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Der Seher des Pharao

Der Seher des Pharao

Titel: Der Seher des Pharao Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Pauline Gedge
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mit warmem Wasser und rieben sich Soda in Haut und Haar. Anhor planschte und grunzte freudig, und Huy merkte, dass er eine echte Zuneigung zu diesem raubeinigen, phlegmatischen Mann entwickelte und es ihm leid tun würde, wenn er sich wieder von ihm trennen musste.
    Anhor fand es nicht gut, dass Huy, statt sich ins Bett zu legen, den Höfen der Schule einen Besuch abstatten wollte. »Du willst mit diesem fleischigen jungen Ochsen reden, der die Zunge eines boshaften Weibes hat?«, murrte er. »Glaub mir, Huy, so einer nimmt seinen Groll mit ins Grab. Da kannst du dir deine Worte sparen. Was verbindet dich überhaupt mit ihm?«
    »Er hat mich getötet«, antwortete Huy. »Ein andermal erzähle ich dir davon, Anhor, aber heute will ich mich mit ihm versöhnen. Das verlangt die Maat.«
    »Heil Uamtutef, ich habe mir das Herz nicht zerfressen«, sagte Anhor.
    »Was heißt das?«
    Anhor verdrehte die Augen. »Das ist eines der negativen Bekenntnisse aus dem Buch ›Heraustreten ins Tageslicht‹. Man muss sie alle auswendig können, um vor den Göttern zu bestehen, die über einen urteilen, wenn man gestorben ist. Weißt du das nicht? Und du hast gedacht, ich sei bloß ein ungebildeter Soldat!«
    »Nein, das habe ich nicht. Und ich versichere dir, dass ich mein Herz nicht wegen Sennefer zerfresse. Ich bin ihm nicht böse. Und ich will, dass er mir nicht mehr böse ist.«
    Anhor schnaubte. »Na, dann viel Glück. Wenigstens kann ich dich mit vollem Bauch verteidigen.«
    Huys Annahme, dass die Privaträume des Vorstehers in der Nähe des Eingangs zum ersten Hof sein müssten, erwies sich als richtig. Huy klopfte, und nach einer Weile erschien ein verschlafener Diener, der in der hellen Sonne blinzelte. »Kannst du mit deinem Problem nicht bis nach dem Nachmittagsschlaf warten?«
    Huy hatte diese Tageszeit gewählt, um die anderen Jungen nicht zu treffen, aber er hatte nicht an die Mittagsruhe des Vorstehers gedacht. »Wenn dein Herr schläft, will ich ihn nicht stören«, sagte er. »Aber wenn er noch wach ist, würde ich ihn gern kurz sprechen. Bitte sag ihm, Huy, Sohn des Hapu, sei da.«
    Nachdem der Mann wieder verschwunden war, murmelte Anhor: »Langsam lernst du es. Es schadet nicht, wenn man sein Gewicht manchmal in die Waagschale wirft. Die Diener hier erscheinen mir sehr hochmütig. Nicht wie die in Iunu. Die kennen ihren Platz.«
    »Ich denke, Pabast muss das immer noch lernen«, entgegnete Huy sarkastisch. Anhors Antwort ging unter, weil ein dicker Mann in der Tür erschien und sich in ein Laken wickelte. Auch er blinzelte in dem harten Mittagslicht, brachte aber eine Verbeugung zustande. »Ich hatte gehofft, dich kennenzulernen ehe du uns wieder verlässt, Sohn des Hapu«, sagte er ernst. »Es hat mir sehr leid getan, dass ich nicht dabei war, als du zusammen mit meiner Schülerhorde gegessen hast. Was kann ich für dich tun?«
    »Ich weiß, ich habe einen unpassenden Moment gewählt, um dich zu stören, Meister«, entschuldigte sich Huy. »Aber mein Anliegen ist privat. Ich wollte es nicht vor anderen äußern. Wo immer ich bin, errege ich sofort Aufsehen.« Das sollte nicht unbescheiden sein, aber in Huys Ohren klang es doch so.
    »Das ist verständlich.« Der Vorsteher nickte. »Aber bedauerlich. Ich fürchte, dein Name ist in jedem Unterrichtsraum des Landes bekannt, und die Enttäuschung wird groß sein, wenn du aus Chmunu verschwindest, ohne meinen Jungen ein bisschen Zeit gewidmet zu haben. Oder wenigstens den meisten von ihnen.«
    Erleichtert erkannte Huy am Blick des Mannes, dass dieser um die Geschichte mit Sennefer wusste. Für jeden guten Vorsteher einer Schule war es eine Selbstverständlichkeit, so viel wie möglich über seine Zöglinge in Erfahrung zu bringen.
    »Komm herein, lass uns aus der Sonne gehen.« Er ließ Huy vorangehen. Anhor nahm draußen seinen Posten ein.
    Der kleine Salon war angenehm kühl und dunkel. Dahinter konnte Huy einen noch kleineren Schlafraum und den Rand eines Bettes mit zerknitterten Laken erkennen. Der Diener lag wieder auf seiner Matte davor und schnarchte leise. Huy wartete, bis sich der Vorsteher auf dem einzigen Stuhl niedergelassen hatte, und hockte sich dann auf den Schemel daneben. Die Wand hinter ihnen bestand aus ordentlichen Reihen kleiner Nischen, die alle Schriftrollen enthielten. Der Tisch war das einzige andere Möbelstück; auf ihm befanden sich eine Lampe, eine Schreiberpalette, mehrere Tuschebehälter, ein Krug und ein Becher.
    »Klatsch nährt sich

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