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Der Sohn des Donnergottes

Der Sohn des Donnergottes

Titel: Der Sohn des Donnergottes Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Arto Paasilinna
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Apparat pinkelte. Zuerst hatte er eine Weile dagegengetreten und dann hineingepißt.
    »Und wissen Sie was? Der Kerl bekam von der Schrottkiste einen derart fürchterlichen Stromschlag, daß man seinen Leichnam mit Schippe und Besen direkt vom Fußboden in die Urne kehren konnte, ha ha!
    30.000 Ampere direkt ins Rohr! Das nenne ich einen Blitzschlag!«
    Rutja wurde wütend. Hier wurde auf Kosten eines Gottes Witze gerissen. Er sah sich um, um sich zu vergewissern, daß keine Unbeteiligten im Raum waren. Dann richtete er einen eindringlichen Blick zum Himmel und murmelte:
     
    He ho Ukko Obergott,
    Donnerer am Himmelsrand,
    schick aus Gnade einen Blitz,
    einen zischenden Zitterball!
     
    Instinktiv hielt sich Steuerprüferin Suvaskorpi die Ohren zu und zog sich in eine Ecke zurück. Und schon war aus der Lüftungsklappe ein Zischen zu hören, und bald zwängte sich ein knisternder, gelber Kugelblitz in den Raum. Er verbreitete einen stechenden Geruch und bewegte sich unruhig hin und her wie ein Irrlicht. Zuerst umkreiste er zweimal Rutja, machte sich dann mit Steuerprüferin Suvaskorpi bekannt, die in ihrer Ecke zitterte, bis er sich auf Rutjas Wink schließlich Notar Mälkynen zuwandte, wobei er einen schrillen Pfiff ausstieß. Zischend schoß er auf den Notar zu, schnaubte und spritzte um ihn herum und setzte dann die Wollkrawatte in Brand, und zwar mit so heißem Feuer, daß am Hals eine Brandwunde entstand, obwohl sich der Notar den brennenden Schlips sofort herunterriß, danach nahm der Kugelblitz auf dem Schreibtisch Platz. Zufällig lag unter ihm der Taschenrechner des Notars, der nun zu einer unförmigen Masse zusammenschmolz und dabei eine Vertiefung in die Schreibtischplatte hineinbrannte. Auch ein Stapel amtlicher Papier wurde angesengt, und die Luft im Büro war trübe vor Gas und Rauch. Unter dem Hals des Notars stieg gelber Dampf auf.
    »Entfernen Sie das sofort, ich glaube Ihnen ja!« schrie er in seiner Not.
    Rutja zeigte dem Kugelblitz die Lüftungsklappe, aber der hatte nicht so richtig Lust, wieder nach draußen zu verschwinden. Es mußte ihm ausdrücklich befohlen werden, bevor er sich durch die Klappe zwängte und draußen dumpf explodierte.
    Steuerprüferin Suvaskorpi fand noch vor Notar Mälkynen ihre Fassung wieder. Sie öffnete das Fenster, um die dicken Rauchschwaden und das Gas abziehen zu lassen. Sie hatte keine Angst, aber ihr Gesicht war sehr ernst. Notar Mälkynen hingegen fürchtete sich gewaltig: Er war kreidebleich, seine Stimme bebte, die Hände zitterten, und es fehlte nicht viel, und er hätte die Beine unter dem Arm genommen und wäre aus seinem eigenen Büro geflüchtet. Es war ihm gründlich vergangen, auf Kosten von Rutja Ronkainen Witze zu machen.
    Rutja Ronkainen verneigte sich leicht vor Frau Suvaskorpi, um ihr zu signalisieren, daß die Sache geregelt war, sie konnten gehen. Die Steuerprüferin verstaute die Namensänderungsbescheinigung in ihrer Tasche. Notar Mälkynen blieb qualmend in seinem Büro zurück.
    Auf der Straße packte Frau Suvaskorpi Rutja an der Schulter.
    »Oh, wie ich dich bewundere! Ich glaube an dich, du besitzt göttliche Kraft.«
    Rutja konstatierte, daß es harte Arbeit gewesen war, Steuerprüferin Suvaskorpi zu bekehren, zahlreiche Erklärungen und Versicherungen waren nötig gewesen und außerdem zwei Blitzschläge.
    »Wenn alle Finnen in Glaubensangelegenheiten so stur sind, bedeutet das, daß es demnächst in Finnland ununterbrochen blitzen wird. Dann werden zehn Millionen Blitzschläge nötig sein…«
    »Nicht alle Finnen sind Steuerprüfer. Mein Beruf bringt es mit sich, daß ich schon seit Jahren nicht mehr an das glaube, was mir die Leute erzählen. Ich glaube nur noch an nackte Tatsachen. Alles muß auf dem Papier nachprüfbar sein.«
    »Aber daß ich der Sohn des Donnergottes bin, hast du mir schließlich auch geglaubt, als das Gewitter losging.«
    Frau Suvaskorpi räumte ein, von nun an außer offizielle Dokumente auch Gewitter für verläßlich zu halten.
    Rutja führte sie zum Mittagessen in ein Restaurant aus. Wie es seinen Gepflogenheiten entsprach, aß er gut und trank zwei Flaschen Wein zur Mahlzeit. Die Steuerprüferin warnte ihn angesichts dieser Angewohnheit. Als Rutja fragte, was am Genuß von Wein auszusetzen sei, erläuterte sie, daß an und für sich nichts dabei wäre, daß zwei Flaschen aber eine zu hohe tägliche Menge seien. Das hätte zwangsläufig zufolge, daß ein Mensch Alkoholiker werde. Sie wollte gar nicht erst an

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