzige Name, den ich für ihn gefunden habe«, sagte er, zog eine Grimasse und kniff die Augen zusammen. »Diese hier ist das einzige Weibchen aus dem Wurf. Sie heißt Banrigh Beag, kleine Königin, und ist Morags Liebling.«
Er setzte Suil Dubh zu den anderen und hob einen vollständig schwarzen Welpen hoch, den er mir lächelnd reichte.
»Das ist Seamrag 9 . Er ist ganz schwarz wie Eure Haare, und er ist für Euch!«
Ich hob die kleine, ebenholzfarbene Kugel an mein Gesicht und steckte die Nase in das Fell. Die schwarze, feuchte und warme Schnauze kitzelte auf meiner Wange. Das Kind beobachtete mich strahlend.
»Ich habe ihn so genannt, um Euch an Irland zu erinnern. Gewiss ist es nicht leicht, sein Land zu verlassen«, meinte Robin
ernst. »Ich weiß noch, dass ich viel geweint habe, als wir weggegangen sind, um anderswo zu wohnen, aber jetzt sind wir ja zurück. Nicht in unseren richtigen Häusern, denn die haben die Sassanachs alle niedergebrannt. Wir haben ein neues.«
Robin nahm seinen Lieblingshund und steckte ihn unter sein Hemd, so dass er auf seinem Bauch zu liegen kam, und sein Gesichtchen verzog sich vor Vergnügen.
»Habt Ihr Euch schon einmal einen Welpen ins Hemd gesteckt?« , fragte er lachend. »Das kitzelt überall und ist ganz weich. Versucht es, dann werdet Ihr schon sehen«, setzte er hinzu und nickte heftig mit großen runden Augen.
»Ich glaube, ich bin ein bisschen zu alt, um mir Hündchen ins Hemd zu stecken«, gab ich lachend zurück. »Ich bin aber gerührt, dass du an mich gedacht hast, mein kleiner Robin. Das Hündchen ist ganz reizend, aber ich weiß nicht, ob ich es behalten kann.«
Verblüfft sah der kleine Junge mich an und zog einen enttäuschten Schmollmund.
»Warum, mögt Ihr ihn nicht?«
»Oh doch! Ich mag ihn sogar sehr! Als ich klein war, habe ich mir immer einen Hund gewünscht. Aber ich wohne nicht wirklich hier, verstehst du. Ich bin nur ein Gast und muss bald nach Hause zurückkehren.«
»In Eure Heimat,
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