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Todesnacht - Booth, S: Todesnacht - Scared to Live

Titel: Todesnacht - Booth, S: Todesnacht - Scared to Live Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Stephen Booth
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zuhörte, war sie sich nicht sicher, was sie davon halten sollte, dass sie das Privileg genossen hatte, Insiderinformationen zu bekommen. In gewisser Weise fühlte sie sich geschmeichelt. Doch es brachte sie in eine seltsame Situation, mehr zu wissen als ihre Vorgesetzten oder zumindest einen besseren Überblick zu haben.
    Als Kotsev abermals eine Pause einlegte, hob jemand die Hand. »Ist es schwierig, eine erfolgreiche Anklage vorzubereiten, wenn diese Personen so viel Macht und Einfluss besitzen?«
    »Ja, wir haben einige Schwierigkeiten damit, Anklagen hiebund stichfest zu machen. Zeugen nehmen ihre Aussage zurück oder haben Unfälle, Rechtsanwälte legen ihr Mandat nieder, Beweisstücke verschwinden.«

    »Sie sagten ›verschiedene Fälschungsaktivitäten‹ – gehören dazu auch Reisepässe und Personalausweise?«
    »Ja. Das Hauptgeschäftsfeld der Fälscher sind Euro-Banknoten. Großbritannien ist allerdings kein Markt für gefälschte Euros – noch nicht. Banden, die hier operieren, werden ihre Fertigkeiten vermutlich eher für die Herstellung von gefälschten Ausweispapieren verwenden.«
    »Was ist mit dem Pärchen, das in seinem Wagen getötet wurde? Waren die beiden in organisiertes Verbrechen verwickelt?«
    »Ja, wir glauben, dass sie das waren, und zwar aufgrund von Dimitar Ilievs Verbindungen und der Art und Weise des Mordes. Aber in Bulgarien gibt es auch ethnische Probleme, und Piya Yotova war eine Roma. Wir sind uns nicht sicher, wer abgedrückt hat, aber Iliev und Yotova wurden mit einer Kalaschnikow-Schnellfeuerwaffe erschossen.« Kotsev lächelte traurig. »Kalaschnikows bringen uns ständig in Verlegenheit. Diese Waffen wurden illegal in viele Kriegsgebiete exportiert und schaden deshalb unserem internationalen Ansehen.«
    »Und Simon Nichols? Wie passt er ins Bild?«
    »Simcho Nikolov? Aufgrund unserer geheimdienstlichen Informationen sind wir davon überzeugt, dass er eine wichtige Rolle bei Fälschungsoperationen gespielt hat. Das war sein Fachgebiet. Wir glauben allerdings nicht, dass er an irgendwelchen gewalttätigen Aktivitäten beteiligt war, so wie die Brüder Zhivko.«
    Als Kotsev fertig war, herrschte einen Augenblick lang Stille. Hitchens stand auf, um ihn abzulösen.
    »Vielleicht wäre es an diesem Punkt angebracht, eine Neuigkeit zu erwähnen«, sagte er. »Die Schusswaffenexperten haben die Waffe identifiziert, mit der Rose Shepherd erschossen wurde.«
    »Eine Kalaschnikow?«
    »Nein. Es hat sich herausgestellt, dass es eine ziemlich ungewöhnliche Waffe war. Das Labor hat einige Nachforschungen
anstellen müssen, also denke ich, wir schulden ihnen einen Gefallen. Sie sagen, es war ein Gewehr, das Heckenschützen des rumänischen Militärs verwenden, eine sogenannte Pusca Semiautomatica cu Luneta oder kurz PSL. Man könnte sagen, dass sie zur Kalaschnikow-Familie gehört, aber sie sieht anders aus.«
    »Tja, eines ist sicher: Niemand wird zugeben, dass er eine solche Waffe besitzt. Auf den Besitz einer illegalen Schusswaffe steht eine fünfjährige Gefängnisstrafe.«
    »Wahrscheinlich handelt es sich sowieso um eine saubere Waffe. Es wird nicht einfach sein, zurückzuverfolgen, woher sie stammt.«
    Hitchens nickte. »Was Simon Nichols betrifft – oder Simcho Nikolov, wie ich ihn nennen sollte -, haben wir noch keinen vollständigen Obduktionsbericht vorliegen, aber bislang gibt es keinen Hinweis darauf, dass sein Tod irgendeine andere Ursache hat als eine natürliche oder ein Unfall war.«
    »Dann ist er also aller Wahrscheinlichkeit nach kein Opfer? In diesem Fall...?«
    »Ja«, sagte Hitchens. »Wir sollten ihn als möglichen Verdächtigen für den Mord an Rose Shepherd betrachten. Wir müssen es irgendwie schaffen, zu rekonstruieren, was er in den letzten Tagen vor seinem Tod gemacht hat.«
     
     
    Nach der Einsatzbesprechung stand Cooper auf dem Korridor plötzlich neben Liz Petty. Irgendeine mysteriöse Macht schien sie in unerwarteten Augenblicken zusammenzuführen. Vielleicht kam es ihm aber auch nur so vor.
    »Geht’s dir gut?«, erkundigte er sich.
    »Ja, prima. Danke, Ben.«
    Wenn er sich mit Liz am Telefon unterhielt, klang ihre Stimme immer so warm, dass er jedes Mal aufs Neue überrascht war und glaubte, den Boden unter den Füßen zu verlieren. Viele Polizistinnen legten sich eine harte Schale zu, nicht
aber Mitarbeiterinnen der Spurensicherung, wie es schien. Er musste aufpassen, dass er ihr nicht auf die Nerven fiel, indem er sie zu häufig anrief, nur um

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