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Artus-Chroniken 2. Der Schattenfürst

Artus-Chroniken 2. Der Schattenfürst

Titel: Artus-Chroniken 2. Der Schattenfürst Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Bernard Cornwell
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ich.
    »Mit diesen roten Haaren?« fragte Culhwch wegwerfend zurück.
    »Guinevere«, berichtigte ich mich, und tatsächlich bestand eindeutig Ähnlichkeit zwischen Ade und der hochmütigen Guinevere, die neben Königin Elaine in dem Ochsenkarren saß. Elaine war bleich, abgesehen davon konnte ich jedoch kein Zeichen der schweren Krankheit entdecken, an der sie angeblich dahinsiechte. Guinevere sah so schön aus wie immer und ließ sich nichts von den Qualen der kürzlich erfolgten Geburt anmerken. Sie hatte das Kind nicht mitgebracht, aber das hätte ich auch nicht von ihr erwartet. Gwydre war zweifellos in Lindinis, wohlbehütet in den Armen seiner Amme und so weit entfernt, daß er Guineveres Schlaf nicht mit seinem Geschrei stören konnte.
    Hinter Lancelot saßen Arthurs Zwillinge ab. Sie waren immer noch sehr jung, gerade alt genug, um mit einem Speer in den Kampf zu ziehen. Ich war ihnen viele Male begegnet und mochte sie nicht, denn sie hatten nichts von Arthurs pragmatischem Sinn geerbt. Sie waren von klein auf verwöhnt worden, und das Ergebnis waren zwei aufbrausende, ichsüchtige, habgierige junge Männer, die ihren Vater verabscheuten, ihre Mutter Ailleann verachteten und sich für ihre illegitime Geburt an Menschen rächten, die es nicht wagten, sich gegen Arthurs Sprößlinge zu wehren. Sie waren widerwärtig. Die beiden Druiden stiegen vom Pferd und nahmen neben dem Ochsenkarren Aufstellung.
    Es war Culhwch, der als erster begriff, was Lancelot plante.
    »Wenn er getauft ist«, flüsterte er mir grollend zu, »kann er nicht dem Mithrasbund beitreten, stimmt’s?«
    »Bedwin hat es getan«, widersprach ich, »und Bedwin war sogar Bischof.«
    »Der gute Bedwin«, erklärte mir Culhwch, »hat immer auf beiden Seiten des Wurfbretts gespielt. Als er starb, fanden wir ein Abbild von Bel in seinem Haus, und seine Gemahlin berichtete uns, er habe davor geopfert. Nein, Ihr werdet schon sehen, daß ich recht habe. Auf diese Tour will Lancelot verhindern, daß er vom Mithrasbund abgelehnt wird.«
    »Aber vielleicht ist er von Gott berührt worden«, protestierte Galahad.
    »Dann muß Euer Gott jetzt schmutzige Hände haben«, erwiderte Culhwch. »Ich bitte um Vergebung, wo er doch Euer Bruder ist.«
    »Halbbruder«, sagte Galahad, der nicht allzu eng mit Lancelot in Verbindung gebracht zu werden wünschte. Der Wagen hatte jetzt dicht am Flußufer gehalten. Sansum stieg aus, marschierte, ohne seine kostbaren Gewänder zu raffen, durch die Binsen und watete in den Fluß hinaus. Lancelot saß ab und wartete am Ufer, bis der Bischof das Kreuz erreicht und gepackt hatte. Da Sansum ein kleiner Mann ist, ging ihm das Wasser bis an das schwere Kreuz auf seiner schmächtigen Brust. Er wandte sich uns, seiner unfreiwilligen Gemeinde, zu und hob mit seiner kraftvollen Stimme an: »In dieser Woche werdet ihr eure Speere gegen den Feind erheben, und Gott wird euch segnen. Gott wird euch helfen! Und heute werdet ihr hier in diesem Fluß ein Zeichen der Macht unseres Gottes erleben.« Die Christen auf der Wiese bekreuzigten sich, während einige Heiden wie Culhwch und ich ausspien, um das Böse abzuwehren.
    »Hier seht ihr König Lancelot!« rief Sansum und wies mit der Hand auf Lancelot, als hätte ihn keiner von uns erkannt.
    »Den Helden von Benoic, König von Siluria und Lord der Adler!«
    »Der Lord von was?« fragte Culhwch.
    »In dieser Woche«, fuhr Sansum fort, »in dieser Woche hätte er in den widerlichen Bund des Mithras aufgenommen werden sollen, dieses falschen Gottes des Blutes und des Zorns.«
    »Sollte er nicht«, knurrte Culhwch inmitten des allgemeinen Protestgemurmels jener Männer auf der Wiese, die Mithrasanhänger waren.
    »Aber gestern«, dröhnte Sansums Stimme den Protesten entgegen, »hatte dieser edle König eine Vision. Eine Vision!
    Nicht Irgendeinen von einem berauschten Hexenmeister ausgelösten Alptraum, sondern einen reinen, wunderschönen Traum, auf goldenen Schwingen vom Himmel herabgesandt. Eine heilige Vision!«
    »Ade hat ihre Röcke gelupft«, murmelte Culhwch.
    »Die heilige, gebenedeite Mutter Gottes erschien König Lancelot«, rief Sansum. »Die Jungfrau Maria persönlich war es, die Leidensmutter, aus deren unberührten Lenden das Christuskind geboren wurde, der Heiland der gesamten Menschheit. Gestern erschien sie König Lancelot in einem hellen Licht, in einer Wolke aus goldenen Sternen, und berührte mit ihrer schönen Hand Tanlladwyr!« Wieder zeigte er hinter sich, wo Ade

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