Two Night Stand
anderes übrig“, knurrte sein Bruder.
Tim eilte ins Bad, sein Kopf dröhnte und schmerzte, doch darauf konnte er jetzt keine Rücksicht nehmen. Er warf einen Blick in den Spiegel, er sah aus wie der allerletzte Penner. Schnell rasierte er sich und sprang unter die Dusche, er schaffte alles trotz Kopfschmerzen in Rekordzeit, dann warf er noch Tabletten ein und machte sich auf den Weg zum Firmensitz.
‚ Alles wegen dir’ , schimpfte er in Gedanken mit Shona, natürlich, sie kam ihm sofort wieder in den Sinn.
Ein schweres Gefühl machte sich in ihm breit, es schien ihn mit hinunterzuziehen – und es tat höllisch weh. Wenn er daran dachte, dass er sie nie mehr wieder sehen würde, dann nahm ihm das den Atem.
Er wusste, dass das total bescheuert war, denn sie passten nicht zu zusammen, und sie als Paar, das würde niemals funktionieren. Aber je mehr er sich das einhämmerte, desto präsenter wurden die Gedanken an sie.
Er sah sie vor sich, hörte ihre Stimme, nahm den Duft ihrer Haut wahr, es war die pure Folter.
Er vermisste sie einfach.
Tim war seinem Bruder keine große Hilfe, er versuchte zwar, sich zu konzentrieren, doch alles, was er zu dem Gespräch beitrug, war hohles Gestammel und hektisches Suchen in seinen Unterlagen.
Als der Händler weg war, knallte Sev laut die Tür zum Besprechungszimmer zu und baute sich davor auf.
„Kannst du mir jetzt mal verraten, was eigentlich mit dir los ist? Du bist ja total durch den Wind! Und du siehst echt Scheiße aus!“
„Tut mir leid, ich hatte ein beschissenes Wochenende“, versuchte sich Tim rauszureden.
„Muss mich das interessieren? Heute ist MONTAG!“
„Sorry, du hast was gut bei mir…“, Tim setzte eine reumütige Miene auf.
„Und ob ich das habe, denn das war dein Kunde!“, kam es wütend zurück, dann musterte Severin ihn ausgiebig. „Was ist denn los mit dir, kleiner Bruder? So kenne ich dich gar nicht.“
„Ach… es ist… es ist wegen Shona“, presste Tim mühsam heraus. „Wir… also… wir werden uns nicht mehr sehen…“
„Es war doch sowieso nur eine Sexbeziehung, oder?“, Sev kam jetzt auf ihn zu und setzte sich wieder hin. „Warum nimmt dich das denn dann so mit?“
Tim lachte bitter auf. „Das wüsste ich auch gern…“
„Was ist passiert?“, hakte Severin weiter nach, Tim wusste, dass sein Bruder nicht locker lassen würde. Wenn er etwas herauskriegen wollte, dann war er unerbittlich. Er atmete tief durch, dann begann er stockend zu erzählen, was am Samstag in der Bar geschehen war.
„Wow, aber genauso hätte ich sie auch eingeschätzt“, nickte Sev ihm zu. „Du kennst ihr Temperament, du hättest wissen müssen, dass sie zu so etwas fähig ist.“
„Sie hat sich wie eine eifersüchtige Ehefrau aufgespielt. Und sie hat etwas nach mir geworfen!“
„Ja, das hast du mir ja gerade eben erzählt. Aber sie hat dich nicht getroffen, also heul mal hier nicht herum. Shona liebt dich – und du liebst sie. Jetzt komm mir nicht wieder mit dem Scheiß von wegen ‚nur Sex’, das habe ich eh nie geglaubt. Die Frage ist jetzt doch nur: Schafft ihr beide das, es irgendwie als Paar hinzukriegen?“
„Nein, die Frage stellt sich nicht“, antwortete Tim leise. „Denn ich bin danach zu ihr in die Wohnung und habe es beendet. Es ist aus, wir sehen uns nicht wieder.“
Sev sah ihn fassungslos an. „Du bist noch bescheuerter, als ich dachte… Mann, Tim: So eine Frau findest du doch nie wieder!“
„Sie ist gewöhnlich, und sie ist viel zu impulsiv. Sie macht nur das, was sie will, und sie will immer ihren Kopf durchsetzen. Sie ist unberechenbar und… es ist viel zu heikel, sich mit ihr zu zeigen…“
„Aber sie ist die Frau, in die du total verschossen bist“, grinste sein Bruder ihn an.
„Scheiße…“, flüsterte Tim leise. „Ja…“
„Dann lass dir mal was einfallen, wie du sie rumkriegst. Ich könnte mir vorstellen, dass das alles andere als leicht ist“, fuhr Severin ungerührt fort.
„Darauf kannst du deinen Arsch verwetten“, stimmte Tim ihm zu. „Aber eine Beziehung… zu ihr… ich weiß nicht, wie das gehen soll…“
„Du kannst es nur wissen, wenn du es probierst. Aber erst mal gilt es, Shona wieder zu besänftigen und dazu zu bringen, dass sie es auch riskieren möchte. Ich wünsche dir viel Erfolg“, Sev klopfte ihm auf die Schulter. „Schadet dir gar nichts, dass du dich auch mal ins Zeug legen musst.“
„Danke für deine Schadenfreude!“
„Nichts zu danken“,
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