Verrat der Welten - Niven, L: Verrat der Welten - Betrayer of Worlds
selbst eindringlich genug daran erinnern, dass nun alle Frachträume gereinigt waren. Schon bald würde die Klimaanlage auch den letzten Rest Gestank aus den Gängen und Kabinen vertreiben. Dann würde man Schotts einziehen. Man würde angemessene Unterkünfte, Büroräume und Audienzzimmer einrichten. Und wenn das Schiff erst einmal umgebaut wäre, dann, ja, dann wäre es des zukünftigen Hintersten würdig!
Niemand würde auch nur wagen, sich an die bescheidene Herkunft von Achilles’ Kommandoschiff zu erinnern.
Aus einer Tasche der Schärpe, die an der Luke der Kabine hing: ein leises Klingeln. Achilles erhob sich von seinem Kissenstapel und griff nach seiner Komm-Einheit. Seine Mähne war vom Schlaf noch ganz zerzaust, und so antwortete er im Nur-Audio-Modus. »Ja?«
»Ich bitte um Verzeihung, Exzellenz«, hörte er Clothos Stimme. »Sie haben eine dringende Nachricht von Jm’ho erhalten.«
»Übertragen Sie die Nachricht auf mein Komm!«
»Jawohl, Exzellenz.« Eine kurze Pause. »Übertragung abgeschlossen.«
Nur ein einziges Wesen auf ganz Jm’ho kannte die Codes und die erforderliche Sequenz von Hyperwellenrelais, über die man Achilles erreichen konnte. Das war der örtliche Repräsentant von General Products bei den Gw’oth: Thalia, viele Jahre lang ein Kundschafter, dem Nike voll und ganz vertraute.
Was sehr töricht war. Thalia gehörte zu Achilles’ hingebungsvollsten Anhängern.
»Nachricht abspielen«, befahl Achilles, und ein Hologramm flammte auf.
Thalia war schon immer auffallend schlank gewesen. Aber auf diesem Holo wirkte er geradezu ausgemergelt. Sein Fell hatte überhaupt keinen Glanz mehr; die Mähne war zwar säuberlich gekämmt, hing aber kraftlos und müde an ihm herunter. Ein einsamer, einzelner Bürger auf einer ganzen Welt von Fremdweltlern, Lichtjahre von der Herde entfernt ... Achilles kannte das Gefühl. Er hatte es selbst schon durchlebt. Einfach war das nie.
Doch Thalias Augen leuchteten .
»Exzellenz«, begann Thalia, und in seinen Stimmen schwang unbestreitbar Stolz mit, »Kriegsschiffe sind von der Tn’ho-Nation und den ihr tributpflichtigen Nationen aus gestartet.« In einer Ecke des Bildes öffnete sich ein zusätzlich eingefügtes Video: eine Zeitrafferaufnahme von Schiffen, die von Jm’ho aus in den interstellaren Raum aufbrachen. »Auch als die Flotte die Reichweite meiner Neutrino-Sensoren verließ, beschleunigte sie noch.«
Jenseits der Sensorreichweite hieß, dass sich die Schiffe der Gw’oth weit jenseits der Singularität ihres Heimatsystems befanden. Dass sie immer noch beschleunigten, verriet Achilles, dass sie die Absicht hatten, in den Hyperraum einzutreten – und ihn natürlich später auch wieder zu verlassen –, und das mit einer Geschwindigkeit, die für einen kinetischen Angriff ausreichte. Offenkundig hatte der Hinterste dieser Flotte die Geduld mit den aufrührerischen Kolonisten verloren.
Genau wie geplant.
Was die Pläne für Jm’ho selbst anging, sprach Thalia mit seinem letzten Satz an: »Ich erwarte nun den Befehl Eurer Exzellenz, das Retrovirus freizusetzen.«
Achilles schaute sich die Nachricht noch zweimal in Folge an. Es hatte lange gedauert, bis es endlich vollbracht gewesen war. Den endgültigen Erfolg aber hielt Achilles noch nicht ganz in den Mündern. Zuvor musste er noch die Rede seines Lebens halten.
Der Lagerraum, der nun als Aufnahmestudio diente, war klaustrophobisch eng. Doch niemand, der diese Aufzeichnung zu sehen bekäme, würde nackte Wände und räumliche Enge entdecken können. Achilles rief sich das nicht zum ersten Mal ins Gedächtnis zurück. Er selbst hatte den virtuellen Hintergrund ausgewählt, vor dem er erscheinen würde: ein repräsentativer Saal, prächtig möbliert, der Boden mit saftigem Weidegras bedeckt, die Beleuchtung indirekt und dezent. Es war genau die Art Büro, wie ein Hinterster es nutzen würde.
Und er, Achilles – die Mähne geflochten und mit Juwelen geschmückt, das Fell so lange gestriegelt, bis es glänzte, die Hufe poliert, bis sie blitzten –, würde wirken wie ein Hinterster.
»Wir sind so weit, Exzellenz«, sagte ein Helfer hinter der Kamera.
Achilles atmete tief durch, und dann begann er, die Hälse gereckt.
»Mitbürger, die Konkordanz sieht sich einer beispiellosen Gefahr gegenüber. Dergleichen zu behaupten scheint vermessen. Denn die vergangenen Jahre haben uns manche Gefahr gebracht. Die Kettenreaktion im galaktischen Zentrum und unsere Flucht ins Ungewisse. Die
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