Wanderungen durch die Mark Brandenburg
diese Son-
derbarkeit des hohen Herrn und richtete deshalb
folgendes Schreiben an ihn: »Guten Tag, Herr Mark-
graf. Eure Büchse ist fertig. Schickt Ihr mir Geld, so
schick ich Euch die Büchse. Schickt Ihr mir das Geld
nicht , so schick ich auch die Büchse nicht. Hiermit Gott befohlen.«
Er war von Kopf zu Fuß ein Finanz- und Börsenmann
und lieh Geld auf Zinsen. Niedere und hohe, je nach-
dem. Innerhalb seines eigenen Landes wurd er dabei
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sehr wahrscheinlich von der nicht unlöblichen Absicht
geleitet, Bedrängten Hülfe zu leisten, ohne geradezu
schenken zu müssen, nach außen hin aber fielen
diese Rücksichtsnahmen fort und entschied nichts als
der eigene Vorteil. Und diesem Vorteile hing er der-
art energisch nach, daß es ihn unter Umständen
nicht kümmerte, mit seinen sonstigen Rechtsan-
schauungen in den sichtlichsten Widerspruch zu ge-
raten. Auch darin ganz wie Friedrich Wilhelm I., der
kein furchtbareres Verbrechen kannte als Desertion
und dennoch seine Werber beständig anhielt, in
fremden Ländern dazu zu verführen. Alles nur um
seiner dominierenden Leidenschaft, der Leidenschaft
für große Soldaten, ein Genüge zu tun. Markgraf
Hans, in sehr ähnlicher Weise, verpflichtete sich,
wenn auch unter gewissen Reservationen, gegen ein
Jahrgehalt von 5000 Talern in Philipps II. und des
katholischen Spaniens Dienste zu treten. Seine dominierende Leidenschaft: der Hang nach dem Gelde , war eben stärker als sein Protestantismus.
Am häßlichsten erwies sich diese seine Leidenschaft
in seinem Verhältnisse zum Johanniterorden, weil sie
sich in diesem speziellen Falle bis zu Rachsucht und
Grausamkeit steigerte. Es ist unerläßlich, bei diesen
Vorgängen, deren Opfer der Herrenmeister Franz
Neumann und sein Anhang war, einen Augenblick zu
verweilen.
Franz Neumann war Ende des fünfzehnten Jahrhun-
derts zu Sagan in Schlesien geboren. Er kam nach
Krossen, wurde Rektor daselbst und wußte, bei Ge-
legenheit eines festlichen Redeakts, den Markgrafen
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durch glänzende Beredsamkeit derartig hinzureißen,
daß er ihn nicht nur zu seinem Küstriner Rat und
Kanzler ernannte, sondern auch seine Wahl und Er-
nennung zum Herrenmeister des hochadeligen Jo-
hanniterordens durchsetzte. Eine hohe Stellung, die
nie vorher von einem Bürgerlichen bekleidet worden
war. Und so läßt sich denn mit einer an Gewißheit
grenzenden Wahrscheinlichkeit annehmen, daß all
dies nur auf bestimmte Versprechungen hin erfolgte, die zu halten der kaum ernannte Herrenmeister sofort ein Widerstreben zeigte. Die Herausgabe von
Ordensländereien, vielleicht auch viel anderes noch,
unterblieb und führte schließlich, bei fortgesetzter
Weigerung, zu einer allerheftigsten Erzürnung des
Markgrafen. Er begann, dem Herrenmeister – in dem
er vielleicht eine bloße Kreatur, gewiß einen durch
Amts- und Lehnseid an sich geketteten Diener sah –
nach Freiheit und Leben zu trachten, und ließ ihn bei
sich bald darbietender Gelegenheit durch einige sei-
ner Mannschaften aufheben und auf das Sonnenbur-
ger Schloß bringen. Hier gedachte er ihn seine Rache
fühlen zu lassen. Als es aber dem kaum gefänglich
Eingebrachten glückte, seine Flucht zu bewerkstelli-
gen, richtete sich des Markgrafen Zorn gegen alle
diejenigen, die sich zwischen ihn und den angeblich
Schuldigen gestellt hatten. Zunächst gegen den Son-
nenburger Schloßhauptmann von Winning. Dieser
wurde angeklagt, die Flucht begünstigt zu haben,
und als von Winning leugnete, ward er auf die Folter
gelegt, an deren Folgen er starb. Aber des erzürnten
Markgrafen Rachegelüst ging weiter, und als ihm
bald darauf die Meldung kam, daß Christoph von
Döberitz, ein Schwiegersohn Franz Neumanns, harte
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Worte gegen ihn gebraucht habe, ließ er demselben
den Prozeß machen und ihn hinrichten. Dies das Tat-
sächliche. Zeitgenössische Geschichtschreiber haben
auch hier die Handlungsweise des Markgrafen erklä-
ren beziehungsweise entschuldigen wollen, einige,
weil der Wortbruch seines ehemaligen Kanzlers und Günstlings, andere, weil die landesverräterischen
Umtriebe desselben (Auslieferung von Ordensbesitz
an den Kaiser) ihn aufs äußerste gereizt hätten, aber was immer auch die Schuld Franz Neumanns selbst,
eines mutmaßlich zweideutigen Mannes, gewesen
sein möge, die Tortur des von Winning und die Hin-
richtung des von Döberitz werden schwerlich jemals
gerechtfertigt werden können. Der Groll,
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