Waffenschwestern
Hause gekommen war, übernahm es Jed selbst, Mitch zu finden. Er gab gern Befehle, dieser Jed, und Prima wusste, dass es seinen Ehrgeiz noch nicht befriedigte, der Bruder eines Rangers zu sein. Er wünschte sich selbst diesen Stern, und Mitch erblickte darin keine Gefahr.
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Und dann kam Mitch nach Hause, wütend darüber, dass
Prima das Mädchen nicht besser beaufsichtigt hatte; wie es schien, war auch die Frau aus dem Kinderhort an der Crockett Street verschwunden, die man damals zusammen mit Patience gefangen genommen hatte. Mitch rief die älteren Jungen zusammen, und alle machten sich auf die Suche; er schickte auch nach dem Pastor, damit er Prima und den übrigen Frauen den ganzen Nachmittag lang predigte.
Das war mehr als nur lästig; eigentlich war Backtag, und sie mussten den aufgehenden Teig vergessen und schweigsam aufgereiht zuhören, wie Pastor Wells ihnen ihre Faulheit und Sündigkeit vorhielt. Prima hielt respektvoll den Blick gesenkt, aber sie fand doch, dass es eine Schande und ein Ärgernis war, wenn man hart arbeitende Frauen an der Arbeit hinderte und zwang, sich anzuhören, wie ihnen jemand Faulheit vorwarf. Und Wells erging sich unaufhörlich darüber, dass ihre Sünden auf die Kinder abfärbten. Prima hatte Schwierigkeiten mit diesem Teil der Lehre: Falls ihre Fehler, egal wie sehr sie sich bemühte, den armen Sammie zum Krüppel und Simplicity dumm gemacht hatten, wie konnte dann diese Ausländerfrau – die nach einem Leben in Sünde und Lästerung hier eingetroffen war –so schöne und gesunde Kinder gebären?
Mitch kam an diesem Abend spät nach Hause und hatte von Patience weder etwas gesehen noch gehört… vermutlich auch nicht von der anderen Frau, der gelbhaarigen. Prima hätte gern nach den Babys der Gelbhaarigen gefragt, wusste es aber besser.
Mitch war nicht in Stimmung, um sich irgendeine Dreistigkeit bieten zu lassen, sei es auch von ihr. Sie brachte das Haus in Ordnung und wartete an der Tür der Frauen, aber er kam nicht zu ihr. Früh am nächsten Morgen hörte sie, wie er das Haus 626
verließ; als sie ihm nachblickte, sah sie Jed in seiner Begleitung.
Sie hatte kaum geschlafen. Sie hörte das Tosen des Shuttles, als es vom Raumhafen startete, und einige Zeit später den Lärm einer zweiten und einer dritten Maschine.
Ein paar Stunden später lockte ein Tumult im Quartier der Jungen sie zu dessen Tür. Sie hörte, wie der Hauslehrer die Jungen anbrüllte, damit sie wieder Ruhe gaben … und dann fegte Randy, Tertias jüngster Sohn, mit klappernden Sandalen zur Tür heraus.
»Daddy ist tot!«, schrie er aus Leibeskräften. Prima hielt ihn fest. »Lass mich los! Lass mich los!« Er ruderte mit beiden Armen, um sich von ihr zu befreien.
Der Lehrer folgte ihm auf den Fersen. »Prima – setz ihn ab.«
Der Lehrer war zwar ein Mann, aber er war nicht Mitch, und sie wagte es, ihm ins Gesicht zu blicken, das weiß wie Molke war. »Was ist los?«, fragte sie.
»Dieses Gräuel«, stieß er zwischen zusammengebissenen
Zähnen hervor. »Sie hat ein Shuttle gestohlen und zu fliehen versucht. Ranger Bowie und andere haben sie verfolgt; es ist zu einem…« Licht stach zu den Fenstern herein, ein kurzer erschreckender blauweißer Blitz. Prima wirbelte herum und spürte plötzlich, dass ihr das Herz kräftig an die Rippen klopfte.
Der Lehrer hatte das Fenster geöffnet und blickte forschend hinaus und zum Himmel hinauf. Prima folgte ihm. Draußen waren die Autos kreuz und quer stehen geblieben, und Männer blickten in den Himmel. Prima riskierte einen Blick hinauf und sah nur blaue Flecken zwischen weißen Wolken. Normal.
Ungefährlich.
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»Ich möchte die Nachrichten sehen«, sagte sie zu dem Lehrer und betrat das Jungenquartier des Hauses, ohne auf seine Erlaubnis zuwarten.
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Kapitel
dreiundzwanzig
In den Nachrichten sah sie zwei aufgeregte Männer, die ins Aufnahmegerät brüllten. Prima verstand sie kaum. Flucht, Verfolgung, Invasion … Invasion? Wer konnte das sein? Und warum? Mobilisierung, sagte einer der Männer.
»Was ist los?«, fragte sie erneut. Die älteren Jungen griffen schon nach ihren Pistolenkästen.
»Es ist das Ende der Welt«, behauptete einer. Daniel, glaubte sie. Secundas Dritter.
»Sei nicht albern!«, erwiderte ein anderer. »Es sind die Heiden, die uns ihre schmutzige Lebensweise aufzwingen möchten.«
»Warum?«, wollte Prima wissen. Ihr ganzes Leben lang hatte noch nie jemand Unser Texas belästigt, und sie konnte sich keinen
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