Tödlicher Schnappschuss
Schultern.
»Das war ein Attentat
in allerbester Mafia-Manier«, verbesserte Maja sie.
»Möglich, Sie sind
die Spezialistin auf diesem Gebiet.« Dann wurde Alexandra Voosen
blass. »Glauben Sie ernsthaft, ich hätte Kontakte zum
organisierten Verbrechen?«
»Ist das denn
auszuschließen?« Maja beugte sich über ihre
Schreibtischplatte und fixierte Alexandra Voosen mit ihrem Blick.
»Grundsätzlich
nicht, aber ich bin mir keiner Schuld bewusst.«
»Wo waren Sie in der
Nacht, als Christian Vorberg getötet wurde?«
»Ich möchte nicht
darüber sprechen.« Sie schlug die Beine übereinander und
schürzte die Lippen. Strich eine Falte ihres knielangen Rockes glatt
und wich Majas Blicken aus.
»Ich hoffe, Sie sind
sich darüber im Klaren, dass Sie sich dann zur Tatverdächtigen
machen«, erwiderte Maja kühl. Sekundenlang kehrte Schweigen
ein.
»Besitzen Sie
eigentlich eine Waffe?«, unterbrach Maja dann die Stille. Gedämpfter
Verkehrslärm von der Zentralstraße drang durch das geöffnete
Fenster ins Büro.
»Nein.« Kopfschütteln,
wieder eine fahrige Geste, und Maja erkannte, dass Alexandra Voosen log.
»Kommt man in Ihrem
Beruf nicht manchmal in eine gefährliche Situation? Ich könnte
mir denken, dass der eine oder andere Kunde schon mal zudringlich wird und
dass Sie ihn dann im Ernstfall mit einer Waffe auf Distanz halten.«
»Hören Sie«,
ihr Kopf ruckte hoch, und ihre katzen-haften Augen funkelten böse.
»Ich glaube, Sie haben keine Ahnung von meinem Beruf. Meine Kunden
sind reiche und entsprechend intelligente Männer, oft Manager in großen
Unternehmen. Es würde sich sofort herumsprechen, wenn ich einen von
ihnen in einer eindeutigen Situation mit einer Waffe in Schach halten würde,
glauben Sie nicht?« Alexandra Voosen schüttelte den Kopf.
»Nein, das wissen Sie nicht, das können Sie auch gar nicht
wissen. Also werde ich es Ihnen sagen: Ich wäre erledigt. Vergessen
Sie Ihre Waffentheorie!«
»Ich werde überprüfen
lassen, ob Sie im Besitz eines gültigen Waffenscheins sind«, kündigte
Maja unbeeindruckt an. »Sollte das nicht der Fall sein, und wir
finden bei einer Hausdurchsuchung eine meldepflichtige Waffe, haben Sie
ein ziemliches Problem.«
»Sie werden mein Haus
durchsuchen?«
»Das kann ich nicht
ausschließen. Sicherlich hängt das auch davon ob, ob Sie mit
uns kooperieren.«
»Sie drohen mir.«
»Nein, ich sagte nur,
was wir tun werden, wenn wir nicht im Gespräch an die nötigen
Informationen kommen. Also empfehle ich Ihnen, mit uns zusammenzuarbeiten.
Wenn Christian Vorberg tatsächlich ein Freund von Ihnen war, dürfte
Ihnen auch daran gelegen sein, den Mord an ihm aufzuklären.«
»Ich habe nicht gesagt,
dass er ein Freund war.« Alexandra Voosens Stimme klang schrill.
Majas Strategie ging auf.
Befriedigt stellte sie fest, dass sich die Escort-Dame in die Enge
getrieben fühlte. Doch noch wagte sie nicht zu hoffen, dass sie sie
weich gekocht hatte. Mit einem Ruck erhob sie sich und wanderte durch das
Büro. Am Fenster blieb sie stehen und blickte hinab auf die Straße.
Etwas war anders, aber sie wusste nicht, was. Maja wandte sich vom Blick
auf die Zentralstraße ab und lehnte sich an die Fensterbank.
»Dann verraten Sie mir,
in welchem Verhältnis Sie zueinander standen.«
»Wir haben
zusammengearbeitet. Nicht mehr und nicht weniger.«
»Erklären Sie mir
die Zusammenarbeit.« Maja stieß sich von der Fensterbank ab
und setzte die Wanderung durch das Büro fort.
Plötzlich flog die Tür
auf und ein sichtlich aufgeregter Jürgen Grundmann stürmte in
den Raum. Er fuchtelte aufgeregt mit den Händen in der Luft herum.
»Maja, kommst du bitte mal?«
»Ich stecke gerade
mitten im Verhör«, wehrte sie sich.
»Komm schon, es ist
wichtig.«
Maja erhob sich seufzend und
bat Alexandra Voosen um Geduld. »Ich bin gleich wieder da«,
sagte sie, und das Callgirl nickte stumm. Auf dem Korridor angekommen,
herrschte Maja Grundmann an: »Was soll diese Aktion? Erst lässt
du mich mit ihr alleine und haust mitten im Verhör ab, und jetzt
holst du mich auch noch da raus?«
Grundmann ging nicht auf ihre
Vorwürfe ein. »Wir haben Markus Vorberg gefunden«, rief
er aufgebracht. »Er ist tot. Man hat ihn erschossen im Keller seines
Hauses in Holzminden gefunden.«
SIEBZEHN
Am Kiekenstein, Holzminden,
16.25 Uhr
»Es sollte nach Suizid
Weitere Kostenlose Bücher