Abtruennig
dass du zurückkommst. Jetzt weiß ich, dass alles wirklich passiert ist.“
Ich stöhnte. „Das ist alles nicht richtig und dennoch...ich wollte dich unbedingt wieder sehen.“
„ Was bist du?“, fragte sie vorsichtig.
Konnte ich zu diesem Zeitpunkt mich und meine Art verraten? Letztendlich hatte ich das sowieso bereits getan. Zweimal. Vor zehn Jahren in einer schäbigen Seitenstraße. Gestern in einer düsteren Gasse.
„ Ich bin ein Vampir.“
Jetzt war es raus.
„ Ein Vampir??“, ihre Stimme war mehr ein Krächzen. „Ein Vampir!“, beantwortete sie ihre eigene Frage, bevor ich etwas erwidern konnte.
„ Ja.“
Sie rutschte wieder an das Kopfteil ihres Bettes zurück. „Das…das kann ich nicht glauben…ich meine, nach allem, was ich gesehen habe, okay…aber, das kann doch nicht sein. Das hier ist doch die Realität und nicht irgendein billiger Groschenroman!“
In ihrem Tonfall schwang so etwas wie Panik mit.
Dämlicher Vampir! Ich versuchte sie zu beruhigen, weil ich befürchtete, sie würde sonst schreiend aus dem Zimmer laufen.
„ Ich bin ein Vampir, aber es ist nicht immer so wie es in den Büchern oder Filmen dargestellt wird.“
„ Das heißt, du wirst jetzt nicht über mich herfallen, um mir das Blut auszusaugen?!“
„ Nein! Grundgütiger.“ Ich musste mich beherrschen, um nicht laut zu werden. „Wenn dem so wäre, dann hätte ich das doch schon längst tun können, mehr als ein Mal.“
Sie nickte. „Das ist wahr.“ Ich konnte spüren, dass ihr eine Frage besonders auf der Seele brannte. „Wie…wie hat er das angestellt? Ich meine dein Freund, wie hat er das mit dem Gedächtnisverlust bei den anderen hinbekommen?“
Ich stockte. Was durfte ich erzählen? Genau genommen gar nichts, erinnerte mich die Stimme der Vernunft.
„ Er hat eine besondere Gabe“, fuhr ich trotzdem fort. Ich war ohnehin schon zu weit gegangen. Schon wieder. „Manche Vampire unter uns haben zu ihren Lebzeiten spezielle Fähigkeiten besessen, die sich um ein vielfaches verstärkt haben, wenn sie verwandelt wurden. Selten entwickeln sich neue Eigenschaften, aber so war es bei Peter.“
„ Die beiden Jungen hatten Wunden…wie hat er…nein, warte ich glaube, ich will es lieber nicht wissen.“ Sie strich sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht und starrte für einen kurzen Augenblick auf ihre Bettdecke. Ich schwieg, weil ich wusste, dass sie mit ihrer Befragung noch nicht fertig war. „Haben sie sich jemals wieder an irgendetwas erinnern können?“ Ihr Körper zitterte, als sie die Frage gestellt hatte.
Ich hasste es, wenn sie solche schrecklichen Gefühle haben musste, vor allem, wenn ich auch noch dafür verantwortlich war.
„ Er hat ihnen nicht weh getan“, sagte ich schnell. Das konnte ich nicht hundertprozentig sagen, aber dieses kleine Detail ließ ich lieber außer Acht, das war sicherlich besser. „Leider ist diese Gabe nicht abzuschwächen. Es gibt nur den kompletten Gedächtnisverlust, man kann es nicht rückgängig machen.“
Liz zögerte etwas, bevor sie weiter sprach.
„ Hast du auch so eine Begabung?“
Ich schüttelte den Kopf. „Nein, ich fürchte, ich habe gar keine besondere Fähigkeit.“
„ Verstehe…“
Ich glaubte beinahe, so etwas wie Enttäuschung herausgehört zu haben, verwarf diese bescheuerte Idee aber sofort wieder. Ich wusste, mir blieb wahrscheinlich nur diese eine Gelegenheit, um noch zu retten, was übrig geblieben war. Doch bevor ich etwas sagen konnte, durchbrach Lesleys nervöse Stimme meinen Gedankengang.
„ Was bedeutet diese ganze Geschichte jetzt für mich?“
Ich war irritiert. „Nichts, wenn du nicht willst.“
„ Und…wenn ich…will?“
Ich ging bis zu ihrem Bett und umklammerte das kalte Eisengestell am Fußende. Meine Hände zitterten.
„ Das kann nicht so ohne weiteres funktionieren.“ Ich seufzte. „Eigentlich kann das überhaupt nicht funktionieren!“
Sie verzog das Gesicht.
„ Ist es dafür nicht ein bisschen zu spät, Nicholas?“
„ Du hast Recht, natürlich hast du Recht! Aber ich hatte nichts dergleichen geplant. Wie auch. Es ist einfach passiert. Das ist eine ziemlich armselige Ausrede, ich weiß.“
„ Aber es ist doch auch das, was du willst, oder nicht?“
Ich lächelte. „Mehr als das. Das ist aber nicht richtig. Ich bin nicht mehr wie du...ich werde niemals mehr so sein.“
Es war der richtige Moment, vielleicht war es der Einzige. Ich schob meine Haarsträhnen beiseite, die mir sonst in die Stirn
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