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Waffenschwestern

Waffenschwestern

Titel: Waffenschwestern Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Elizabeth Moon
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gekümmert, und dann bin ich gleich zurückgekehrt.«
    »Sie konnten es einfach nicht gut sein lassen, was? Denken Sie, Sie könnten sich schadenfroh an der Tochter des Sprechers weiden, falls es uns gelingt, sie herauszuholen?«
    »Nein, Sir.« Esmay schaffte es, einen ruhigen Ton zu wahren.
    »Schadenfreude war nie meine Absicht.«
    »Sie sind nicht der Meinung, dass sie verdient hat, was sie bekam? Ich habe anderes gehört.«
    »Sir, ich habe weder gesagt noch gedacht, dass Brun es
    verdient hätte, entführt und vergewaltigt zu werden.«
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    »Ich verstehe. Sie sagten allerdings, sie wäre es nicht wert, ihretwegen in den Krieg zu ziehen.«
    »Sir, ich sagte, dass niemand wegen einer Person einen Krieg führt, nicht, dass sie es nicht wert wäre. Das Gleiche haben andere auch gesagt.«
    Der Admiral gab einen Laut von sich, der irgendwo zwischen Grunzen und Knurren lag. »Das kann sein, Lieutenant, aber die Tatsache bleibt bestehen: Den Unterlagen zufolge haben Sie gesagt, dass Sera Meager keinen Krieg wert ist.«
    Ehe sie Antwort geben konnte – falls ihr überhaupt eine eingefallen wäre –, wandte sich der Admiral ab. So viel zu der Idee, sich Bundesgenossen zu suchen. Ihr fiel nichts ein, was sie hätte sagen können, um ihn umzustimmen.
     
    Esmay hatte nie wirklich über die Menschen nachgedacht, die sich vielleicht über ihren Erfolg ärgerten oder neidisch auf sie waren. Der erste Triumph war ihr so zerbrechlich erschienen; sie hatte nicht geplant, die ranghöchste Überlebende einer Meuterei zu sein, und ihr Kampf, das Schiff zurück nach Xavier zu führen und Commander Serrano zu helfen, war ein
    verzweifelter Kampf gewesen und einer, den zu gewinnen sie nicht erwartet halte – nicht mal im letzten Augenblick. Wie konnte ihr irgendjemand grollen, wo es doch eindeutig mehr Glück als Können gewesen war? Was die Koskiusko- Affäre anging … Wiederum war es schieres Glück gewesen, dass sie zur Stelle war und nicht wie Barin von den Eindringlingen der Bluthorde gefangen genommen wurde.
    Aber wenn sie jetzt darüber nachdachte, wurde ihr klar, dass die Altersgenossen es gewöhnt gewesen waren, sie als Unperson 456
    zu betrachten, die keine Gefahr für die eigenen Karrierepläne darstellte. Sie hatten glaubhaftere Rivalen schärfer ins Auge gefasst. Dass Esmays Erfolg so unvermittelt eingetreten war musste sie in den Augen anderer – die geneigt waren, so zu denken – noch gefährlicher erscheinen lassen, als sie eigentlich war. In der Folge zweifelten sie Esmays wirkliche Fähigkeiten entweder an oder fürchteten sie.
    Also hatte sie … vielleicht Feinde in der Flotte. Jedenfalls Konkurrenten. Manche wollten sie sicher daran hindern, ihre Ziele zu erreichen; andere wollten sich sicher im eigenen Interesse an ihre Rockschöße hängen.
    Als sie darüber erst mal nachgedacht hatte, kam es ihr töricht vor, dass sie sich das nicht früher überlegt hatte. Wie andere Menschen mit ihr in Beziehung getreten waren, ohne ihre Gedanken und Gefühle zu kennen –nur den stillen, förmlichen, nicht von Ehrgeiz bewegten Lieutenant Suiza vor Augen –, so war Esmay ihrerseits mit anderen umgegangen, ohne deren Motivation und Ziele zu kennen oder sich viel daraus zu machen. Sie hatte sich natürlich dafür interessiert, was die Vorgesetzten von ihrer Leistung hielten … Sie hielt inne und dachte über dieses »Natürlich« nach, um es dann für spätere Erwägung zur Seite zu schieben. Das Problem bestand darin, dass sie bis vor kurzem nur neben anderen Menschen hergelebt hatte, ohne sich ihrer bewusst zu sein, außer wenn ein Kontakt nötig wurde. Also hatte sie keine Ahnung, wer sie als Rivalin betrachtete und wer ein potenzieller Freund war. Außer im Fall Barins.
    Als sie in dem ihr zugewiesenen Quartier eintraf, hing sie immer noch diesen Gedanken nach. Sie hatte gerade die
    Reisetasche ausgepackt und schlug Stichworte im Würfelleser 457
    nach, als die Türklingel ging. Als sie öffnete, sah sie sich einer ältlichen Frau gegenüber, die sie noch nie im Leben gesehen hatte, einer Zivilistin, die das Selbstvertrauen eines Admirals ausstrahlte – oder das einer sehr reichen und mächtigen Person.
    »Sie sehen gar nicht aus wie eine verzweifelte Intrigantin«, sagte die alte Frau. Ihr nachtschwarzes Haar war von Silber durchzogen und zu einer Sturmwolke aufgetürmt, und mit ihrem fließenden Kleid aus leuchtenden Farben wirkte sie wie eine Legendengestalt. Wie Oma Eule oder die Mondmagierin oder etwas in

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