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Svantevit - historischer Roman (German Edition)

Svantevit - historischer Roman (German Edition)

Titel: Svantevit - historischer Roman (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Nikolai M. Jakobi
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wie er langsam, Rusawa immer noch in den erstarrten Armen haltend, in die dunkle grabesstille Tiefe zu sinken begann.
     
    "Jungchen! Jungchen!"
    Der alte Mann lief so schnell ihn seine dürren Beine trugen.
    Hätte er die Zeit gehabt, einen Moment stehen zu bleiben, so hätte er sich wohl als erstes verwundert die Augen gerieben, an seinen Sinnen zweifelnd über das was er da eben gesehen hatte. Wie an fast jedem Tag, so war er auch an diesem noch jungen Nachmittag unterwegs, um die von ihm gelegten Fallen und Schlingen auf Beute zu kontrollieren. Auch suchte er, den nicht nach Süden gezogenen Vögeln die auch jetzt noch für Kundige reichlich vorhandenen Früchte und Beeren des Waldes streitig zu machen. So war er zufrieden, denn der Beutel an seinem Gürtel hatte sich inzwischen gut gefüllt und daneben hing eine tote Stockente, durch die tiefen Schneeverwehungen zwischen den Sträuchern am Ufer der Insel gestapft und hatte es natürlich mitbekommen, dass da jemand war. Es schienen sogar mehrere Leute zu sein, denn er hörte sie lachen und rufen, doch er war nicht neugierig, auch wenn er sich ein wenig wunderte, denn es hörte sich an, als wären es Kinder, die hier in der doch ziemlich abgeschieden Wildnis umherliefen.
    Er war weiter gegangen und dann erschrocken stehen geblieben, denn er glaubte einen Hilferuf gehört zu haben. Zwar waren die Worte nicht zu verstehen gewesen, aber es hatte sich eindeutig um einen von Angst und Panik erfüllten Schrei gehandelt und er lauschte in die eingetretene Stille, um zu erfahren, was da vor sich ging. Dann hatte sich der Schrei wiederholt und diesmal war das Wort "Hilfe" ganz deutlich zu vernehmen.
    Mit einer fast athletischen Behändigkeit war er die Uferböschung heruntergesprungen und, da niemand zu sehen war, in die vermutete Richtung des vermeintlich Hilfesuchenden gelaufen. Nach einiger Zeit war er dann allerdings stehen geblieben, denn es war nicht nur niemand zu sehen, sondern auch niemand mehr zu hören und es war offensichtlich, dass er hier ganz alleine stand auf weiter Flur.
    Als er sich dann da so ratlos umschaute und lauschte, war das schier Unfassliche in gar nicht allzu großer Entfernung, als er noch jung war hätte er wohl einen Stein so weit werfen können, passiert. Ohne, dass vorher irgendetwas zu sehen gewesen war, begann eine Gestalt aus dem Eis regelrecht herauszuwachsen, so als würde sie sich aus der puren Luft materialisieren. Nach einem kurzen Schreck erkannte er, dass diese Gestalt ein Mensch war, ein Junge scheinbar, und dass der wohl aus einem Eisloch herausgekommen war, das er bisher noch gar nicht bemerkt hatte.
    "Hallo, Jungchen! Hallo!", rief er, denn irgendetwas musste hier ja passiert sein und wenn er könnte würde er natürlich gerne helfen.
    Doch der Junge schien sein Rufen trotz der kurzen Distanz nicht zu hören und hauchte sich völlig abwesend in seine offensichtlich klammen Hände und riss sich dann zum völligen Entsetzen des Alten die nassen Kleider vom Leib, um kopfüber wieder im Wasser zu verschwinden. Hätten nicht die Pelzsachen auf dem Eis gelegen, so hätte er wohl an seinem Verstand zweifeln müssen, als er jetzt die Stelle erreichte und in das ruhige tiefschwarze Wasser blickte, in dem nichts auf das Unheimliche deutete, das sich hier eben ereignet hatte.
    Ratlos kniete er an dem Eisloch und wusste nicht, was er tun sollte, doch sein Instinkt riet ihm, genau an diesem Platz zu bleiben, da noch irgendetwas passieren würde. Als er im Wasser etwas Helles wahrnahm, das aus einer zunächst scheinbaren Einbildung immer mehr zur Realität wurde, um dann inzwischen gut erkennbar wieder langsam in der Dunkelheit zu versinken, da griff er aus einem Reflex heraus so schnell und fest zu wie er konnte. Er merkte sofort, dass es ein menschlicher Schopf war, den er da gepackt hatte und er zog mit vorsichtiger Gleichmäßigkeit aber doch so fest seine Kräfte es zuließen, bis er ihn über Wasser hatte.
    Dann fasste er erst unter das Kinn und schließlich unter die Schultern, um den ganzen Körper aus der eisigen Nässe zu befördern, immer in Gefahr, selbst über das durch aufspritzendes Wasser inzwischen spiegelglatte Eis hineinzurutschen. Da er ihn mangels Kraft nicht einfach herausheben konnte, hatte er sich inzwischen in eine etwas komplizierte Situation manövriert. Er lag auf dem Rücken, mit den Füßen im Wasser, und hatte sich den Jungen, den er als den vorhin Gesehenen erkannte, bis auf die Brust gezogen.
    Weiter kam er

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