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Die Chroniken der Schattenwelt: Angelos (German Edition)

Die Chroniken der Schattenwelt: Angelos (German Edition)

Titel: Die Chroniken der Schattenwelt: Angelos (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Gesa Schwartz
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der Grünen Nonnen geschmiedet wurde, in den Ebenen von Aranthur, aus denen er die Winde der Flüsterer mit sich brachte … und gegen Askramar, den schrecklichen Meister der Schatten.« Wie zufällig blieb sie stehen und deutete auf ein Schwert mit glänzender schwarzer Klinge. »Ist dies nicht die Waffe, die Ihr führtet?«
    Avartos warf seinem Vater einen Blick zu. Er hatte schon den Mund geöffnet, um sich für Noemis Unverfrorenheit, erneut ohne Aufforderung das Wort zu ergreifen, zu entschuldigen, als ihm bewusst wurde, wie sein Vater dasaß. Noch immer regungslos, doch seine Hand hatte sich fest um einen Stapel Papiere geschlossen – fest genug, um jedes Blut aus seinen Fingern zu treiben. Er sah Noemi nicht an, er fixierte das Schwert, und für einen Moment glaubte Avartos eine widersprüchliche Regung erkennen zu können, als wollte er sich einerseits abwenden und andererseits die Waffe in die Hand nehmen.
    »Es ist das Schwert eines Kriegers, nicht wahr?« Nandos Stimme war so unbedarft, dass Avartos ihn erstaunt ansah. Der Sohn des Teufels trat nun ebenfalls mit wissbegieriger Miene zu der Waffe, und als er zum Weißen Krieger hinübersah, da lag etwas in seinen Augen, das mehr war als eine unbedarfte Frage, etwas wie … Mitgefühl? Eine Lockung? Avartos wusste es nicht, aber vielleicht war es dieses Etwas, das seinen Vater nicken ließ. Nando hingegen sah ihn nicht an, als er weitersprach.
    »Es waren Hunderte Dämonen gegen Euch, habe ich gelesen«, sagte er, während Kaya auf seiner Schulter mit großen Augen auf das Schwert schaute. »In mehreren Schlachtreihen seid Ihr gegen sie ins Feld gezogen … «
    »… und Ihr habt ihnen blutige Verluste beigebracht«, fiel Noemi ein. »Mit festem Griff habt Ihr das Schwert geführt – gegen Eure Feinde und die Schergen des Hexenmeisters!«
    Ein Funkeln ging durch ihren Blick, der Avartos vortreten ließ, doch er war nicht schnell genug. Blitzartig ergriff Noemi das Schwert. Sie schwankte, als wäre es ihr zu schwer, schon sah Avartos es fallen – doch da sprang sein Vater vor. Rasend schnell war er an Noemis Seite und griff nach dem Schwert, um es vor einem Sturz zu bewahren. Funken strömten zwischen seiner Hand und der Waffe hin und her und färbten die Klinge rot.
    »Nein«, raunte er wie in Gedanken. »Tausende waren es, und es wurden immer mehr.« Noemi wich vor dem erbarmungslosen Frost zurück, der aus der Klinge strömte, auch Nando trat aus dem Schein. Ein rotes Glimmen flackerte über das Gesicht des Kriegers, und Avartos sah die Reiterstaffeln des Ersten Regiments vor sich, als würde er gerade zum ersten Mal über die Schlacht gegen den Hexenmeister lesen. Er sah seinen Vater mit Hadros Seite an Seite kämpfen, roch die Glut der Schwerter und fühlte die Macht der Zauber. Und als sie die Festung stürmten und die Flüche von den Mauern rissen, da schien es ihm, als würde er selbst auf die Dämonen einschlagen. Alle anderen Krieger verschwammen vor seinem Blick, er sah nur noch Kolkrinor, so wie er ihn immer gesehen hatte: Strahlend, übermächtig, heldenhaft stellte er sich der Finsternis entgegen, und erst als sein Vater in seiner düsteren Bibliothek den Kopf neigte, verblassten die Bilder. Stattdessen sah Avartos die Veränderung auf den Zügen des Weißen Kriegers, es war, als würde dieser noch immer inmitten der Schlacht stehen und Hadros im Kampf gegen Askramar fühlen können, und mit jedem Hieb, jeder Erschütterung aus dem Turm begann die Maske auf dem Gesicht des Engels stärker zu flattern. Aber ehe Avartos einen Blick darunter werfen konnte, schüttelte sein Vater den Kopf.
    »Hadros stellte sich Askramar entgegen«, fuhr er fort. »Er bezwang ihn und bewahrte uns vor der Finsternis, und doch … In dem Moment, da sich die Tore des Turms hinter ihm schlossen, haben wir ihn verloren.«
    Avartos wusste nicht, was sein Vater mit diesen letzten Worten meinte, aber er hörte die Schuld, die in jeder Silbe mitklang wie eine Bitte um Vergebung, die niemals erteilt werden konnte. Noch nie zuvor hatte er seinen Vater auf diese Weise von der Schlacht gegen Askramar sprechen hören, leise und wie gegen seinen Willen, und es kam ihm so vor, als wäre es eine ganz andere Geschichte, die er soeben erfahren hatte – eine Geschichte, die weit über den Kampf gegen den Hexenmeister hinausging. Etwas wie Reue klang in seinen Worten wider, als hätte er Hadros im Stich gelassen, oder als hätte er keine Möglichkeit gehabt, ihn vor einer

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