Two Night Stand
oder?“, Isabelle legte eine Hand auf ihre.
„Nett? Seine Nettigkeit kann er sich irgendwohin stecken! Kaum habe ich mal ein Wochenende nicht für ihn Zeit, da baggert der schon an der nächsten herum. Wirklich – ER IST TOTAL NETT!“, Shonas Stimme triefte vor Hohn.
„Dich hat es ganz schön erwischt“, Isabelle seufzte auf. „Und jetzt?“
„Nichts ‚und jetzt’!“, Shona sah sie böse an, aber es abzustreiten brachte wohl auch nichts mehr, sie hatte nun mal Liebeskummer. „Ich bin dann einfach weggerannt, irgendwann habe ich dann gemerkt, dass ich weder Tasche noch sonst was dabeihatte und bin nach Hause gefahren. Mohammed hat ja den Zweitschlüssel zu meiner Wohnung… Als ich hier oben angekommen bin, hat Tim auf mich gewartet…“, fügte sie dann leiser hinzu.
„Und?“, Isabelle schien den Atem anzuhalten.
„Wir haben kurz geredet, er meint, ich hätte ihn gelinkt, weil ich ihm vorgegaukelt habe, dass ich auch nur Sex wollte. Aber das war ja nicht so, ich… also…“
„Ich habe nie daran geglaubt, dass diese Version stimmt…“
„Doch… also… es hat gestimmt… also zumindest dachte ich das wirklich. Ich weiß auch nicht, wo der Punkt gewesen ist, an dem es sich gedreht hat. Na ja, jedenfalls ist es jetzt auch sowieso egal, er will keine Beziehung, wir sind zu unterschiedlich, blablabla“, Shona zuckte mit den Schultern, aber jetzt konnte sie nicht mehr verhindern, dass die ersten Tränen über ihre Wangen kullerten.
„Och Mensch, Shona“, Isabelle war aufgestanden, jetzt zog sie Shona vom Stuhl hoch und nahm sie fest in ihre Arme. „Willkommen im Club.“
„Ja, jetzt bin ich auch auf die Nase geflogen, ihr könnt euch freuen“, lachte Shona auf. „Und ich habe mir zielsicher das größte Arschloch auf Erden ausgesucht, das muss mir erst mal eine nachmachen.“
„Wieso sollten wir uns freuen? Spinnst du“, Isabelle schob sie von sich. „Es tut mir so leid für dich. Man kann sich halt nicht aussuchen, in wen man sich verknallt.“
„Das glaube ich auch fast“, Shona versuchte ein Lächeln, was ihr aber gründlich misslang.
„Sollen wir uns eine Pizza bestellen?“, schlug Isabelle ihr vor.
Shona horchte in sich hinein, sie verspürte zwar kein Hungergefühl, aber es war wohl besser, etwas zu sich zu nehmen. „Ja, wäre vielleicht nicht schlecht. Ich bezahle aber…“, bestimmte sie, dann wurde es ihr plötzlich heiß und kalt zugleich. „Scheiße, meine Tasche und meine Jacke… das ist doch alles noch in der Bar!“
„Blödsinn“, grinste Isabelle sie an. „Ist alles in meinem Rucksack“, zwinkerte sie ihr zu.
„Danke“, schluckte Shona nur, dann fing sie laut an zu schluchzen. „Was würde ich bloß ohne dich machen?“
„Ach Maus“, Isabelle streichelte Shona über die Wange. „Du hast dir auch so oft schon meinen Kummer angehört, das ist ja wohl Ehrensache.“
„MANN!“, fluchte Tim laut los, er schlug genervt die Augen auf, was war das denn bloß für ein dämlicher Anrufer?
Das Telefon läutete in einer Tour, er hatte versucht, es zu ignorieren, doch der- oder diejenige war echt hartnäckig. Tim nahm ab, drückte dann das Gespräch direkt weg und zog den Stecker aus der Wand. Keine fünf Sekunden später schlug sein Handy Alarm.
Laut fluchend strampelte er die Bettdecke weg, dann schnappte er sich sein Handy. Sein Bruder war dran, Tim nahm sich vor, ihm eine gewaltige Abreibung zu verpassen.
„WAS FÄLLT DIR EIN, hier so einen Telefonterror zu veranstalten ? Bist du irre geworden? “
„Sag du mir lieber mal, wo du steckst!“, kam es vorwurfsvoll zurück. „Es ist zehn vor elf, in zehn Minuten ist der Goldhändler hier!“
„W… was?“, Tim durchzuckte es siedend heiß. Scheiße – war etwa heute schon Montag? Das konnte doch gar nicht sein!
‚Doch, kann es’ , bestätigte ihm sein schlechtes Gewissen. Tim hatte den Sonntag damit verbracht, sich die Kante zu geben, und ganz offenbar hatte er den Wecker nicht gehört oder ihn gar nicht erst gestellt.
„Oh Mann, tut… tut mir leid… ich… ich hab’ verpennt“, stammelte er schuldbewusst.
„Verpennt – na ganz klasse!“, schnaubte Severin durch die Leitung. „Also kann ich das hier alleine machen, oder was?“
„Ich schaffe es nie und nimmer in zehn Minuten. Geh zu Susanne, sie weiß, wo die Unterlagen sind, sie kann dir alles aushändigen, was du brauchst. Ich versuche, so schnell wie möglich da zu sein“, sagte er hastig.
„Bleibt mir wohl nichts
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