Waffenschwestern
wir die Übertra—
gungsurkunden in fünf Tagen bereit haben…«
Esmay hatte schon die Ablegezeiten für zivile Fahrgastschiffe nachgeschlagen. »Sirs, das nächste Schiff geht in fünf Tagen und das übernächste erst in weiteren zwanzig. Ich bin sicher, dass sie alles in vier Tagen bereit haben können, wenn Ihnen die Kooperation und die Ressourcen dieses Hauses zur Verfügung stehen.«
»Das wird kaum möglich sein«, sagte einer der Anwälte, aber der Richter gab ihm mit einem Wink zu verstehen, dass er den Mund halten sollte.
»Sie haben Altiplano durch Ihre Taten längst Ehre gemacht, Sera; für Sie ist es möglich. Nicht einfach, aber möglich.«
»Meinen ewigen Dank, und ich weise den Haushalt an, Sie zu unterstützen.«
Am letzten der vier Tage bat Esmay, nachdem sie das letzte Papier unterzeichnet hatte, ihren Vater in die Bibliothek, auf den Schauplatz ihrer früheren Auseinandersetzung. Diesmal jedoch verbannte sie das und bat ihn um Rat. Mit der gleichen Präzision 434
und Organisation, mit der sie jemandem ein militärisches Problem erläutert haben könnte, erklärte sie ihm, womit sie sich konfrontiert sah. »Du siehst also, dass ich weit davon entfernt bin, unserem Haus Ehre zu machen; viel eher bin ich eine Schande«, sagte sie. »Hier kann ich das aber nicht ändern – und falls ich hier bliebe…«
»Ich verstehe«, sagte er und nickte scharf. »Du machst
unserem Haus und Altiplano Ehre, Esmaya; in meinen Augen bist du niemals eine Schande. Aber ich stimme dir zu: Um deinetwillen musst du deinen Namen reinwaschen. Falls es dir nicht gelingt, bist du hier immer willkommen, und du darfst deine Landbrautstätte nicht aufgeben, bis das vorüber ist. Ob du stehst oder fällst, du wirst es als die Landbraut Suiza tun.«
Sie hatte beinahe gefürchtet, er könnte von ihr verlangen, das aufzugeben; ihre Augen wurden nass.
»Was die Tochter des Sprechers angeht – in diesem Punkt hast du falsch gehandelt und weißt es ja selbst. Ihre Unhöflichkeit entschuldigt deine nicht. Aber deine Gründe dafür, keinen Anspruch auf die Zuneigung dieses Mannes zu erheben, klingen für mich sinnvoll, wenn auch vielleicht nicht für Menschen mit einem anderen Lebensstil. Trotzdem – sie werden es dir nicht vorhalten, falls du beweisen kannst, dass du Brun nicht übel willst, und falls du es auch ihr beweisen kannst, wenn und falls sie gerettet worden ist. Was diesen Mann angeht – sogar ich habe von den Serranos gehört. Eine bemerkenswerte Familie, die gut zu unserem Haus passt. Du hast bestimmt Freunde gewonnen, Esmaya, und jetzt ist die Zeit, sich an sie zu wenden.«
»Ich soll sie ansprechen?«
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»Ja. Wenn du angegriffen wirst, suche dir Verbündete – du kannst nicht allein gegen die ganze Flotte kämpfen, und wenn Menschen Lügen über dich verbreiten, brauchst du andere, die es nicht tun. Falls du nichts sagst und ihnen nur aus dem Weg gehst, können sie leichter an diese Lügen glauben.« Seine Stimme wurde heiser. »Danke, Tochter, für deine große Höflichkeit, mich ins Vertrauen zu ziehen … ich habe mich immer um dich gesorgt.«
»Ich weiß.« Sie wusste es wirklich, und sie wusste auch, dass es nicht genug gewesen war – aber es war alles, was er ihr zu geben hatte. Bitterkeit spülte ein letztes Mal über sie hinweg und versickerte dann.
Die Ratschläge der Familie in den Ohren und mit mehr
finanziellen Mitteln als je zuvor entschied sich Esmay, die schnellste Verbindung zu buchen, die sie nur fand. Zivile Expressschiffe waren fast so schnell wie Flottenschiffe und folgten einem zuverlässigeren Flugplan – sie riskierte dort nicht, dass man ihr erklärte, es gäbe keinen Platz mehr, wenn sie ihre Tickets erster Klasse vorzeigte. Sie war noch nie auf diesem Wege gereist. In ihrer Kabine mit Zugang zu erstklassigen Sport-und Unterhaltungseinrichtungen dachte sie an Brun, die in der Überzeugung aufgewachsen war, solcher Luxus wäre normal.
Falls Gefangenschaft und Misshandlungen schon für eine
normale Person schlimm waren, wie musste es für ein Mädchen sein, das im Luxus geschwelgt hatte und jeder Laune hatte nachgeben können? Wie konnte sie den Schock verkraften? Sie hatte am E&A-Kurs teilgenommen, sicher, aber Esmay bezweifelte, dass Brun die Lektionen über Nicht-Widerstand 436
und passiven Widerstand ernst genommen hatte. Brun hatte nicht die Gewohnheit entwickelt, durch Passivität zu überleben.
Sie hatte keine Erfahrung damit, zum Schweigen gebracht zu werden,
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