Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Das sechste Opfer (German Edition)

Das sechste Opfer (German Edition)

Titel: Das sechste Opfer (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Martin Johannson
Vom Netzwerk:
das kann nicht sein. Der Killer war der Letzte.« Ich weiß nicht, ob ihm meine Antwort zu vorlaut war, denn sein Blick lag plötzlich emotionslos auf meinem Gesicht. »Der Zeitpunkt von Dr. Grunevelds Tod liegt zwischen 16 und 17 Uhr gestern Nachmittag. Und wann waren Sie da?«
Ich schluckte. »Zwischen 16 und 16:30 Uhr ungefähr.«
Das klang nicht gut, das wusste nicht nur ich, sondern auch alle drei Beamten im Raum.
Der Staatsanwalt war noch nicht fertig mit mir. »Wissen Sie, was ich glaube?«
Ich schüttelte den Kopf.
»Dass Sie bei Dr. Gruneveld waren, sich mit ihm gestritten und ihn dann erschossen haben. Dann sind Sie raus, haben überlegt, ob Sie irgendwelche Spuren hinterlassen haben. Danach sind weggefahren.«
Das war völlig absurd. »Nein, so war das nicht! Wir haben uns nur unterhalten. Warum sollte ich ihn denn erschießen? Ich kannte den Mann doch gar nicht!«
»Das Motiv kann ich Ihnen gern nennen. Er war erfolgreicher als Sie. Sie waren eifersüchtig und wollten in seine Fußstapfen treten. Mit Ihren Artikeln läuft es nicht mehr so gut, Ihre Frau hat Sie verlassen, Sie brauchen eine neue Herausforderung, mit der Sie glänzen können, um sie zurückzubekommen. Sie greifen zur Waffe, um Ihr Territorium zu erweitern. Ganz simpel.«
»Nein, meine Frau hat mich nicht wegen der Arbeit verlassen, das ist völliger Schwachsinn! Und ich habe auch keine Waffe! Ich habe ihn nicht getötet!« Das Blut stieg mir in den Kopf. Ich wandte mich an Bechthold. »Kann es nicht sein, dass noch jemand in der Wohnung war? Ich habe nicht alles gesehen. Oder dass nach mir jemand gekommen ist? Da wollte ein Betrunkener ins Haus, vielleicht hat er die Wohnung verwechselt und aus Versehen den falschen Mann erschossen!«
Bechthold sah mich zurückhaltend an. »Ein Betrunkener kann nicht genau in die Stirn seines Opfers treffen. Und Sie hätten tatsächlich ein Motiv, kein sonderlich starkes, aber ein Motiv.«
»Das ist absoluter Humbug! Da muss noch jemand gewesen sein! Ich habe Dr. Gruneveld nicht getötet.«
Bechthold sah mich bedauernd an. »Es gibt aber keinerlei Hinweise auf eine dritte Person in Grunevelds Wohnung. Da waren nur seine Fingerabdrücke, Ihre und die der Putzfrau.«
»Dann hatte der Killer eben Handschuhe an oder er hat sich vorgesehen. Bitte gehen Sie der Sache nach. Wenn mich jemand gesehen hat, dann muss den anderen ja auch jemand gesehen haben. Zum Beispiel den Betrunkenen.«
Ich beschrieb Bechthold aus Verzweiflung den jungen Mann, der in das Haus getorkelt war, obwohl ich ahnte, dass es nicht viel Zweck hatte.
Der Beamte hörte mir zu, dann nickte er. »Wir werden noch einmal alle Anwohner befragen, bis dahin verlassen Sie nicht die Stadt.«
Ich schluckte wieder. Dieser Satz traf mich wie ein Vorschlaghammer. Ich war ein Verdächtiger in einem Mordfall. Es war völlig absurd, und ich hoffte, dass die weiteren Untersuchungen meine Unschuld beweisen würden. Aber was, wenn nicht?
Die Beamten verabschiedeten sich schließlich und ließen mich mit meiner Panik allein zurück. Was passierte, wenn sie den anderen nicht fanden? Dann blieb mir immer noch meine Geschichte über die Untersuchungen zu den mysteriösen Todesfällen als Verteidigung, aber das war schwach. Zumal sie sich bestimmt wundern würden, warum ich nicht sofort davon erzählt hatte. Aber ich war unschuldig! Ich hatte Gruneveld nicht angerührt, er war quicklebendig, als ich ging. Das mussten sie mir einfach glauben.
    Ich stand ein Weilchen kopflos in meiner Wohnung herum, und überlegte, wie es dazu kommen konnte, dass sich mein schönes, geordnetes Leben innerhalb kürzester Zeit so rasant in ein Chaos verwandeln konnte. Mein bester Freund war gestorben, meine Frau hatte mich verlassen, und ich hatte mich von einem unbedarften Autor in einen Mordverdächtigen verwandelt. Wie konnte das nur alles passieren? Was war schief gegangen?
Manchmal erlaubte ich mir den Spaß und versuchte, mein Leben zu rekonstruieren, so wie es verlaufen war, bloß weil ich eines Tages eine bestimmte Entscheidung getroffen hatte. Oftmals ist es möglich, den Weg, den man beschritten hat, zurückzuverfolgen bis zu einem bestimmten Punkt, an dem eine wichtige Entscheidung anstand. An dem man sich sozusagen an einer Kreuzung befand und dann schließlich auf Grund von reiflichen Überlegungen oder einer spontanen Aktion abgebogen und in eine bestimmte Richtung gegangen ist.
So war ich zum Beispiel nur deshalb jetzt kein gelangweilter Ökonom in irgendeiner Firma,

Weitere Kostenlose Bücher