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Der Waldläufer

Der Waldläufer

Titel: Der Waldläufer Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Karl May
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einen solchen Fund verschenken?«
    »Ihr habt Recht, Sennor Oroche; es wäre Thorheit!«
    »Ihr mögt es als einen Beweis meiner ganz besonderen Freundschaft für Euch anerkennen, daß ich Euch diese Entdeckung mitgetheilt habe. Ein Anderer aber soll nichts davon erfahren. Wenn Zwei theilen, erhält man mehr als wenn Vier oder gar noch mehr ihr Antheil fordern.«
    Sie folgten den andern Beiden. Baraja hatte mit seiner Absicht, die Entdeckung Arechiza mitzutheilen, nur seinen Kameraden sondiren wollen, und dieser wieder ärgerte sich jetzt, den Fund nicht vollständig verschwiegen zu haben. Es waren zwei Männer, von denen der Eine gerade so wenig werth war, wie der Andere.
    »Halt!« erscholl da die Stimme Diaz.
    Er hatte Cuchillo erblickt, welcher von der Pyramide gestiegen war und eben im Begriffe stand, sich zu seinem Pferde zu begeben.
    Der Angerufene blieb bei dem Anblicke seiner Verfolger einen Augenblick lang erschrocken stehen; dann aber wandte er sich, um die Flucht zu ergreifen. Nur die Ueberraschung war Schuld, daß er sich zu diesem unklugen Schritte, mit welchem er die ganze Absicht seiner Entfernung von dem Lager verrieth, entschloß.
    Zwei Hähne knackten hinter ihm. Sowohl Don Arechiza als auch Diaz hatten ihre Büchsen zum Schusse erhoben.
    »Steht, Cuchillo, sonst seid Ihr verloren!« befahl der erstere.
    Der verrätherische Wegweiser der Expedition wandte sich um. Sein Auge glühte, man konnte nicht unterscheiden, ob vor Haß und Rache oder vor Wuth über die unerwartete Ueberrumpelung.
    »Was wollt Ihr?«
    »Euch. Tretet näher!«
    »Ich habe mit Euch nichts mehr zu schaffen!«
    »Aber desto mehr wir mit Euch! Tretet näher, sage ich zum letzten Male! Wenn Ihr glaubt, ich scherze, so könnt Ihr sofort erfahren, daß ich im Ernste handele.«
    Cuchillo trat langsam und zögernd herbei.
    »Warum habt Ihr Euch vom Lager fortgeschlichen?«
    »Fortgeschlichen? Das ist mir nicht eingefallen, Sennor Arechiza. Ich bin frank und frei davongeritten, und wenn Ihr es nicht sofort bemerkt habt, so fällt die Schuld nicht auf mich, sondern nur auf Euch.«
    »Ich streite natürlich nicht mit Euch, Cuchillo, aber das ist sicher: wer ohne meine Erlaubniß öffentlich oder im Geheimen das Lager verläßt, ist ein Verräther und wird auch als ein solcher behandelt!«
    »Gerade weil man mich für einen Verräther hielt, bin ich fortgegangen. Ich bin der Mann, durch welchen die Expedition in den Besitz von Millionen kommen soll, und habe nicht Lust, dafür von mir sagen zu lassen, daß ich die Indianer auf Eure Fährte bringe.«
    »Gut! Ihr seid der Mann, der uns Millionen versprochen hat. Wo ist die Bonanza?«
    »Ich habe sie noch nicht wiedergefunden.«
    »Ihr habt sie!«
    »Nein!«
    »Erinnert Euch, Cuchillo! Als ich Euch engagirte, gab ich Euch zu verstehen, daß ich jede und auch die kleinste Untreue streng bestrafen würde. Ich rufe Euch dies in das Gedächtniß zurück, weil in diesem Augenblicke Euer Leben an einem einzigen, dünnen Haare hängt! Wo ist die Bonanza?«
    »Ich muß sie erst suchen!«
    »Nun wohl! Ich gebe Euch gerade fünf Minuten Zeit, sie zu finden. Ist diese Frist verstrichen, ohne daß Ihr uns das Placer zeigt, so erhaltet Ihr vier Kugeln.«
    »Das würde Euch nichts nützen, denn ohne mich entdeckt Ihr das Goldthal nie.«
    »Meint Ihr?« lächelte Don Estevan spöttisch. »Ihr seid so unvorsichtig gewesen, mir die Gegend ganz genau zu beschreiben, und ich sehe sie jetzt in all ihren Einzelnheiten vor mir liegen. Die Bonanza ist hier, ich wette, nicht weiter als in einem Umkreise von höchstens hundert Schritten. Sobald Ihr die Kugeln habt, werden wir suchen und das Gold entdecken.«
    Cuchillo knirschte mit den Zähnen.
    »Ihr werdet nichts finden!«
    »Spart Eure unnützen Behauptungen! Ihr habt nur noch drei Minuten Zeit. Seht, wie gut diese Leute zielen!«
    Diaz, Baraja und Oroche hielten ihre Gewehre auf den Verräther gerichtet, bereit, auf ein Wort Don Estevans loszudrücken.
    Cuchillo versuchte den letzten Trumpf.
    »Wollt Ihr heut zum Mörder werden gerade, wie damals in der Nacht auf Elanchovi, wo Ihr Eure eigene Schwägerin, die Gräfin Luisa von Me – – –«
    »Ja,« fiel ihm Arechiza donnernd in die Rede, »ich will an Euch zum Mörder werden, wie Ihr es an dem armen Marcos Arellanos geworden seid, dem Ihr wegen der Bonanza das Leben genommen habt!«
    Cuchillo’s Fäuste ballten sich; seine Augen schossen verzehrende Blitze; seine Lippen bebten; er hatte ganz das Aussehen

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