Snow Crash
banalen Statistiken.«
»Es ist, als wären >Gut< und >Böse< vom Verfasser der Geschichte von Adam und Eva erfunden worden, um zu erklären, weshalb Menschen krank werden â warum sie körperliche und geistige Viren bekommen. Als Eva â oder Aschera â Adam dazu verführte, die Frucht vom Baum der Erkenntnis zu essen, brachte sie damit das Konzept von Gut und Böse in die Welt â und führte den Metavirus ein, der Viren erzeugt.«
»Könnte sein.«
»Meine nächste Frage lautet also: Wer hat die Legende von Adam und Eva geschrieben?«
»Das ist Gegenstand vieler gelehrter Kontroversen.«
»Was hat Lagos geglaubt? Oder, wesentlicher, was hat Juanita geglaubt?«
»Nicolas Wyatts radikale Interpretation des Mythos von Adam und Eva schlägt vor, daà er tatsächlich von den Deuteronomisten als politische Allegorie verfaÃt wurde.«
»Ich dachte, sie hätten die späteren Bücher geschrieben, aber nicht die Genesis.«
»Richtig. Aber sie sammelten und bearbeiteten auch die früheren Bücher. Man ging viele Jahre davon aus, daà die Schöpfungsgeschichte um 900 v. Chr. oder früher geschrieben worden warlange vor der Ankunft der Deuteronomisten. Aber neueste Analysen von Vokabular und Inhalt deuten darauf hin, daà ein groÃer Teil der Bearbeitungen â vielleicht sogar der neuen Niederschrift â um die Zeit der Verbannung entstanden sein muÃ, als die Deuteronomisten das Sagen hatten.«
»Also haben sie möglicherweise einen früheren Mythos von Adam und Eva umgeschrieben.«
»Dazu scheinen sie hinreichend Gelegenheit gehabt zu haben. Gemäà den Interpretationen von Hvidberg und später Wyatt, ist Adam in seinem Garten eine Parabel für den König in seinem Sanktuarium, speziell König Hosea, der das nördliche Königreich regierte, bis es 722 v. Chr. von Sargon II. erobert wurde.«
»Das ist die Eroberung, von der Sie vorhin gesprochen haben â die die Deuteronomisten südwärts nach Jerusalem vertrieben hat.«
»Exakt. Nun steht >Eden<, das man einfach als das hebräische Wort für >Freude< lesen kann, für den glücklichen Zustand, in dem der König vor der Eroberung existierte. Die Vertreibung aus Eden in die grimmigen Länder des Ostens ist eine Parabel für die massive Deportation von Israeliten nach Assur im Anschluà an den Sieg Sargons II. Dieser Interpretation zufolge wurde der König vom Kult des El mit seiner Anbetung der Aschera vom Pfad der Rechtschaffenheit abgebracht â die gemeinhin mit
Schlangen in Verbindung gebracht wird und deren Symbol ein Baum ist.«
»Und seine Assoziation mit Aschera führte irgendwie dazu, daà er erobert wurde â und als die Deuteronomisten Jerusalem erreichten, schrieben sie die Geschichte von Adam und Eva als Warnung für die Führer der südlichen Königreiche um.«
»Ja.«
»Und weil ihnen vielleicht niemand zuhörte, erfanden sie dabei vielleicht das Konzept von Gut und Böse, als Aufhänger.«
»Aufhänger?«
»Fachausdruck. Was geschah dann? Hat Sargon II. auch versucht, die südlichen Königreiche zu erobern?«
»Sein Nachfolger, Sanherib. König Hiskia, der das südliche Königreich regierte, traf fieberhafte Vorbereitungen für den Angriff, befestigte Jerusalem und verbesserte die Trinkwasserversorgung. AuÃerdem war er für eine Reihe weitreichender religiöser Reformen verantwortlich, die er unter Leitung der Deuteronomisten durchführte.«
»Wie ist es ausgegangen?«
»Die Truppen von Sanherib belagerten Jerusalem. >Und in dieser Nacht fuhr aus der Engel des HERRN und schlug im Lager von Assyrien hundertfünfundachtzigtausend Mann. Und als man sich früh am Morgen aufmachte, siehe, da lag alles voller Leichen. So brach Sanherib, der König von Assur, auf und zog ab...< Zweites Buch der Könige, 19:35-36.«
»Jede Wette, daà er abzog. Damit ich nichts verwechsle: Die Deuteronomisten verhängen durch Hiskia eine Politik der Informationshygiene über Jerusalem und lassen einige öffentliche Einrichtungen verbessern â Sie sagten, sie haben an der Wasserversorgung gearbeitet?«
»>Sie verdeckten alle Quellen und den Bach, der durch die Erde geleitet wird, und sprachen: Daà die Könige von Assur nur kein Wasser finden, wenn sie kommen!< Zweites Buch der Chronik, 32:4. Dann
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