Das Internat
das Krematorium gegangen bin? Da bist du aber kein guter Schnüffler."
"Ich habe nicht auf dem Parkplatz gewartet. Das wäre etwas auffällig gewesen, meinst du nicht? Ich habe weiter unten an der Straße geparkt – und
Stunden
gewartet."
"Was ist mit vorgestern Abend?", fragte sie in möglichst unverfänglicher Stimmlage. "Wenn du mir gefolgt bist, weißt du, was auf dem Rowe Campus passiert ist. Und da warst du ja sicher auch."
Er griff nach unten und hob eine Zeitung auf, wahrscheinlich den
Chronicle,
und legte sie auf die Kommode. "Ich war nicht einmal in der Nähe des Campus. Ich war vorgestern auf einem Treffen für Sammler spezieller Zeitschriften."
"Du sammelst Zeitschriften?" Über der Kommode, auf die er die Zeitschrift abgelegt hatte, hing ein gerahmtes Titelbild einer alten Ausgabe. Mattie war es vorher nicht aufgefallen. Eine Frau, gefesselt und geknebelt, lag mit vor Entsetzen weit aufgerissenen Augen in einem offenen Sarg.
Ihr Herz verleitete sie zu einem schmerzhaften Satz. "Ist das eine deiner Fantasien", fragte sie, "Frauen in Särgen zu fesseln?"
Sie langte zu dem Glas Wasser hinüber und verschüttete noch mehr davon, als sie versuchte, den Strohhalm in den Mund zu bekommen. Um Himmels willen, was für ein Spiel spielte er mit ihr? Es fühlte sich wie ein grauenhaftes Katz-und-Maus-Szenario an, dieses ständige Verfolgen und In-die-Falle-Locken. Offenbar hatte Mattie es mit einem sehr kranken Mann zu tun.
Als sie das Glas auf den Nachttisch zurückstellen wollte, landete es stattdessen auf dem Teppich. Mattie sah nicht einmal nach. Sie zog die Decke noch enger um sich. Nichts tat ihr noch weh. Nicht einmal der Kopf.
"Wo sind meine Sachen?", fragte sie, während sie versuchte, sich aus dem Bett zu schwingen.
Unter ihren Füßen fühlte sie den feuchten Teppich. Als sie versuchte aufzustehen, fiel sie beinah. Der Boden schien sich zu bewegen, als sei sie auf einem Boot. Sie sah Cross ums Bett kommen und hob abweisend eine Hand, um ihn fernzuhalten. Genauso gut hätte sie versuchen können, eine Welle aufzuhalten.
An der großen Decke hielt Mattie sich fest, als er sie in die Arme zog, sie festhielt und ihren schwankenden Körper abfing. Sie war so benommen, dass sie alles um sie herum schwankend wahrnahm. Es fühlte sich an, als hätte ihr Körper den Bodenkontakt verloren. Sie hätte nicht so schnell aufstehen sollen, und wenn Cross sie nicht gepackt hätte, wäre sie wahrscheinlich unsanft gelandet.
Langsam hörte der Raum auf sich zu drehen.
"Warst du das gestern?", giftete sie ihn an. "Hast du mich angegriffen?"
"Himmel, nein. Ich habe dich gefunden. Ich habe dich hergebracht und dich wiederbelebt. Du wärst fast an Unterkühlung gestorben."
Sie musterte sein schmales, attraktives Gesicht und fragte sich, ob sie irgendetwas von dem glauben konnte, was er sagte.
"Ich war es nicht", sagte er und schüttelte sie sanft. "Die Frage, die du dir stellen solltest, ist, wer es tatsächlich war. Wer versucht, dich zu töten, Mattie?"
Angst, schon wieder. Wie ein Blitz flammte sie in jedem Nerv ihres Körpers auf. Sie senkte den Kopf. "Ich weiß es nicht."
Als er sie an sich zog, fühlte sich die Wärme seines Körpers so gut an, dass auch das Mattie Angst machte. Einen Augenblick später entzog sie sich der Umarmung und versuchte, ihr Gleichgewicht wiederzufinden.
"Was ist gestern Nacht passiert?", fragte sie, in der Hoffnung, sich so weit wie möglich von ihm distanzieren zu können. "Hast du mich ausgezogen und mich in die Badewanne gelegt? Hatten wir Sex?"
Lange und durchdringend sah er sie an, so als ob er ihre Taktik durchschaute. "Hast du meinen Bruder getötet?"
"Das ist keine Antwort auf meine Frage."
"Ich gebe dir eine, wenn du meine Frage beantwortest."
"Nein, ich habe deinen Bruder nicht umgebracht. Und Jane und Breeze auch nicht."
"Dann würdest du dich einem Lügendetektortest unterziehen?"
"Das würde ich ganz sicher. Sie sind nicht besonders zuverlässig, aber ich würde mich auch einem DNA-Test unterziehen."
"Wozu?"
"Um zu beweisen, dass das Blut auf Miss Rowes Kissen nicht meins ist. Einverstanden?" Die nächsten Worte sprach Mattie mit Bitterkeit aus. "Wenn ich sie nicht getötet habe, warum hätte ich ihn umbringen sollen?"
Er antwortete nicht. Sein Zögern vermittelte Mattie den Eindruck, dass er nach einer Möglichkeit suchte, ihr Angebot abzulehnen. Die Arme hielt er verschränkt, die Stirn hatte er gerunzelt.
"Einverstanden", sagte er
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