Das Dorn-Projekt: Der frühe Homanx-Zyklus, Bd. 3
Stein.« Wieder zeigte sie hinunter zur Ausgrabungsstätte. »Niemand, der auf Comagrave arbeitet, hat bisher etwas wie dieses Material da zu Gesicht bekommen.«
Pilwondepat beobachtete die Menschen bei der Arbeit: energiegeladen, tüchtig, in der Lage, in einem Klima zu arbeiten, so trocken, dass die Lungen eines Thranx auf ihre halbe Größe zusammengeschrumpelt wären, wäre dieser nur wenige Tage einer derart austrocknenden Witterung ausgesetzt gewesen. Dennoch legten die Menschen bei der Arbeit nicht die Präzision an den Tag, die seine Spezies bei jeder Bewegung auszeichnete. Nun, das, was sie dort unten ausgruben, war ja auch nicht gerade winzig. Da war noch genug Spielraum für eine Spitzhacke oder einen Bohrer.
»Was aber«, fragte er sich laut, »wenn diese glatte Fläche nirgendwo endet?«
»Ich kann Ihnen nicht folgen.« Sie sah ihn neugierig an. »Alles endet irgendwo!«
»Wirklich?« Pilwondepat suchte nach Hinweisen auf eine Kante oder einen Rand an dem stetig größer werdenden Artefakt. Er fand keine. »Was, wenn dieses Objekt, was immer es auch sein mag, in einem Größenverhältnis errichtet wurde, das zu den Statuen auf der anderen Seite des Tales passt? Was, wenn es sogar noch größer ist?«
Sie dachte nur kurz nach, bevor sie ihm antwortete: »Wenn es so wäre, würde es verdammt lange dauern, bis wir auf einen Rand stießen, aber auch dann würde das Ding irgendwo enden.«
»Genau darüber mache ich mir meine Gedanken. Vielleicht wäre es sinnvoller, statt das Objekt freilegen zu wollen, in es einzudringen!«
Jetzt lachte sie laut auf. »Da werden wir wohl kaum Erfolg haben, wenn das Ding so massiv ist wie eine der Statuen!«
»Ich behaupte nicht, dass es so ist. Nur angesichts der schieren Größe des Objekts sollte die Suche nach einem Innenraum oder der Unterseite als eine weitere Option in Betracht gezogen werden.«
Sie versuchte sich ihre Belustigung nicht anmerken zu lassen. »Sprechen Sie mit Grabungschef Karasi! Er ist derjenige, der eine solche Entscheidung zu treffen hat. Wenn Sie mich dann entschuldigen würden!« Brüsk, wie die Menschen nun einmal waren, wandte sie sich ab und stieg in die Grube hinunter, ohne sich darum zu kümmern, ob er ihr folgte.
Pilwondepat starrte hinunter in die rasch wachsende Grube. Riimadu war dort unten, wie üblich: Er plauderte mit einzelnen menschlichen Kollegen, gab gestenreich Anregungen, und immer wieder unterbrach er sich, um sich mit seinem Kommunikator zu beschäftigen. Pilwondepat beneidete den AAnn-Forscher um die Leichtigkeit, mit der dieser Kameradschaft zu den Säugern herzustellen vermochte. Nicht allein die Statur der AAnn und der Säuger ähnelte sich, die Ähnlichkeit zeigte sich auch in der Art, in der sie sich bewegten. Als aufrecht gehende Zweibeiner, auch wenn eine der beiden Spezies schwanzlos war, war ihnen eine Körperlichkeit gemein, die er, der Thranx, nicht nachzueifern in der Lage war, ganz egal, wie sehr er sich auch bemühte. Gewiss nutzten die Reptiloiden diese Vorteile, wenn sie Beziehungen zu den Menschen knüpften, Vorteile, diejeden noch so zuversichtlichen Thranx sofort ins Hintertreffen brachten.
Das beunruhigte Pilwondepat. Es war schlimm genug, dass kein einziger Mensch die Aneinanderreihung unheilvoller Ereignisse zu erkennen vermochte, die die AAnn so subtil eingefädelt hatten. Dass die Menschen ausgerechnet Freunde jenes Volkes werden sollten, das alles nur Erdenkliche unternahm, um Comagrave in seinen Besitz zu bringen, machte ihn regelrecht rasend. Pilwondepat wünschte, er könnte sich Cullen oder jemand anderen, der ähnlich viel Autorität besaß, greifen, mit allen vier Händen packen und schütteln, bis er endlich aus seiner alten Haut schlüpfte. Pilwondepat tat es nicht, weil er genau wusste, dass er die Menschen so in eine Abwehrhaltung ihm gegenüber getrieben hätte und sie dann noch weniger Interesse als zuvor an dem zeigen würden, was er ihnen zu sagen hatte.
Wenigstens hatte Cullen versprochen, Pilwondepats Entdeckungen der zentralen Regierungsbehörde zu übermitteln. Nur ein paar Tage noch, und er, Pilwondepat, würde ein wenig ruhiger schlafen können und in der Gewissheit, dass die Ergebnisse seiner Nachforschungen an behördliche Stellen mit hoffentlich mehr Scharfsicht weitergereicht würden. Bis dahin und bis eine Antwort erfolgte, konnte er nur seine eigenen Forschungen vorantreiben und gleichzeitig Riimadu im Auge behalten. Dass der AAnn völlig vertieft in seine
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