Wanderungen durch die Mark Brandenburg
Märchenplatz, auf dem wir sitzen, denn wir
sitzen am Ufer des »Werbellin«.
1. An der Mittelbiegung desselben, und zwar
dort, wo jetzt malerisch zwischen Wald und
See das Dörfchen Altenhof gelegen ist, erhob
sich noch ein zweites Werbellin-Schloß:
Schloß Breden. Unter dem dortigen Forsthau-
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se befinden sich gewölbte Keller, die man vor
etwa hundert Jahren entdeckte, als der Grund
zur Aufführung einer neuen Försterei gelegt
werden sollte. Man fand aber nicht bloß alte
Gewölbe, sondern auch kupferne und eiserne
Gerätschaften, die bis diesen Tag in der Förs-
terfamilie (seit über hundert Jahren immer
dieselbe) aufbewahrt werden. Die dörfliche
Tradition spricht sogar von einem Fasse mit
Wein, dessen Dauben bei der Berührung in
Staub zerfielen, während der Wein, in der to-
pasfarbenen Weinsteinkruste, die sich gebil-
det hatte, wie in einer Kristallbowle unver-
schüttet stehenblieb.
2. Schloß Grimnitz, in unmittelbarer Nähe des
»Werbellin« am Grimnitz-See gelegen, war
ebenso der bevorzugte Aufenthalt Ottos IV.,
des sogenannten Markgrafen mit dem Pfeil,
wie Schloß Breden und Schloß Werbellin die
bevorzugten Plätze Markgraf Waldemars wa-
ren. »Hier war es auch wohl«, so schreibt
F. Brunold, »wo Markgraf Otto mit seiner
kühnen Gemahlin Heilwig von Holstein am
Schachbrett saß, von Spielleuten umgeben,
ganz so, wie es uns ein Bild in der Manessi-
schen Sammlung der Minnesänger noch heute
zeigt.« 1529 ward auf Schloß Grimnitz ein
Friede zwischen der Mark und Pommern ge-
schlossen, der ausdrücklich der Friede zu
Grimnitz heißt, und 1549 brach hier Kurfürs-
tin Hedwig, die Gemahlin Joachims II. (nicht
die »schöne Gießerin«, wie andere erzählen),
1566
durch den morsch gewordenen Fußboden des
ersten Stockes und nahm, auf die Hirschge-
weihe der darunter befindlichen Halle nieder-
stürzend, so schweren Schaden, daß sie von
der Zeit ab an Krücken gehen mußte.
3. Eine gleich große Zahl befindet sich nur noch
in dem berühmten Tiergarten (»Dyrehave«)
von Kopenhagen. Als König Friedrich Wil-
helm IV. 1844 in Kopenhagen war, besuchte
er auch den Tiergarten; Treiber und Jagdbe-
diente bildeten Spalier, und vor dem im Portal
der »Eremitage« stehenden Könige wurden
gegen 3000 Hirsche vorbeigetrieben. Die klu-
gen Tiere verrieten keine Spur von Scheu. Die
Leute in der Eremitage erzählen von dieser
»Revue« bis diesen Tag.
4. Märkische Muränenseen waren zu Bekmanns
Zeiten folgende: der Moriner, der Soldiner,
der Lychener und der Stechliner, ferner der
Lindower und der Schermützel-See. Mehrere
davon, wenn nicht alle, haben inzwischen ihre
Muränen verloren, ebenso wie der »Werbel-
lin«.
5. In China oder Japan, oder vielleicht in beiden
Ländern, verstehen es die Bewohner, die
Kormorans zum Fischfang abzurichten. Sie
bedienen sich dazu der allereinfachsten Pro-
zedur, indem sie dem Kormoran, nachdem
ihm die Flügel gestutzt wurden, einen Ring
um den Hals legen, der die Kehle des Tieres
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halb zuschnürt . Nun beginnt der Kormoran
mit gewohntem Geschick seinen Fischfang, da
er aber, der halb zugeschnürten Kehle halber,
die Fische nicht hinunterschlucken kann, so
wirft er sie großmütig in neben ihm befindli-
che kleine Boote, wo sie die Fischer in Emp-
fang nehmen.
Das Pfulen-Land
Ich lese gern von mancher tüchtigen Kraft,
Die kühn gefolgt der Größten ew'gem Schimmer.
H. von Blomberg
Wie um Neustadt-Eberswalde herum ein »Sparren-
Land«, so gab es um Buckow herum, an der Grenze
von Barnim und Lebus, ein Pfulen -Land.
Die Pfuels kamen so früh in die Mark, daß sie schon
im Jahre 1603 in einer Leichenpredigt, die beim Hin-
scheiden eines der Ihrigen gehalten wurde, nicht nur
ein »fürtreffliches«, sondern auch ein » uraltes Geschlecht« genannt werden konnten, ein Geschlecht,
aus welchem »equestris et literati ordinis viri«, »tap-
fere Kriegsschilde und wohlgelahrte, verständige und
versuchte Männer«, hervorgegangen seien.
1568
Sie gehörten zu den »Schloßgesessenen«, insoweit
sie die festen Schlösser Quilitz, Ranft und Leuenberg
innehatten, und ihr Ansehen war bedeutend genug,
um noch am Ende des fünfzehnten Jahrhunderts,
also fast hundert Jahre später als die Quitzows, we-
gen einer rückgängig gemachten Verlobung eine
zehnjährige Fehde mit den Mecklenburger Herzögen
führen zu können. Ihr Besitz umfaßte damals und
später die folgenden
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