Schwert und Laute
bestätigen, was ich fürchtete. Ich enthielt mich jeden weiteren Kommentars. Eine Weile saß sie mir schweigend gegenüber, ein boshaftes Lächeln auf den Lippen. Ihre Frage hatte einen drohenden Unterton gehabt.
»Weiß er, dass du ein Kind erwartest?«
»Ob er es weiß oder nicht, macht keinen großen Unterschied.
Wenn er es erfährt, wird er sich seiner Verantwortung stellen müssen. Der Chief wird darauf bestehen.«
Unterschiedliche Gefühle malten sich nacheinander auf ihren Zügen. Ihre Finger wühlten krampfhaft in dem Kies am Ufer. Langsam schlug sie die Katzenaugen zu mir auf, und mir war, als funkelten mir aus einem Gesicht aus kaltem Marmor zwei herrliche Smaragde entgegen.
»Liam wird mich heiraten.«
Die Worte trafen mich wie Faustschläge in den Magen. Mir blieb die Luft weg. Ich wollte das nicht hören. Nein, sie log, das konnte nicht wahr sein! Sie erzählte mir diese Geschichte, weil sie mich zum Fortgehen zwingen wollte. Aber war das nicht genau das, was du wolltest, Caitlin?, sagte ich mir immer wieder. Ja... Nein... Im Grunde hatte ich darauf gewartet, dass Liam zurückkehrte, bevor ich abreisen konnte. Dass er mich bat zu bleiben. Dass er mir sagte... dass er mich liebte. Wenn ich ganz ehrlich zu mir war, musste ich mir das eingestehen.
Wie in einem Albtraum erhob ich mich und ging unsicheren Schrittes zu Bonnie. Langsam drehte ich mich zu Meghan um. Sie war aufgestanden und hatte beide Hände um den Bauch gelegt, wobei sie ihre Röcke aufbauschte; eine Parodie auf die Rundung, die unvermeidlich bald ihren noch flachen Leib wölben würde.
»Und wenn du glaubst, dass ich lüge, frag ihn doch. Er wird dir selbst bestätigen, dass ich sein Bett geteilt habe«, fuhr sie, noch angestachelt durch meine Niedergeschlagenheit, fort.
Sie stieß ein schrilles, hysterisches Lachen aus, bei dem es mir kalt über den Rücken lief.
»Enttäuscht, Caitlin? Jetzt hast du keinen Grund mehr, auf ihn zu warten«, rief sie bösartig. »Vielleicht ist es noch nicht zu spät, um dich auf der Blue Dolphin einzuschiffen!«
Ich legte die Stirn an den warmen Hals meiner Stute und schloss die Augen, um meine Tränen zurückzuhalten.
»Er gehört mir!«, kreischte sie hinter mir aus Leibeskräften. »Geh dorthin zurück, woher du gekommen bist. Du bist hier eine Fremde, und wir brauchen dich nicht. Liam braucht dich nicht. Er hat mich, mich! Mich und das Kind, das ich trage!«
Ihre Worte prasselten wie Faustschläge auf meinen Rücken
nieder. Mit war, als würde mir der Boden unter den Füßen fortgezogen. Ich klammerte mich am Sattel fest, um nicht ohnmächtig zu werden, und biss die Zähne zusammen, damit ich nicht aufschrie.
Zitternd bestieg ich Bonnie, sprengte in raschem Galopp davon und ritt durch das Tal bis zum Loch Achtriochtan, ohne das Tempo zu mindern und geblendet von einem Tränenschleier. Bonnie schnaubte erschöpft. Endlich ließ ich mich in dem Kiefernwäldchen auf den Teppich aus Nadeln fallen.
Der Schmerz war vernichtend. Ich fühlte mich verraten. Zorn, Verzweiflung, Hass, Verbitterung... Ich trieb in einem entfesselten Ozean von Empfindungen und ertrank in den Gefühlen, die in mir wogten. Immer wieder hörte ich Meghans Worte in meinem Kopf widerhallen, und ihr Lachen hämmerte gnadenlos im Inneren meines Schädels. Alles drehte sich um mich. Von einem unkontrollierbaren Weinkrampf ergriffen, zitterte ich. »Ach, Liam... Wie konntest du nur?«, schrie ich gepeinigt zum Himmel hinauf.
Erneut sah ich ihn vor mir, wir er beim Ceilidh Meghan schöne Augen machte. Und dann später, im Dunkeln, zusammen mit mir, seine Lippen auf meinem Mund... Wie hatte ich nur so naiv sein können? Er begehrte mich, aber nur für ein einfaches Abenteuer. Er hatte schon eine Frau in seinem Bett, und jetzt wollte er noch eine andere, unter seinem Plaid, auf der Heide. Schottischer Bastard!
Der Kiefernduft munterte mich ein wenig auf. Ich stand auf und setzte mich ans Ufer des Loch. Jetzt war es neun Tage her, dass Liam fortgegangen war, um »nachzudenken«. Von mir aus konnte er für den Rest seiner Tage darüber nachsinnen, wenn das Herz ihm das sagte, denn ich würde bei seiner Rückkehr nicht mehr hier sein. Wenn er glaubte, mich hier festhalten zu können, um seine niederen Instinkte zu befriedigen, dann hatte er sich gewaltig geirrt!
Wieder kamen mir die Tränen, von denen ich anscheinend einen unerschöpflichen Vorrat besaß. Ich schluchzte meinen Schmerz in den See hinein und vertraute ihn dem Coe an,
Weitere Kostenlose Bücher