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Das Gesetz der Vampire

Das Gesetz der Vampire

Titel: Das Gesetz der Vampire Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Mara Laue
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schüttelte vehement den Kopf.
    »Das wäre nicht gerechtfertigt«, widersprach Gwynal. Er nickte ihr zu. »Prüfe es selbst, wenn du mir nicht glaubst.«
    Sie schnaufte verächtlich und ballte die rechte Hand zur Faust. Mit dem Rubin im Ring an ihrer Hand deutete sie jetzt auf Ashton. » Wie lautet das Urteil über diesen Vampir?«
    Der Rubin glühte kurz auf. Ein Lichtstrahl schoss daraus hervor und traf Ashtons Stirn, auf der eine Glyphe erschien, die für einen Moment weiß aufleuchtete, ehe sie langsam wieder verschwand.
    Stevie Price stand wie vom Donner gerührt. »Das ist unmöglich!« Sie schnappte fassungslos nach Luft. »Das ist absolut unmöglich!«
    »Offensichtlich ist es das nicht«, stellte Gwynal trocken fest. »Die Ringe der Gerechtigkeit fällen niemals ein Fehlurteil, wie du weißt. Ashton Ryder ist für die Höchsten Mächte unschuldig. Unsere Aufgabe ist es jetzt, dafür zu sorgen, dass er das auch bleibt.«
    Stevie knurrte ungehalten, machte auf dem Absatz kehrt und ging wortlos hinaus. Gwynal musterte Ashton Ryder noch eine Weile stumm, ehe er ihr folgte. Im Moment war der junge Vampir noch unschuldig, trotz der Morde, die er begangen hatte. Falls es Gwynal nicht gelang, ihm die Augen für die Wahrheit zu öffnen, so würde sich das allerdings sehr schnell ändern. Danach konnte nicht einmal er noch etwas für ihn tun.

    ***

    Als Ashton erwachte, befand er sich in einem fensterlosen Raum, der von einer gedimmten Lampe schwach erleuchtet wurde. Mit dem sicheren Instinkt eines Vampirs wusste er, dass draußen die Sonne gerade untergegangen war. Er fühlte sich schwächer denn je und verspürte einen solchen Hunger, dass nicht nur sein ganzer Körper schmerzte, sondern er gleichzeitig auch eine wahnsinnige Wut auf alles empfand, das die rettende Nahrung in sich trug. Entsetzt erkannte ein Rest seines Verstandes, dass er in diesem Zustand jeden Menschen angefallen und ausgesaugt hätte, der zufällig das Pech gehabt hätte, in seine Nähe zu kommen, selbst wenn es ein Kind gewesen wäre. Nun war er tatsächlich zu einer der Bestien geworden, die er so unnachsichtig verfolgt und vernichtet hatte.
    Oh Gott!
    Wenigstens hatten die Vampire ihn erwischt und auf diese Weise verhindert, dass er irgendjemanden überfiel. Ohne Zweifel würden sie ihre Rache an ihm nehmen für all ihre Artgenossen, die er getötet hatte. 52 waren es in den vergangenen zehn Jahren gewesen und noch einmal neunzehn in den letzten vier Tagen. Nun, was immer die Vampire mit ihm vorhatten, sie konnten ihn nur einmal töten. Ashton war sich allerdings bewusst, dass dieser eine Tod ihm wie mindestens tausend vorkommen würde. Doch irgendwann würde auch die schlimmste Folter vorbei sein und er seinen Frieden haben. Er fühlte sich beinahe erleichtert.
    Der Raum, in dem er sich befand, war wie ein Schlafzimmer eingerichtet mit einem Bett, einem Schreibtisch, Stuhl, Schrank und einem gut bestückten Bücherregal. Es sah ganz so aus, als würde hier ein Vampir dauerhaft wohnen und diesen Raum nicht nur vorübergehend als Notversteck benutzen. Ashton dehnte seine Sinne aus und stellte fest, dass sich vier Vampire im selben Haus befanden. Sie spürten wahrscheinlich, dass er erwacht war und würden bald kommen, um ihn zu holen.
    Er hörte Harfenmusik, die irgendwo im Haus erklang und empfand sie als tröstlich. Er lauschte ihr und verlor sich in ihr. Nach einer Weile verspürte er beinahe so etwas wie Frieden, sodass er sich schmerzhaft gestört fühlte, als die Tür zu seinem Gefängnis geöffnet wurde. Die drei Vampire, die ihn gefangen hatten, traten ein. Ashton hatte keine Energie mehr, ihnen irgendwelche Gegenwehr entgegen zu setzen und hatte ohnehin nicht vor, sich zu wehren. Er wollte, dass es schnell vorbei war, was immer auf ihn zukam.
    Zu seinem Erstaunen halfen sie ihm beinahe sanft auf die Beine und stützten ihn, denn er war mittlerweile fast zu schwach, sich aus eigener Kraft auf den Beinen zu halten. Sie führten ihn in einen von unzähligen Kerzen erhellten Wohnraum mit einem brennenden Kamin und bedeuteten ihm, sich in einen bequemen Ohrensessel zu setzen. In einem anderen Sessel ihm gegenüber saß der Harfenspieler. Er trug eine altmodische dunkelblaue Hose mit weitem Schlag und ein weißes Seidenhemd mit weiten Ärmeln, die an den Handgelenken gerafft waren. Sein dunkles Haar fiel ihm bis auf die Schultern. Er hielt die Augen geschlossen, während seine Finger mit traumwandlerischer Sicherheit den Saiten einer alten

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