Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen

Auf ewig und einen Tag - Roman

Titel: Auf ewig und einen Tag - Roman Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Elizabeth Joy Arnold Angelika Felenda
Vom Netzwerk:
Augapfel und eine Sylvester-the-Cat-Uhr. Alles stellte ich in den Gang hinaus. Ich rollte dunkle Teppiche auf, die an Winter erinnerten, und begann, den
darunter zum Vorschein kommenden glänzenden Holzboden zu kehren. Als ich fertig war, setzte ich mich im Schneidersitz nieder und inspizierte die Fundstücke: ein welkes Blatt, der Verschluss eines Ohrrings, ein Büschel lockiges schwarzes Haar. Daddys Haar. Ich steckte es in meine Tasche.
    Das Putzen war in gewisser Weise beruhigend, aber mit jedem alten Gegenstand, den ich neben der Tür aufstapelte, spürte ich, wie ich unaufhaltsam tiefer sank. Die kahlen Böden erschienen mir wie ein Zeichen der Vergänglichkeit, ein weiterer Schritt in Richtung Verlöschen.
    Der Nachmittag zog sich in die Länge. Ich aß vertrocknete Salz-Cracker und ein paar Spaghetti direkt aus der Tüte. Als ich in den Hobbyraum zurückkehrte, fuhr ich zusammen. Eve stand am Fenster.
    Sie sah mich an, ihr Haar war ungekämmt und fettig am Ansatz und inzwischen so lang, dass es ihr in die Augen fiel. Eine Weile starrten wir uns ausdruckslos an, dann ging Eve zur Tür. Wie gelähmt und von Übelkeit gepackt, blieb ich stehen. Ich glaubte nicht, dass ich in der Lage wäre, meine Beine zu bewegen.
    Ich beobachtete, wie sie sich niederkniete, um die Sachen durchzusehen, die ich neben der Tür abgelegt hatte. Sie nahm ein altes Tablett hoch und untersuchte einen Fleck, der von einer vor langer Zeit eingenommenen Mahlzeit zeugte. »Du willst das alles wegwerfen?«
    Ich blickte zu Boden. »Ich weiß nicht. Ja, ich denke schon.« Sie nickte und stieß mit dem Fuß gegen einen kleinen Hocker in Form einer Schildkröte. »Kannst du dir vorstellen, solchen Mist zu kaufen? Ich meine, das in einem Laden zu sehen und wirklich Geld dafür auszugeben?«

    Ich lächelte, hatte plötzlich genug von dem Ganzen, wollte aufhören, alles stehen und liegen lassen und sie packen, aber stattdessen schüttelte ich den Kopf. »Über Geschmack lässt sich nicht streiten.«
    »Wir sollten es behalten«, sagte sie, ohne mich dabei anzusehen. »Ich meine, auf dem Dachboden ist genug Platz - warum also nicht? Für den Fall, dass irgendwann jemand wissen möchte, wer wir alle waren. Das hab ich mir immer gewünscht, als wir Kinder waren, irgendeine Art von Geschichte.«
    »Na schön.« Die Brust schnürte sich mir schmerzhaft zusammen. Ich hob ein Goldfischglas aus Kunststoff hoch, in dem bunte Plastikfische durch blaues Gel schwammen. Ich sah Eve kurz an, dann stieg ich die Treppe hoch, um die Leiter zum Dachboden herauszuziehen.
    Wir gingen nach unten, um die Sachen zu holen, wiederholten das Ganze ein paarmal. Und mit jedem Gang spürte ich mehr, wie etwas in mir zur Ruhe kam, als unsere Kindheit ihren Platz fand. Als wir fertig waren, ließen wir uns erschöpft auf die unterste Treppenstufe fallen. Wir redeten nicht, sondern beobachteten nur den Staub, den wir aufgewirbelt hatten und der im schwindenden Nachmittagslicht tanzte. Und dann beugte ich langsam das Knie, sodass es ihr Bein berührte. Ich wusste, dass sie es spürte, aber sie rückte nicht ab.
    Nach einer Weile machte sie mit dem Kopf ein Zeichen in Richtung Fenster. »Schau mal raus.«
    Durch das Vorderfenster sah ich LoraLee, die auf unsere Einfahrt zuging. Ich wollte aufstehen, aber Eve drückte mich nieder. »Schau bloß zu.«
    LoraLee ging zu unserer Türschwelle und warf schnell einen Blick die Straße hinauf und hinunter, bevor sie in ihre Rocktasche
griff. Schnell legte sie einen braunen Umschlag auf unsere Veranda, berührte leicht das Geländer und machte sich dann wieder davon.
    »Geburtstagsgeld«, flüsterte ich. »Sie war also diejenige, die uns immer Geld hingelegt hat.«
    Eve nickte. »Das hab ich schon vor einer Weile gesehen.«
    »Warum hast du mir nichts gesagt? Wie kann sie uns Geld geben, wo sie doch kaum genug für sich selbst hat?«
    »Es macht sie glücklich - verstehst du das nicht? Die Leute möchten uns helfen, Kerry, so wie die Caines. Sie tun das genauso sehr für sich wie für uns.«
    Ich lehnte den Kopf ans Treppengeländer, Tränen kamen mir, Tränen um uns, um LoraLee, die dachte, zehn Dollar würden helfen, und um all die Dinge aus der Vergangenheit, die ich fast weggeworfen hätte.
    »Dieses Geld unter meinem Bett ist nicht, was du denkst. Ich hab’s nicht gestohlen.«
    Ich nickte, ohne mich ihr zuzuwenden, und wünschte, sie würde nicht darüber reden, nicht jetzt.
    »Es ist Geld von den Caines, Kerry, aber nicht gestohlen,

Weitere Kostenlose Bücher