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Der Seher des Pharao

Der Seher des Pharao

Titel: Der Seher des Pharao Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Pauline Gedge
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Wahrheit gesagt haben. Es ist sehr gut, dass deine Eltern derartige Heiden sind. So hat keine falsche Vorstellung von diesen heiligen Dingen deinen Blick verfälscht.«
    Er verbeugte sich und ging. Zurück blieb ein Huy, dessen Gesicht schamrot war ob seiner eigenen Unwissenheit, mochte sie auch unschuldig sein, und der seines Vaters. Ungeachtet Mentuhoteps Worten fühlte er sich wie ein Narr.
    Er grübelte über Frösche, bis sein Kopf zu hämmern begann. Über ihre Farben, ihren Glanz, ihre dicken, schwarzen Augen, ihre Bewegungen, ihr kehliges Quaken, wie kühl und trocken sie sich auf einer Handfläche anfühlen konnten. Als er merkte, dass nichts mehr hinzuzufügen war und er in seinem Geist nur mehr eine Mauer hatte, sprang er mit einem wütenden Schrei auf, weckte Anhor, der vor der Tür döste, und machte sich auf die Suche nach dem Sportplatz der Schule.
    Er befand sich nördlich vom Tempel und war, anders als in Iunu, rundum mit einer hohen Akazienhecke umgeben. Anhor nickte zustimmend, als sie zu der Lehmziegelkammer neben den Ställen gingen. »Da er auf der Nordseite liegt, dringt nur wenig Morgensonne herein. Und dank der Akazien bleibt der größte Teil im Schatten«, erklärte er. »Glaub mir, Huy, unter so idealen Bedingungen werden die meisten Schlachten nicht geschlagen.«
    Unvermittelt trat ein Mann aus der Kammer. Sein Blick wanderte misstrauisch von Huy zu Anhors breiten Schultern und seinen Waffen. Mit einem leichten Neigen des Kopfes forderte er sie zum Sprechen auf, und Huy erkannte erleichtert, dass es zumindest einen Menschen gab, der nicht wusste, wer er war. Er verbeugte sich höflich. »Ich nehme an, ich spreche mit dem Vorsteher des Sportplatzes«, sagte er förmlich. »Ich bin Huy, Sohn des Hapu, von der Tempelschule in Iunu und von meinen Lehrern zu Studienzwecken hierhergeschickt worden. Das ist mein Wächter Anhor.«
    Der Mann blickte auf Huys Handflächen und Taille, um das Henna, mit dem sich Aristokraten bemalten, oder das Wurfholz, mit dem sie jagten, zu entdecken. Verwirrt grunzte er: »Ich bin der Vorsteher. Was willst du von mir, Huy, Sohn des Hapu?«
    »Ich würde während meines Aufenthalts hier gern meine Übungen im Bogenschießen fortsetzen. Wenn du dazu die Erlaubnis des Vorstehers der Schule brauchst, schicke ich einen Diener, damit er sie besorgt.«
    »Für diese Ausrüstung ist das nicht nötig«, antwortete der Mann knapp, und sein Blick streifte erneut den gleichmütigen Soldaten. »Aber wenn du dich auf einen Wagen schwingen willst, brauche ich das Siegel des Vorstehers, und ich kann dir auch keinen Partner zum Ringen stellen.«
    Huy hätte die Bärbeißigkeit am liebsten aus ihm herausgeschüttelt. »Ich ringe mit meinem Wächter. Und wenn ich einen Wagen wollte, hätte ich keine Schwierigkeit, sofort die Erlaubnis für den besten, den du hast, zu bekommen. Jetzt zeig mir die Bogen.«
    Der Mann senkte den Blick. Ohne ein weiteres Wort führte er sie in einen großen Raum neben seiner Kammer, wo die Bogen in einer langen Reihe aufgehängt und die Sehnen in mit Öl getränkten Hanf gewickelt waren. Es war nicht nötig, dass ich so grob war, dachte Huy voller Reue. Und es wurde ihm auch klar, dass er insgeheim die Hoffnung hegte, die körperliche Anstrengung könnte dieselbe Art von Geistesblitz bringen wie auf dem Sportplatz in Iunu. »Dieser hier«, sagte er und deutete auf einen der Bogen. »Und ich nehme das ganze Fass mit den Pfeilen, um sie alle auszuprobieren. Die Zielscheibe kann ich selbst aufstellen.«
    »Wie du wünschst.« Der Vorsteher schlich davon. Huy hob den Bogen herunter, nahm sich ein Paar Lederhandschuhe aus der Truhe neben dem Eingang, und Anhor schleppte das Fass mit den Pfeilen hinaus.
    »Ich würde gern mit dir ringen, Huy«, keuchte er, »aber wenn ich dich verletze, wird Ramose ein paar harte Worte für mich haben.«
    Huy kicherte. »Für mich sicher auch. Stell die Zielscheibe dort drüben auf, Anhor, und setz dich in den Schatten. Wenn ich genug geschwitzt habe, waschen wir uns und essen etwas.«
    Eine Stunde lang spannte Huy immer wieder den Bogen und ließ den Pfeil losschnellen, bis die Scheibe schließlich vor seinen Augen verschwamm, seine Arme schmerzten, sein Schurz schweißnass war und er sich seine Niederlage eingestand. Die körperliche Betätigung hatte ihm gut getan, aber die Erkenntnis, um die es ihm ging, war ausgeblieben. Im Badehaus der Priester standen sie nebeneinander auf den Steinplatten, übergossen sich gegenseitig

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