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Die Chroniken der Schattenwelt: Angelos (German Edition)

Die Chroniken der Schattenwelt: Angelos (German Edition)

Titel: Die Chroniken der Schattenwelt: Angelos (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Gesa Schwartz
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Engels, die sich mit jedem Sinn in die Dunkelheit erstreckte, aber er nahm auch dessen Verlangen wahr, sich nur für einen Moment ganz der Roten Kraft hinzugeben. Ligur setzte zum Sprung an, Raars Reglosigkeit wurde vollkommen wie immer kurz vor dem Angriff, und Kymbra atmete nicht, als sie mit leicht geöffnetem Mund zu dem Engel hinüberschaute, als wollte sie an seiner Stelle in diesem roten Licht stehen.
    Komm schon , murmelte Pherodos in Gedanken. Du bist gefallen – wie wir!
    Der Engel stand mit ausgestreckten Armen da, als wollte er zum Himmel auffahren. Endlich legte er den Kopf in den Nacken und schloss die Augen. Pherodos konnte sich nur mit Mühe davon abhalten, ihm auf der Stelle das Herz aus der Brust zu reißen, doch Raar glitt blitzschnell hinab, baute sich hinter dem Engel auf und stob wie ein Sturm aus wirbelnder Asche durch ihn hindurch. Pherodos hörte das Bersten der Knochen, die Adern und Blutgefäße, die unter den tausend Stimmen zerrissen, und er sah den Engel schwanken, noch ehe er in plötzlicher Erkenntnis das Gesicht verzog. Seine Augenhöhlen erstrahlten in gleißendem Gold, Schmerz lag in ihren Abgründen, und ehe Raar zurückweichen konnte, traf ihn das Licht des Engels und brannte ein Loch in seine Brust. Pherodos meinte, sich windende Leiber unter der verkohlten Kleidung zu sehen, unzählige Glieder, die sich ineinanderkrallten. Dann schlug Raar seinen Umhang zurück. Sein Stab traf den Mönch knapp über dem Herzen. Faulendes Gewebe brach auf, der Engel keuchte. Dennoch wirbelte er erstaunlich schnell herum, aber ehe das Gold seiner Augenhöhlen Raar erneut verwunden konnte, packte ihn ein klebriger dürrer Schatten von hinten. Er sprang ihn an, schlang Arme und Beine um ihn und riss seinen Kopf zurück. Kurz hörte Pherodos das keckernde Lachen und sah Ligurs Haifischgebiss aufblitzen. Dann grub der Dämon seine Zähne in den Leib des Engels und sog das Laskantin aus ihm heraus. Kein Ton kam aus der Kehle des Mönchs, während seine Glieder sich schwarz verfärbten und sich das Geschwür Raars tiefer in sein Fleisch senkte. Schon hörte Pherodos dessen Herzschlag, dumpf und unwirklich brachte er die Erde zum Erzittern. Er schaute zu Kymbra hinüber in der Erwartung, dass sie vortreten würde, aber sie stand nur da, den Blick noch immer in flackerndes Rot gehüllt, und nickte ihm wortlos zu. Da setzte Pherodos sich in Bewegung. Seine Fingerspitzen kribbelten. Er wusste, dass jeder seiner Schritte dem Engel wie ein Dolchstoß durch den Körper glitt, und als er vor ihm stehen blieb, genoss er den Anblick des Sterbenden. Wie lange war es her, seit er einen Bruder des Lichts getötet hatte? Er erinnerte sich gut an die Arroganz dieser Engel, an ihre Kälte und an die Grausamkeit, die in ihnen ebenso stark loderte wie in einem Dämon des Neunten Kreises. Sie huldigten dem Licht, was auch immer es sein mochte, und kannten die Schatten nicht einmal gut genug, um sie in sich selbst zu töten. Keiner von ihnen ahnte, was wahre Finsternis war, und dies allein schürte Pherodos’ Zorn ausreichend, um jedem von ihnen mit einem einzigen Hieb den Kopf vom Körper zu trennen. Er ließ seine Gelenke knacken. So einfach konnte er es sich dieses Mal nicht machen.
    Mit einem Knurren befahl er Ligur zurück, der widerstrebend von dem Engel abließ. Der Mönch schwankte, aber er würde nicht fallen. Er war ein Krieger, die Kraft in ihm war stark. Pherodos packte ihn an der Kehle. Die Kälte des hageren Leibes strömte in seine Glieder, aber schon riss er den Engel zu sich heran und schickte seine Schatten in ihn hinein. Mit wildem Triumphgeheul stürzten sie sich vor. Ein heiseres Keuchen drang aus der Kehle des Mönchs, das Licht seiner Augenhöhlen war kaum noch mehr als ein versagender Funken, und als die Schatten seine Gedanken einhüllten, verwandelten sie sich in schwarze Scherben. Pherodos sah die Erinnerungen, die seine Magie aus dem Innersten des Engels hervorzerrte. Bilder waren es von brennenden Leibern, von endlosen Schlachtfeldern, tote Engel, die von Dämonenklauen in eine Schlucht geworfen wurden und die so zahlreich waren, dass sie ein Meer bildeten aus verdrehten, zerstückelten, toten Leibern. Dann karger Steinboden unter nackten Füßen, Dunkelheit und der Glanz von Flammen auf der scharfen Klinge eines Messers – das letzte Bild, das seine lebendigen Augen sahen. Pherodos fühlte den Schnitt selbst, das Blut, das dem Engel über das Gesicht lief, und er spürte erneut das

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