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Todeshaus am Deich

Todeshaus am Deich

Titel: Todeshaus am Deich Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Hannes Nygaard
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ständig
vor verschlossenen Türen stehen.«
    »Trifft das auf alle
Bewohner zu?«
    »Nein. Manche legen
Wert auf ihre Ungestörtheit. Das respektiert aber jeder.«
    »Wer war als Letzter
bei Herrn Schüttemann?«
    Schwester Regina
senkte den Kopf und sah betreten zu Boden.
    »Ich glaube, ich war
es. Ich war noch kurz bei ihm, gleich nachdem Dr. Michalke gegangen ist.«
    »Wann war das?«
    »Kurz nach dem
Essen. Die Ärztin hat Herrn Schüttemann in der Zeit zwischen der Vor- und der
Nachmittagssprechstunde besucht.«
    »Und Sie sind noch
im Raum geblieben, als Dr. Michalke gegangen ist?«
    »Ich war nicht die
ganze Zeit anwesend, sondern bin der Ärztin auf dem Flur begegnet, als sie sich
verabschiedet hat. Dr. Michalke hatte es plötzlich eilig.«
    »Was haben Sie dann gemacht?«
    »Ich bin noch einmal
zu Herrn Schüttemann und habe nach ihm gesehen. Dabei schlief er tief und
fest.«
    »Haben Sie deutlich
bemerkt, dass er noch am Leben war?«
    »Ich nehme es doch
an. Schließlich war die Ärztin gerade bei ihm gewesen.« Schwester Regina senkte
den Kopf und betrachtete ihre Fußspitzen. »Ich habe allerdings nur von der Tür
aus einen Blick auf ihn geworfen.«
    »Benötigen Sie uns
noch?«, fragte die Oberschwester und war schon aufgestanden.
    »Im Augenblick
nicht. Danke.«
    Nachdem die beiden den
Raum verlassen hatten, lehnte sich Brodersen entspannt zurück.
    »Ich glaube, nun ist
der Fall endgültig aufgeklärt. Ein bedauerlicher Unfall.«
    »Die Entwarnung
geben wir«, sagte Große Jäger und kramte seine zerknitterte Zigarettenpackung
hervor. Nachdem er den gefüllten Aschenbecher auf dem Schreibtisch des
Heimleiters entdeckt hatte, genierte er sich nicht, zu rauchen. Er zündete
sich, ohne um Erlaubnis zu fragen, eine Zigarette an.
    »Was wollen Sie noch
weiter untersuchen? Es stellt sich doch die Frage, ob es sich bei so alten
Leuten noch lohnt, Zeit und Mühe für die Ermittlung der genauen Todesursache
aufzuwenden.«
    Große Jäger war
halbwegs von seinem Stuhl in die Höhe gesprungen und konnte nur durch ein
beherztes Zupfen an seinem Ärmel von Christoph zurückgehalten werden.
    »Es ist eine
Unverfrorenheit, welche Bewertungsmaßstäbe Sie an menschliches Leben legen«,
sagte Christoph. Ihm war der Zorn deutlich anzumerken.
    Brodersen zeigte
sich nicht sonderlich erschüttert.
    »Was ich gesagt
habe, ist nur Ausdruck dessen, was sogar schon einige Politiker öffentlich
diskutiert haben. Gibt es irgendwo eine Grenze, ab der nicht mehr jede
Investition in die Gesundheit oder das Leben eines Menschen sinnvoll ist? Eine
Frage, die erlaubt sein muss, in Anbetracht der Überalterung unserer
Gesellschaft. Wer soll das bezahlen?«
    »Ihre ethische
Gesinnung ist vor dem Hintergrund, dass Ihnen das Wohl alter und
pflegebedürftiger Menschen anvertraut ist, äußerst fragwürdig.«
    »Ich denke, es gibt
noch andere Behörden, die sich für Ihre Gedanken interessieren könnten und
Ihnen das Leben als Betreiber einer Seniorenresidenz erschweren werden«, drohte
Große Jäger ergänzend.
    *
    Das Schicksal des an Leukämie erkrankten Jungen hatte
Mommsen keine Ruhe gelassen. Er stellte fest, dass er unkonzentriert die Akten
in einem Fall durchblätterte, in dem es um einen Betrugsvorwurf gegen einen
Internethändler ging. Immer wieder schweiften seine Gedanken zu der Suchanfrage
aus Münster ab. Es musste doch möglich sein, Thorben Althoff zu finden. Schließlich
hing davon das Leben des Kindes ab.
    Mommsen klappte den Aktendeckel zu. Es war nur ein
kurzer Fußweg von der Polizeidirektion zum Einwohnermeldeamt am Zingel. Dort
beschaffte er sich ein Foto von Thorben Althoff. Jetzt wussten sie endlich,
nach wem sie suchten.
    Auf dem Bild war ein junger Mann zu sehen, der einen
fröhlichen Eindruck machte. Ein schmaler Oberlippenbart und die in Spitzen nach
oben gekämmten Haare zierten ein Allerweltsgesicht.
    Als Nächstes fertigte Mommsen Vervielfältigungen an,
bevor er sich noch einmal auf den Weg zu den beiden letzten bekannten
Wohnsitzen Althoffs machte.
    »Ich hab ihn kaum gesehn. War ja jümmers so büschen
zurückhaltend. ‘nen ganz ruhigen Jung. Wie ich ja gehört hab, soll er bei Nacht
ausgebüxt sein. Und seine Wohnung war so ‘n richtigen Schweinestall. Wie man
sich doch täuschen kann. Hast ihn man gar nich angesehn«, erklärte ihm eine
rundliche ältere Frau aus der Nachbarschaft.
    »Haben Sie Herrn Althoff nach seinem Auszug noch
einmal in der Stadt gesehen?«, fragte Mommsen.
    Die Frau bewegte so

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