Theodor: The Theodor Story (Die Wiedergeburt) (German Edition)
Schale mit der glimmenden Rinde darin und stellte sie an das Kopfende. Daraufhin legte er ihr beide Hände auf die Stirn.
„Du bist frei“, flüsterte er eindringlich. „Dein Geist kennt keine Zeit, dein Geist kennt keinen Raum. Du bist Energie.“
„Ja“, hauchte sie nur noch. Ihre Muskeln waren schlaff, ihre Augen geschlossen, ihre Lippen bewegten sich kaum.
Judy war nun willenlos! Jetzt konnte er die Kontrolle übernehmen und alles, was sie nun sagen wird, geschah ohne ihren Einfluss!
„Dein Name“, sprach er sie an. „Wie lautet dein Name.“
„Judy Miller“, hauchte sie ihm entgegen.
„Dein Beruf. Was ist dein Beruf?“
„Ich habe keinen Beruf.“
„Was bist du, Judy Miller?“
Henriece war angespannt. Er wollte es wissen – alles wollte er wissen!
„Ich bin eine Hure“, sagte sie in einer Selbstverständlichkeit. Zorn blitzte in Henrieces Augen auf. Nicht aber über Judy – seine eigene Naivität machte ihn wütend.
„Frankreich“, nannte er dann nur das eine Wort. Ein leichtes Zucken konnte er darauf verspüren. „Mit wem warst du in Frankreich?“
„Mit Karl“, antwortete sie spontan.
„Wer ist Karl?“
„Sigli. Karl Sigli.“
„Wo ist Karl Sigli jetzt? Kannst du ihn sehen?“
Wieder verspürte er ein Zucken. „Tot. Karl ist tot.“
„Warum ist Karl tot?“ Henrieces Blick haftete auf ihrem Gesicht. Er wollte wissen, was sich in Marseille zugetragen hatte und erst dann in vergangene Leben forschen.
„Karl wurde ermordet.“
„Was hatte Karl für einen Beruf?“
„Politiker.“
„Von welchem Land?“
„Österreich.“
In Henriece arbeitete es. Den Dickschnäutzigen und die Gestalten aus dem Sunbeam Tiger verband er mit dem ermordeten Karl Sigli. Warum, konnte er sich nicht beantworten – noch nicht.
„Wer hat Karl ermordet?“
Wieder zuckte sie.
„Frank Garden“, kam die Antwort, die Henriece erwartet hatte.
„Wo hast du Frank Garden kennen gelernt?“
„In Marseille.“
„Was ist Frank Garden von Beruf?“
„Diamanthändler.“
„Warum hat Frank Garden ihn ermordet?“
„Weil er mich liebt. Weil er mich befreien wollte.“
„Du warst seine Gefangene?“
„Ich war Karl Sigli ausgeliefert.“
Henriece schloss seine Augen. Er versuchte sich an den älteren Herrn zu erinnern, den er nur von hinten hat sehen können. Sie war wohl seine private Sexgespielin, reimte er sich zusammen. Irgendwie ist Garden an die beiden geraten und hat dann einen Plan geschmiedet. Nur welchen?
„Liebst du Frank Garden?“, stellte er ihr die Frage, indem er sich langsam erhob.
Judy antwortete nicht.
„Was bedeutet dir Frank Garden?“, war seine nächste Frage.
Wieder erfolgte keine Antwort.
Henriece kniete sich wieder zu ihr nieder und legte seine Hände auf ihre Stirn. „Wer bist du?“
„Atyaf“, antwortete sie. Henriece horchte auf. Judy war nicht mehr in der Realität!
„Was siehst du?“, fragte er vorsichtig.
„Ich sehen eine weite Wüste“, antwortete sie. Ihre Stimme klang plötzlich klar und deutlich. „Ich sehe Palmen, Wasser und Zelte. Ich sehe Menschen, die gekleidet sind wie Nomaden.“
„Wo befindest du dich?“
„Ich befinde mich am Wasser.“
„Was tust du am Wasser?“
„Ich wasche ein Hemd, das stark verschmutzt ist.“
„Was fühlst du?“
„Ich fühle mich wohl. Freude ist in mir.“
„Warum verspürst du Freude?“
„Mein Vater ist von einer sehr langen Reise zurückgekehrt. Ich wasche das Hemd meines Vaters.“
„Was ist dein Vater?“
„Er ist Kaufmann.“
„Wie alt bist du, Atyaf?“
„Ich bin sechzehn.“
„Welche Sprache sprichst du?“
„Ich spreche die Sprache der Araber“, sagte sie auf arabisch. „Ich sehe meinen Vater und meinen Bruder. Sie kommen auf mich zu und lächeln mich an“, sagte sie wieder in verständlicher Sprache.
„Wie alt ist dein Bruder?“ Er beobachtete sie sehr genau.
„Zwanzig. Er hat so schöne blaue Augen.“
„Dein Vater, wie sieht er aus?“
„Groß. Schwarze Haare und einen dichten schwarzen Vollbart. Jetzt bleiben sie bei mir stehen. Er sagt etwas zu mir. Er sagt, dass er wieder fort müsse und meinen Bruder mitnimmt. Ich bin traurig. Ich stehe auf und umarme meinen Bruder. – Jetzt sehe ich nichts mehr. Es ist dunkel.“
Henriece stand auf und begab sich an das Fußende von Judy, stellte die Kerze neben das Athamé und nahm dieses in die Hand, die Spitze von sich weisend, seinen Blick nach oben gerichtet. Erneut begann er zu summen.
„Judy
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