Der Katalysator
verlangte, daß er etwas gegen seine Feinde unternahm.
Serane natürlich. Aber nicht nur Serane. Es gab auch andere. Womöglich würde er eine ganze Reihe von Leuten loswerden müssen. Dieser Gedanke tröstete ihn angesichts der vielen Ungewißheiten, die vor ihm lagen.
Wenn er durch die Türöffnung in sein Vorzimmer schaute, sah er Mrs. Pinkster. Vorgebeugt saß sie auf ihrem Stuhl. Das Sonnenlicht drang durch die Fenster herein und überflutete ihre schräggeneigte Gestalt. Ihr Schatten bildete ein K auf der Wand. Kussman erstarrte für einen Augenblick in Ehrfurcht. Das war ein göttliches Omen. Selbst Gott war von ihm beeindruckt.
Die Stunde war nahe.
Serane? Noch nicht. Noch nicht.
Zuerst mußte er sich mit Vincent Viturate beschäftigen. Vor Monaten schon, und mit äußerst freundlichen und höflichen Worten, von einem Gruppenchef zum anderen, hatte er den Faserchef gebeten, nicht so hart an seiner neuen, feuerfesten Faser zu arbeiten. Es war nicht der rechte Zeitpunkt für einen Erfolg der Faser-Abteilung. So etwas würde die Aufmerksamkeit des Vorstandes von der Bewilligung der fünfzig Millionen Dollar ablenken, die er für die Hochdruck-Trialin-Fabrikationsanlage beantragt hatte. Aber Viturate hatte ihn ignoriert. Die Faserleute arbeiteten härter als je zuvor. Gerüchten zufolge standen sie jetzt vor der Eröffnung der Pilotproduktion. Wenn Viturate auch nur einen Funken von Verstand besaß, würde er seine Tests jetzt abblasen.
In der Woche seines sechzigsten Geburtstages bekam Vincent Viturate eine Reihe von interessanten Geschenken.
Am Montag gelang den Faserleuten der langerwartete Durchbruch. Mit Erfolg zogen sie eine halbe Meile der neuen Wunderfaser (sie nannten sie jetzt Pyropol) aus der Spinndüse der Pilotanlage.
Viturate ließ Proben davon bei Kussman (der nicht sonderlich erfreut zu sein schien) und ging mit seinen Leuten in eine nahe gelegene Kneipe, um dort zu feiern.
Am Dienstag wurde Viturate in Humberts Büro gerufen, und dort erfuhr er, daß er gefeuert war.
Mit bleichem Gesicht und völlig verdattert begann Viturate zu protestieren. „Aber das ist verrückt ! Ich bin nicht gescheitert – ich war erfolgreich ! Wir haben eine Faser gemacht! Hier …“ – er zog eine Rolle von seinem Monofil aus der Tasche und warf sie vor Humbert auf den Tisch – „… das ist sie! Pyropol!“
„Vince, alter Freund“, sagte Humbert traurig, „bitte fassen Sie es nicht so auf. Wir wissen, daß Sie Erfolg hatten. Das ist es ja gerade. Wir waren noch nicht ganz so weit. Es könnte sehr leicht die Aufmerksamkeit von anderen, wichtigeren Projekten ablenken – etwa von der Trialin-Anlage.“
„Ich gehe zu Kussman …“
„Fred hat mich gebeten, die Angelegenheit in dieser Weise zu regeln, Vince.“
Der Polymer-Wissenschaftler schwieg eine Weile. Dann begann er leise zu reden. Nicht zu Humbert. Nicht zu sich selbst. Er redete einfach.
„Später, im Jahre ’98, erfuhr ich, daß ich es beinahe zum Nobelpreis gebracht hätte, für meine Beiträge zur Polymerchemie. Genau wie Ziegler beim Polyäthylen und Natta beim Polypropylen. Diesmal wäre es gelungen, mit Pyropol – für das Team, für die Firma, für mich.“
Als Viturate hinausging, sank Humbert erleichtert auf seinem Stuhl zusammen.
Beim Mittagessen wurde die Entlassung gründlich analysiert.
„Wie kann man einen Mann feuern, weil er Erfolg hat?“ fragte Paul.
„Einer der Sprüche, die hier in den Gängen im Umlauf sind“, erwiderte Marggold düster, „ist, daß es nur zwei Gründe gibt, Ashkettles zu verlassen. Der eine ist Versagen, der andere Erfolg.“
In der Nacht nach Viturates
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