Wallander 08 - Die Brandmauer
damit?«
»Daß eine der Institutionen, die sich hinter den Codes hier in diesem Rechner verbergen, die Weltbank ist. Wenn ich das Ganze richtig verstehe, ist es eine Abteilung, die sich mit einer Art von globaler Finanzinspektion beschäftigt.«
»Das Pentagon und die Weltbank«, sagte Wallander. »Nicht gerade kleine Fische.«
»Ich glaube, es ist Zeit für eine Konferenzschaltung«, sagte Modin. »Ich muß meine Freunde um Rat fragen. Ich habe sie gebeten, sich bereitzuhalten.«
»Wo sind sie denn?«
|371| »Einer wohnt bei Rättvik. Der zweite in Kalifornien.«
Wallander begann einzusehen, daß sie jetzt ernsthaft Kontakt mit den Computerspezialisten des Reichskrim aufnehmen mußten. Er stellte sich mit unguten Gefühlen vor, welche Probleme auf ihn zukamen. Er brauchte sich keine Illusionen zu machen. Die Kritik daran, daß er Modin hinzugezogen hatte, würde überwältigend sein. Auch wenn an Modins Kompetenz nicht zu zweifeln war.
Während Modin mit seinen Freunden kommunizierte, ging Wallander im Raum auf und ab. Er dachte an Jonas Landahl, der tot auf dem Grund einer Fähre gelegen hatte. An Sonja Hökbergs verbrannten Körper. Und dieses eigentümliche Büro am Runnerströms Torg, in dem er sich gerade befand. Außerdem nagte die Befürchtung an ihm, er könnte sich auf einem vollkommen falschen Weg befinden. Sein Auftrag war es, die Arbeit der Ermittlungsgruppe zu leiten. Dieser Aufgabe fühlte er sich nicht mehr gewachsen. Und zudem noch das Gefühl, daß seine Kollegen begonnen hatten, ihm nicht mehr zu trauen. Vielleicht betraf das nicht nur die Frage, was wirklich in dem Vernehmungszimmer geschehen war, als er Eva Persson eine Ohrfeige gegeben hatte und ein Fotograf sich in unmittelbarer Nähe aufhielt. Möglicherweise redeten sie hinter seinem Rücken darüber, daß er nicht mehr richtig mithielt? Daß es vielleicht an der Zeit war, Martinsson die Ermittlungen leiten zu lassen, wenn sie schwere Verbrechen aufzuklären hatten.
Er war verletzt und empfand Selbstmitleid. Aber gleichzeitig erwachte sein Zorn. So leicht würde er sich nicht geschlagen geben. Außerdem hatte er keinen Sudan, wo er ein neues Leben anfangen konnte. Er hatte auch keinen Reiterhof zu verkaufen. Seine Zukunftsaussicht war eine ziemlich magere Pension.
Das Klappern hinter ihm hatte aufgehört. Modin war aufgestanden und streckte sich. »Ich habe Hunger«, sagte er.
»Was haben deine Freunde gesagt?«
»Wir haben eine Denkpause von einer Stunde eingelegt. Danach reden wir weiter.«
Wallander war selbst hungrig. Er schlug vor, eine Pizza essen zu gehen. Modin wirkte fast gekränkt bei diesem Vorschlag.
»Ich esse nie Pizza. Das ist ungesund.«
|372| »Was ißt du denn?«
»Sprossen und Keimlinge.«
»Sonst nichts?«
»Eier mit Essig sind auch nicht schlecht.«
Wallander fragte sich, welches Restaurant in Ystad wohl eine Speisekarte bieten könnte, die Robert Modin zusagte. Er bezweifelte, daß überhaupt eins existierte.
Modin schaute in seine Plastiktüten mit mitgebrachtem Essen, die auf dem Fußboden standen. Nichts schien ihn im Moment zu reizen.
»Ein gewöhnlicher Salat tut es auch«, sagte er. »Zur Not.«
Sie gingen aus dem Haus. Wallander fragte, ob Modin die paar Blöcke bis ins Zentrum fahren wolle. Aber er zog es vor, zu Fuß zu gehen. Die zivilen Beamten standen an ihrem Platz.
»Ich frage mich, worauf die warten«, sagte Modin, als sie den Wagen passiert hatten.
»Das kann man sich allerdings fragen«, gab Wallander zurück.
Sie gingen zu der einzigen Salatbar, die Wallander in Ystad kannte. Wallander aß mit großem Appetit. Robert Modin dagegen untersuchte genau jedes Salatblatt und jedes Stück Gemüse, bevor er es in den Mund steckte. Wallander hatte noch nie einen Menschen gesehen, der so langsam kaute.
»Du bist vorsichtig mit dem Essen«, sagte Wallander.
»Ich will den Kopf freihalten«, erwiderte Modin.
Und den Arsch sauber, dachte Wallander gehässig. Damit muß ich mich meistens abgeben.
Während des Essens versuchte Wallander, ein Gespräch mit Modin zu führen, bekam aber nur einsilbige Antworten. Modin war mit seinen Gedanken immer noch bei den Ziffernschwärmen und den Geheimnissen in Falks Rechner.
Kurz vor sieben waren sie wieder am Runnerströms Torg. Martinsson war noch nicht zurückgekommen. Modin setzte sich, um die Gespräche mit seinen Freunden in Dalarna und Kalifornien wiederaufzunehmen. Wallander stellte sich vor, daß sie genauso aussahen wie der Junge neben
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