Todesspiel
Schreibmaschine rumgehämmert, dachte ich.
Dann Schritte. Bewegung am Vorhang eines seitlichen Fensters. Dahinter war es dunkel, und wer es auch war, der uns beobachtete, er konnte nur John sehen, da ich zur anderen Seite der Tür getreten war, weg von dem Fenster. Dann wieder Schritte im Inneren, und schließlich wurde die Tür geöffnet. Ein Mann stand vor uns.
Er war jünger als John und ich, Ende zwanzig oder Anfang dreißig, und er war groß und hatte ein feistes, ovales Gesicht, eine lange, fleischige Nase und braunes Haar. Er war unrasiert, und an den Seiten seines Unterkiefers und unter den dicken Lippen spross ein dünner Bart. Er blinzelte uns aus kleinen Augen an und fragte: »Wer sind Sie?«
»Sind Sie James Carp?«, stellte John die Gegenfrage.
Er runzelte die Stirn. »Ähm, das ist mein Bruder …«
»Ist er zu Hause?«, fragte John.
»Er ist, ähm, hinten …« Ich sah es dem Gesicht des Mannes an, dass er log.
»Wir müssen dringend mit ihm sprechen«, sagte John und schob sich ein Stück auf den Mann zu. »Es ist sehr wichtig …«
»Ich, ähm, sag ihm Bescheid.«
Er drückte die Tür bis auf einen Spalt zu, sah uns noch einmal an, und John sagte: »Sie sind es, Jimmy James, nicht wahr?«
Carp drehte sich blitzschnell um, rannte weg, zum rückwärtigen Teil des Wohnwagens, und John und ich stürmten hinter ihm her. Unter der Tür stießen wir erst einmal zusammen, und als ich dann hinter John in den dunklen Raum stürzte, rammte ich einen Klapptisch, fiel beinahe hin, taumelte zur Seite – eine unbeabsichtigte Bewegung, die mir wahrscheinlich das Leben rettete, denn Carp gab aus dem Hintergrund drei schnelle Pistolenschüsse auf uns ab.
Ich warf mich schnell hin, sah das Mündungsfeuer, hörte, dass John hinter mir durch die Tür nach draußen fiel, dachte: O Gott, er ist getroffen!, schob mich rückwärts in seine Richtung, wand mich wie eine Schlange durch die Tür.
Ich fürchtete, Carp würde vielleicht auf uns losgehen, griff zum Türknopf und zog hastig die Tür zu. Abhauen! zuckte durch meinen Kopf. John kniete neben mir, richtete sich auf, schaute am Wohnwagen entlang nach hinten, rief: Hey !, und ich sah ebenfalls in diese Richtung.
Es gab wahrscheinlich eine Hintertür, oder Carp war aus einem Fenster gesprungen – wie auch immer, er rannte zu dem Corolla, mit dem Laptop, von dem ein Stromkabel baumelte, unter dem Arm. Er sprang in den Wagen, und als ich auf die Füße kam, richtete er die Pistole auf uns, und wir beide zuckten
hinter die Ecke des Wohnwagens zurück, hörten, dass er den Wagen startete, sahen ihn dann aus der Einfahrt rasen, auf die Straße einbiegen und in der Dämmerung verschwinden.
John fragte: »Alles okay?«
»Ja. Hast du was abgekriegt?«
»Nein, nein.«
Dann kam LuEllen mit dem Wagen angerast, und wir sprangen hinein, und sie fuhr los, die ersten fünfzig Meter schnell, dann langsamer, und schließlich fragte sie: »Das waren doch Pistolenschüsse, oder?«
»Ja«, bestätigte ich. Und unterdrückte ein Zittern, das mir in die Arme und Beine fahren wollte. »Es war Carp. Er ist irgendwo da vorne, in diesem Corolla.«
»Die Schüsse waren nicht besonders laut«, sagte sie. »Wahrscheinlich nur eine 22er.«
»Auch eine 22er kann dir den Arsch wegfetzen«, knurrte John. Dann: »Na ja, vielleicht nur eine Arschbacke.«
Zwei Minuten später waren wir zurück auf der Hauptstraße, schlugen die Richtung zur I-10 ein. An einer Tankstelle sah ich ein Schild Telefon . »Halt da an«, sagte ich zu LuEllen. Seit der Flucht Carps waren rund drei Minuten vergangen.
Ich lief zum Telefon, wählte die Notrufnummer 911, und als sich eine Frau in der Notrufzentrale meldete, schrie ich in die Sprechmuschel: »In der Quittenstraße im Wohnwagenpark in Slidell hat es eine Schießerei gegeben! Ein Mann ist schwer verletzt! Ich muss weg, ich muss weg …«
Die Frau am anderen Ende rief noch: »Warten Sie, warten Sie«, aber ich legte den Hörer auf.
Die meisten Notrufzentralen haben heutzutage eine Anruferkennung, um den Ort eines Notrufs lokalisieren zu können. Wir fuhren also sofort wieder los, reihten uns in den Verkehr ein.
»Was sollte das?«, fragte John.
»Ich hoffe, sie schicken ein paar Streifenwagen los.« Und schon hörten wir das erste Martinshorn, und wir schwiegen erst einmal, als auf der Gegenfahrbahn ein Streifenwagen vorbeiraste. »Ich hoffe, dass das Carp veranlasst, sich weit weg von hier zu verkriechen. Ich hoffe, er glaubt, er
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