Todesspiel
»Stadtzentrum« nennt, und
rief Krause von einer Einkaufspassage aus an. »Ja?«, meldete er sich, und wie mir vorkam, schwang in diesem einen Wort ein wenig Arroganz, vielleicht aber doch auch Argwohn mit.
»Senator Krause, hier ist Bill Clinton.« Ich hatte meine Stimme nicht ganz unter Kontrolle, sie klang unsicher, und dieses Zeichen von Schwäche ärgerte mich maßlos.
Krause erkannte das natürlich; Politiker haben dafür ein sensibles Gehör. »Wir haben Ihre Freundin«, sagte er mit der freundlichen Stimme eines Mannes, der beim Poker auf vier Asse in seiner Hand hinunterblickt. »Wir denken, Sie sollten sich uns nunmehr ebenfalls stellen. Sofern Sie das tun, sind wir bereit …« Er las anscheinend ein schriftliches Statement vor oder leierte eine auswendig gelernte Rede herunter.
Ich unterbrach ihn, nicht gerade schreiend, aber doch mit lauter und scharfer Stimme: »Halt’s Maul, du verdammter Drecksack! Halt dein Maul! «Ich atmete durch, fuhr dann ruhiger fort: »Hören Sie mir gut zu, Senator: Für jede halbe Stunde, die Sie meine Freundin festhalten, werde ich einen Kongressabgeordneten oder Senator ans Messer liefern, indem ich finstere Machenschaften an die Öffentlichkeit bringe, die sie begangen haben. Die ersten drei sind sofort fällig. Jetzt sofort . Da gibt es kein Verhandeln mehr, es ist beschlossene Sache. Und es wird Sie eine Menge kosten, Sie verdammtes Arschloch … Nachdem ich den Medien die Unterlagen zugespielt habe, werde ich die Büros jedes betroffenen Politikers anrufen und ihnen mitteilen, dass Sie, Senator Krause, für die ihnen zugefügte Schmach und Schande verantwortlich sind. Dass Sie und Ihre DDC-Arbeitsgruppe das alles initiiert haben. Ich werde den Betroffenen Beweise zukommen lassen. Nachdem diese ersten drei Männer am Pranger stehen, was in rund zwei Stunden geschehen sein wird, haben Sie die Chance, meine Freundin freizulassen, sofern es bis dahin nicht bereits erfolgt ist. Wenn Sie diese Chance nicht nutzen,
liefere ich weitere Politiker ans Messer. Falls Sie meine Freundin trotzdem weiter festhalten, wird im Verlauf des Abends ein nicht unbeträchtlicher Teil unserer Volksvertreter den Bach runtergehen, und sie alle werden wissen, wer schuld an ihrem Unglück ist. Und irgendwann zwischendrin sind Sie persönlich an der Reihe. Auf Wiederhören!«
»Warten Sie …!«
Ich legte auf und machte mich auf die Suche nach weiteren sicheren Telefonen und einem neuen Wi-Fi-Sendeplatz.
Krause war, wie alle Politiker, ein gewiefter Verhandlungstaktiker. Deshalb mein Entschluss, mich auf keine Verhandlungen mit ihm einzulassen. Die Wahl, vor die ich ihn stellte, musste eindeutig sein, und sie war es: entweder LuEllen freizulassen oder in den Ruin getrieben zu werden. Wenn ich mit ihm verhandelte, würde er mir nach langem Hin und Her wahrscheinlich einen Vorschlag präsentieren, den ich früher oder später akzeptieren musste. Was vermutlich klein beigeben bedeuten würde. Aber dazu würde es nicht kommen – klein beigeben kommt bei mir nicht vor …
LuEllen und ich hatten in anderem Zusammenhang über diese Möglichkeit gesprochen. Wenn einer von uns »in Feindeshand« fiel, kam nichts dabei heraus, wenn der andere klein beigab und sich ebenfalls dem Feind stellte. Dieser Gedanke hatte auch bei unseren Gesprächen eine Rolle gespielt, ob LuEllen sich bei unserem derzeitigen Job, der Suche nach Bobbys Mörder und dem Laptop, ausklinken sollte. Es hatte keine echte Notwendigkeit bestanden, dass sie weiter dabeiblieb, aber sie war nun mal geblieben, zu lange, wie sich jetzt zeigte, weil es ihr Spaß gemacht hatte. Das war ein Fehler, aber es kam jetzt darauf an, ihn nicht noch durch falsches Taktieren zu verschlimmern.
Um sie aus Krauses Fängen zu befreien, musste ich den Senator
unter Druck halten. Das konnte ich, wie ich überlegte, mit der Fotodatei aus Carps Laptop erreichen. Die Frage blieb allerdings, ob ich Krause zur Aufgabe zwingen konnte, bevor diese Mistkerle es schafften, LuEllens Identität zu lüften.
Von einem anderen öffentlichen Telefon aus rief ich John an:
»Sie haben LuEllen geschnappt – dieser hinterfotzige Senator Krause. Ich versuche, sie rauszuholen, aber es könnte sein, dass wir uns ins Ausland absetzen müssen.«
»Ich habe Beziehungen nach Mexiko, sofern es erforderlich wird.«
»Bereite das vor, bitte. Ich weiß nicht, was passieren wird.« Ich berichtete ihm in einer Kurzfassung von der Falle im Park.
»Verzeih mir, dass ich
Weitere Kostenlose Bücher