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Wanderungen durch die Mark Brandenburg

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Titel: Wanderungen durch die Mark Brandenburg Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Theodor Fontane
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ritt dieser heim
    und ließ den Sattel mitsamt dem Bartenspieß in sei-
    nem Marstall aufbewahren.
    Er kam, wie die meisten unserer früheren Hohenzol-
    lern, nicht hoch zu Jahren. Allerlei Krankheit trübte
    seinen Ausgang, und ein offener Wundschaden am
    Fuß, den er gegen den Rat seiner Ärzte zuheilen ließ,

    1259
    verschlimmerte seine Leiden. Er suchte Heilung, erst
    in Hirschberg, dann in Karlsbad, und an letzterem
    Orte war es, daß noch viele Jahre später ein Stein
    mit der Inschrift »Markgraf Hans von Küstrin« ge-
    zeigt wurde. Aber alle diese Quellen verschafften ihm
    kaum Linderung, geschweige Besserung, und als er
    in der ersten Januarwoche 1571 die Nachricht emp-
    fing, daß sein Bruder, der Kurfürst, auf seinem Jagd-
    schlosse zu Köpenick plötzlich gestorben sei, mochte
    er das Herannahen seines eigenen Endes fühlen.
    Eine Ohnmacht überfiel ihn, und als er aus ihr er-
    wachte, ließ er seinen Hofprediger und Generalsu-
    perintendenten Dr. Cölestinus zu sich rufen. Dieser
    kam und setzte sich mit an den Tisch, auf dem Spei-
    sen aufgetragen waren, und als das Gebet gespro-
    chen, sagte der Markgraf: »Hilf Gott! Wie arme Leute
    sind wir! Wär ich doch schier in einer Ohnmacht da-
    hingegangen. Ach, was ist das Leben. Dolor et labor.
    Lieber Gott, gib, daß wir seliglich sterben.«
    Das war am 12. Januar. Die Nacht darauf schied er
    aus dieser Zeitlichkeit. Schon fünfzehn Jahre vorher
    hatte er sich unter dem Marmoraltar seiner Küstriner
    Schloßkirche ein Grabgewölbe herrichten und dem-
    selben auch eine Inschrift geben lassen. Und zwar
    standen an einer in die Wand eingelassenen Mes-
    singtafel die folgenden Worte: »Johannes, Markgraf
    zu Brandenburg, ein Sohn Markgraf Joachims I., Kur-
    fürsten zu Brandenburg, hat durch Gottes Vorsehung
    im Jahre 1536 angefangen, die reine Lehre des E-
    vangelii und Wortes Gottes, inhalts Augsburgischer
    Konfession, nach prophetischer und apostolischer
    Schrift allhier zu Küstrin öffentlich lehren zu lassen, 1260
    und ist in solchem Bekenntnis, Er und die Seinigen,
    aus Gnaden des Allmächtigen beständig geblieben.
    Solus spes mea Christus.«
    In dieser Gruft wurde Markgraf Hans in feierlicher
    Weise beigesetzt, und die Chronisten geben eine
    Beschreibung davon, nicht viel kürzer als die Be-
    schreibung seines Lebens. Er war ohne männliche
    Deszendenz gestorben, und so fiel die Neumark,
    nach einer verhältnismäßig kurzen Trennung von der
    Kurmark, wieder an diese zurück.
    Es erübrigt uns noch ein Blick auf seinen Charakter,
    den anzudeuten schon die vorstehende Schilderung
    seines äußeren Lebensganges Gelegenheit bot, wes-
    halb einige Aussprüche sich an dieser Stelle wieder-
    holen werden. Er war klug und scharfblickend, ein
    Mann der Ordnung und des Gesetzes, ein glänzender
    Haushalter und ein unermüdlicher Begründer eige-
    nen und fremden Wohlstandes. Das machte ihn
    volkstümlich. Aber alle diese Tugenden grenzten an
    ebenso viele Fehler. Sein Scharfblick, in Argwohn
    und Mißtrauen ausartend, ließ ihn den Spruch:
    Unter Tausenden trau einem recht,
    Bis du erkennst ihn treu oder schlecht,
    zu seinem Lieblingsspruche wählen, und die Handha-
    bung des Gesetzes trieb er mit einer eisernen Stren-
    ge und Unnachsichtigkeit, daß er den Beinamen Se-
    verus erhielt und verdiente. Es war zu rühmen, daß
    er sich beflissen zeigte, das Räuber- und Mordbren-

    1261
    nerwesen, das an der Tagesordnung war, mit Stumpf
    und Stiel auszurotten, aber es war zu streng, zu
    streng auch aus dem Geiste seiner Zeit heraus, Flucher, die schon wiederholentlich wegen Fluchens
    bestraft worden waren, schließlich hinrichten zu las-
    sen. Sooft er Todesurteile zu bestätigen hatte, tat er
    es mit dem Worte: »Auferas malum e medio populi
    tui«, und wer für Verbrecher zu bitten kam, erhielt
    einfach die Antwort: »Fiat justitia et pereat mun-
    dus.«
    Sein Kardinalfehler war der Geiz , in den seine weise Sparsamkeit beständig ausartete. Wenn sein Kanzler
    Barthold von Mandelsloh in seidenen Strümpfen vor
    ihm erschien und er ihm zurief: »Bartholde, ich hab
    auch seidene Strümpfe, aber ich trage sie nur sonn-und festtags«, so mag das als ein humoristisch an-
    klingender Zug lächelnd und dankbar hingenommen
    werden, wenn er aber, nach Art mancher modernen
    Adeligen, das Prinzip verfolgte, Rechnungen auf lan-
    ge Zeit hin unbezahlt zu lassen, so wird ihm dies
    schwerlich als Zierde angerechnet werden können.
    Sein Nürnberger Büchsenmacher kannte

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