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Shardik

Titel: Shardik Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Richard Adams
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Entscheidung zu, wo und wann. Selbst das beschäftigte ihn nicht lange, denn all seine Gedanken führten zu demselben Schluß – sie mußten geradeaus gegen Bekla ziehen und den Feind überall bekämpfen, wo sie ihn in der freien Ebene trafen. Es gab kaum irgendwelche Nahrungsmittel, die sie in Gelt requirieren konnten, und die Vorfälle am Nachmittag hatten ihm gezeigt, wie wenig wirkliche Kontrolle er über seine Leute besaß. Der Regen konnte jederzeit einsetzen, und die Nachricht von der Eroberung Gelts durch die Ortelganer würde trotz der Absperrung nicht lange geheim bleiben. Unmittelbarer als all das war, weil er sie im eigenen Körper fühlte, die Erkenntnis, daß er vielleicht bald außerstande sein würde, die Armee anzuführen. War die Schlacht erst einmal gewonnen, dann würde seine Krankheit keine große Rolle mehr spielen, aber sein Zusammenbruch vor dem Kampf würde bei seinen Männern böse Ahnungen und abergläubische Furcht hervorrufen. Außerdem mußte er allein den Befehl in der Schlacht führen. Wie sollte er sonst Herr von Bekla werden?
    Wo war die beklanische Armee, und wie bald durfte man hoffen, ihr zu begegnen? Die Stadtväter hatten gesagt, das Flachland liege etwa einen Tagesmarsch weit entfernt, und er konnte erwarten, daß die Feinde, sobald sie vom Heranrücken der Ortelganer erfuhren, sie aufs Korn nehmen würden. Sie würden ebenso begierig sein zu kämpfen wie er. Wahrscheinlich durfte man also annehmen, daß es spätestens übermorgen im Flachland zum Kampf kommen würde. Danach mußte er seinen Plan richten. Mehr konnte er nicht tun, er konnte nur seinem Herrn Shardik seine Tapferkeit und seine Hingabe darbieten, die sollte er nach Belieben verwenden. Und Shardik blieb es überlassen, die Regenfälle zu verzögern und die Beklaner Ta-Kominion entgegenzuführen.
    Wo war Shardik, und was hatte Kelderek, wenn überhaupt, erreicht, seit er ihn verlassen hatte? Der Bursche war ein Feigling, darüber gab es keinen Zweifel: doch das spielte keine Rolle, wenn er es nur irgendwie schaffte, den Bären zu den Ortelganern zu bringen, bevor sie kämpften. Wenn sie siegten – und sie würden siegen –, wenn sie tatsächlich schließlich Bekla selbst eroberten – welchen Platz würde Kelderek dann einnehmen? Und die Tuginda – diese nutzlose und doch beunruhigende Frau, die er unter Bewachung nach Quiso zurückgeschickt hatte –, was sollte mit ihr geschehen? Es durfte keine Autorität geben, die die seine nicht anerkannte. Vielleicht sollte man beide loswerden und Shardiks Kult dementsprechend ändern? Es würde später Zeit sein, darüber zu entscheiden. Jetzt kam es auf die bevorstehende Schlacht an.
    In einem plötzlichen Schwächeanfall setzte er sich auf die Trümmer einer verbrannten Hütte, um sich zu erholen. Sollte er nach dem Ende der Schlacht die Krankheit noch nicht überwunden haben, dann, dachte er, würde er die Tuginda kommen lassen und ihr vorschlagen, sie unter der Bedingung, daß sie ihn heilte, wiedereinzusetzen. Bis dahin mußte er sich darauf verlassen, daß Kelderek in ihrem Namen die Autorität ausübte. Es war aber wichtig, daß der Bursche unter Druck gesetzt wurde, seine Aufgabe auszuführen.
    Er erhob sich, stützte sich an den noch stehenden Türpfosten, bis sein Schwindel verging, dann machte er sich auf den Rückweg zu der Hütte. Die Stadtväter waren fort, er rief seinen Diener Numiss und übergab ihm eine kurze Botschaft, die er Kelderek bringen sollte; darin betonte er, daß er in den nächsten zwei Tagen den Kampf erwarte. Sobald er sich vergewissert hatte, daß der Mann seine Worte auswendig wußte, ersuchte er Zelda, ihn durch die Wachtposten führen zu lassen, erteilte Befehl, daß alles zur Fortsetzung des Marsches bei Morgengrauen am nächsten Tag vorbereitet sein solle, und ging schlafen.
    Er schlief fest, ohne sich durch die Soldaten stören zu lassen, die bei Einbruch der Nacht wieder zu plündern, zu vergewaltigen und zu saufen begannen und es weitertrieben, da keiner von den Baronen riskieren wollte, sie daran zu hindern. Als Ta-Kominion endlich erwachte, wußte er sofort, daß er nicht nur krank war, sondern in einem schlimmeren Zustand als je zuvor in seinem Leben. Sein Arm war so geschwollen, daß der Verband ins Fleisch schnitt, dennoch war er sich klar, daß er ihn nicht losschneiden durfte. Seine Zähne klapperten, seine Kehle war so geschwollen, daß er kaum schlucken konnte, und als er sich aufsetzte, spürte er einen pochenden Schmerz

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