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Der Waldläufer

Der Waldläufer

Titel: Der Waldläufer Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Karl May
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ganz von uns trennen, um das Gold für sich allein zu behalten, oder er beabsichtigt, einen Theil desselben auf die Seite zu schaffen, ehe er uns das Placer übergiebt.«
    »Der Teufel soll ihn holen!«
    »Der Teufel nicht, sondern wir, Sennor Oroche, denn dies und nichts anderes ist die Absicht Don Estevans. Dieser Diaz ist ein ganz famoser Kerl, der sogar auf diesem felsigen Boden die Spur zu finden weiß, als sei sie mit den deutlichsten Buchstaben in die Steine eingegraben.«
    »Das ist sein Handwerk,« warf Oroche ein, indem er seine Mantelfetzen so malerisch wie möglich über die Schulter warf. »Ein Jeder muß sein Metier verstehen, und ich denke, daß ich in dem meinigen auch kein Stümper bin, wie ich Euch gerade jetzt beweisen könnte.«
    Baraja horchte auf. Oroche gab vor, ein ausgezeichneter Gambusino zu sein. Befand er sich vielleicht gerade jetzt in der Lage, dies durch die That bekräftigen zu können?
    »Ihr seid, wie Jedermann weiß, einer der trefflichsten Goldfinder, die es geben kann, Sennor Oroche, und es sollte mich allerdings freuen, wenn Ihr dieser guten Meinung jetzt, da wir uns der Bonanza nähern, entsprechen könntet.«
    »Das vermag ich allerdings, Don Baraja,« antwortete der Aufgeforderte, stolz die langen Locken schüttelnd. »Seht Euch doch einmal die Art und das Gefüge der Gesteine hier an, so werdet Ihr sehr bald etwas sehr Wichtiges bemerken.«
    Baraja ließ das Auge aufmerksam umherschweifen.
    »Ich bemerke leider nichts.«
    »Das ist nicht zu verwundern, denn Ihr seid kein Gambusino, dessen Auge für solche Erscheinungen eingeübt ist. Wenn mich nicht alles täuscht, so befinden wir uns in einer Gegend, welche außerordentlich goldreich ist, und wer die rechte Zeit hätte, hier zu suchen, könnte vielleicht viel, sehr viel finden.«
    »Vielleicht ist die Bonanza in der Nähe!«
    »Sehr wahrscheinlich. Seht Ihr, wie aufmerksam Diaz wird? Er hat nur Augen für die Spur und reitet langsamer und vorsichtiger als vorher.«
    In diesem Augenblicke erscholl der erste Schrei Cuchillo’s.
    Die vier Reiter hielten an.
    »Was war das?« frug Don Estevan.
    »Sollte dies eine menschliche Stimme sein?« antwortete Diaz. »Ich kenne kein Thier, welches solche Töne hervorbringt.«
    Der Schrei wiederholte sich.
    »Das ist ein Mensch,« erklärte Arechiza, »aber ein Mensch in fürchterlicher Aufregung, in einer ganz ungewöhnlichen Ekstase. Die Echo’s verhindern zu hören, wo er sich befindet.«
    »Jedenfalls in der Nähe. Bleibt zurück, Don Estevan, und laßt mich rekognosziren. Man muß immer vorsichtig sein.«
    Er lenkte sein Pferd vorsichtig um die nächste Felsenecke, wo er die Pyramide und ihre Umgebung von der Seite, woher er gekommen war, vollständig überblicken konnte. Sofort fiel ihm ein Gegenstand in die Augen, welcher von der größten Wichtigkeit für ihn war: Der Schimmel Cuchillo’s. Das Thier stand zwischen der Pyramide und dem Goldthale; es war nicht angepflockt; sein Herr mußte sich also in der Nähe befinden.
    Mit einigen raschen Sätzen hatte Diaz es erreicht, nahm es beim Zügel und brachte es hinter die Felsenecke zurück.
    »Hier, Don Arechiza, habt Ihr einen Anhalt darüber, wer den Schrei ausgestoßen hat!«
    »Cuchillo!«
    »Ja. Es war ein Schrei des Entzückens. Er hat die Bonanza gefunden und im Jubel darüber die Vorsicht vergessen.«
    »Wo ist er?«
    »Ich sah ihn nicht.«
    »So müssen wir ihn suchen. Wir steigen ab und umgehen die Pyramide. Auf diese Weise werden wir ganz sicher auf ihn stoßen.«
    »Die Umgehung dieses Grabmales ist nicht nöthig. Wir haben seine Spur und werden ihr folgen. Das ist genug.«
    Sie stiegen ab, koppelten die Pferde an und folgten Diaz, welcher Schritt um Schritt den für ein anderes Auge vollständig unsichtbaren Fußspuren Cuchillo’s nachging. Als sie an dem Placer vorüberschritten, blieb Oroche unwillkürlich stehen und heftete sein Auge auf den Boden.
    »Was gibt es, Sennor Oroche?« frug Baraja.
    »Etwas unendlich Wichtiges. Seht Euch einmal diese Felsenritze an!«
    »Warum?«
    »Bemerkt Ihr nichts Auffallendes an ihr?«
    »Nein. Ich sehe nur den Sand, welchen das Wasser in ihr abgespült hat.«
    »Nun wohl, Sennor Baraja, ich bin ein Gambusino und wette meinen Kopf gegen eine Caktuskugel, daß dieser Sand wenigstens fünfzehn Prozent Gold enthält.«
    »Ah! Wir müssen Don Estevan darauf aufmerksam machen!«
    »Was fällt Euch ein! Die Ritze ist tief. Wer weiß, wie viele Pfunde Goldstaub sie enthält. Wollt Ihr

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